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So lernen MHH-Studenten den Umgang mit Patienten

Bundesweit Vorbild So lernen MHH-Studenten den Umgang mit Patienten

Früher Umgang mit echten Patienten im Medizinstudium ist nicht selbstverständlich. In Hannover lernen Studenten an der Medizinischen Hochschule besonders früh mit Kranken umzugehen. Das Modell ist bundesweit Vorbild.

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Oberarzt Marcus Hiss aus der Nephrologie leitet Studierende bei der Untersuchung eines Patienten an.

Quelle: Karin Kaiser

Hannover. Dem ersten Patienten ist Marie Mikuteit schon in der ersten Woche ihres Medizinstudiums begegnet. Ein Dozent stellte den Anfängern einen Kranken vor. „Und wir durften ihm Fragen stellen.“ Der Bezug auf den Patienten zieht sich durch das ganze Studium. Im ersten Jahr begleitete Marie Mikuteit mit Mitstudenten regelmäßig einen Klinikarzt bei der Visite. Im zweiten Jahr lernen die angehenden Ärzte mit Laiendarstellern, wie sie Krankheitssymptome im Gespräch erkennen und vor allem auch, wie sie schlechte Nachrichten mitfühlend und zugleich kompetent übermitteln.

Selbstverständlich ist diese frühe Orientierung am Patienten im Medizinstudium bisher bundesweit noch nicht. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat ihr Studium bereits 2005 auf den Modellstudiengang „Hannibal“ umgestellt und gehört mit Aachen zu den Vorreitern. Die Charité in Berlin und Kliniken in Hamburg, Köln, Düsseldorf, Mannheim und Oldenburg haben ähnliche Modelle. Was Hannover und die anderen Kliniken entwickelt haben, bildet jetzt den Ausgangspunkt für den „Masterplan Medizinstudium 2020“, den Bund und Länder gestern verabschiedet haben. Diese Empfehlungen versprechen mehr Praxisorientierung und eine Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium. Sie müssen allerdings noch in der bundesweiten Approbationsordnung verankert werden.

„Wir haben Pate gestanden für diese Entwicklung“, unterstreicht MHH-Studiendekan Prof. Ingo Just. Medizinstudenten sollen zukünftig regelmäßig bei Hausärzten hospitieren. MHH-Studenten machen dies bereits zwei Wochen im Praktikum und einen Monat in der Famulatur bei einem Allgemeinmediziner. Zukünftig sollen laut Masterplan im praktischen Jahr weitere drei Monate hinzukommen. Studiendekan Just begrüßt dies, auch wegen des hohen Bedarfs an Allgemeinmedizinern. „Ein Hausarzt hat den ganzen Patienten im Blick und erkennt vielleicht, dass dessen Magenschmerzen vom Stress am Arbeitsplatz kommen.“

"Am wichtigsten im Studium ist mir, den Umgang mit den Patienten zu lernen"

Studentin Jacqueline Niewolik hospitiert gerade bei einem Allgemeinmediziner. „Unter Medizinstudenten werden Hausärzte ein bisschen belächelt, die Arbeit gilt als langweilig.“ Der 22-Jährigen geht das anders. „Hausärzte erfahren wirklich viel über ihre Patienten, weil sie diese lange Zeit ihres Lebens begleiten. Ich sehe hier, wie cool der Job ist, und das motiviert.“ Jacqueline Niewolik hat sich Hannover wegen der Praxisorientierung gezielt als Studienort ausgesucht und es nicht bereut. „Am wichtigsten im Studium ist mir, den Umgang mit den Patienten zu lernen, denn das macht meinen zukünftigen Beruf aus.“

Die neuen Richtlinien sehen auch vor, dass für die Studienzulassung neben der Abinote soziale und kommunikative Fähigkeiten zählen sollen. Die MHH vergibt grob 20 Prozent ihrer 270 Plätze für die Leistungsbesten nach Note, 20 Prozent nach Wartezeit, 10 Prozent für Ausländer und Härtefälle. 50 Prozent der Studenten kommen über ein Auswahlgespräch an die Uni, das soziales Engagement und Gesprächsgeschick mitbewertet. Aber auch für diese 135 Plätze werden nur gute Bewerber geladen, jedes Jahr 450 Anwärter. Ein Abischnitt von 1,6 war dafür in den vergangenen Jahren erforderlich. Wenn die Bewerber besonders gut sind, steigt die erforderliche Note für die Einladung. „Über soziale Kompetenz sagt ein gutes Abitur wenig aus“, kritisiert daher Jacqueline Niewolik. Mit dem Masterplan werde sich diese Vorgabe nicht ändern, sagt Studiendekan Just.

Landarzt-Regelung in der Kritik

Besonders kritisch sehen viele Mediziner die geplanten Bestimmungen, die dem Mangel an Landärzten entgegenwirken sollen. Der Masterplan sieht vor, dass 10 Prozent der Studienplätze künftig an Bewerber gehen, die sich verpflichten, nach dem Studium zehn Jahre im ländlichen Raum zu arbeiten. „Ein 18-Jähriger kann das noch gar nicht abschätzen“, kritisiert Prof. Just. Daher gibt es bereits Ankündigungen aus der Politik, dass Studenten sich freikaufen können, wenn sie sich später anders entscheiden. Der Missbrauch sei absehbar, warnt Just. „Eltern, die es sich leisten können, zahlen ihren Kindern jetzt ein Studium in Ungarn. Das brauchen sie dann nicht mehr.“ Gerechter werde das System dadurch nicht, sagt Studentin Marie Mikuteit. „Landärzte müssten besser bezahlt und ausgestattet werden“, schlägt sie vor. Mikuteit, die sich im MHH-Asta engagiert, bemängelt, der Masterplan gehe nicht auf die Digitalisierung in Beruf und Studium ein.

Kritik kommt auch von den Wissenschaftsministern der Länder, die den Plan unter Finanzierungsvorbehalt stellen. „Wir lassen es nicht zu, dass die Kosten auf die Hochschulen abgewälzt werden“, sagt Niedersachsens Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic. Und bevor die Landarztquote komme, müssten alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

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