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Aus der Stadt Was tun, wenn’s im Üstra-Tunnel brennt?
Hannover Aus der Stadt Was tun, wenn’s im Üstra-Tunnel brennt?
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00:15 04.03.2016
Eine einsatzbereite Transportlore wird von drei Feuerwehrleuten zum Einsatzort geschoben. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Vor gut drei Wochen ging in der U-Bahn auf mehreren Linien für eine ganze Weile gar nichts mehr. Ein Kurzschluss legte die Stromversorgung für zwei Stunden lahm, Bahnen blieben im Tunnel stehen, Fahrgäste mussten über die dunklen Gleise zur nächsten Station laufen. Das alles war aufwendig und für viele Passagiere sehr lästig. Richtig gefährlich war die Situation nicht.

Was aber, wenn im Tunnel ein Feuer ausgebrochen wäre? Wer könnte da löschen - und wie schnell? „Glücklicherweise gab es noch keinen schweren Brand im U-Bahn-Tunnel“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Vorbereitet ist die Wache aber trotzdem auf einen solchen Fall.

Wer rückt im Ernstfall aus?

Bei einem solchen Szenario werden drei Löschzüge der Berufsfeuerwehr und eine Fachgruppe für technische Hilfeleistung zu der Station losgeschickt, in deren Nähe es brennt. Insgesamt sind dann rund 70 Kräfte im Einsatz. Wenn ein Feuer im unterirdischen Verkehrsnetz der Stadt ausbricht, ist das für Christian Kielhorn und seine Kollegen immer eine große Herausforderung. „Vor allem, weil dort in der Regel viele Personen gefährdet sind“, sagt Kielhorn, der bei der Feuerwehr für das U-Bahn-Einsatzkonzept zuständig ist. Auch, weil U-Bahn-Schächte schwer zugängliche Einsatzorte sind, benötigt die Feuerwehr besonderes Gerät und einen Plan, um dort Brände zu bekämpfen.

An den Kosten für Einsätze und Material beteiligt sich die Üstra. Auch während der Einsätze arbeiten Feuerwehr und Verkehrsbetrieb eng zusammen. Im Ernstfall sitzt die Einsatzleitung in der Zentrale der Üstra. Und wenn die Gleisabschnitte wegen Baumaßnahmen nicht befahren werden, nutzt die Wehr die Zeit für Übungseinsätze.

Wie läuft die Rettung ab?

Über zwei Zugänge werden die Verletzten geborgen und das Feuer bekämpft. Einer der drei Löschzüge fährt zu der benachbarten Station stadteinwärts, um von der anderen Seite eingreifen zu können. Bei einem U-Bahn-Einsatz müssen die Feuerwehrleute lange Anmarsch- und Rettungswege zurücklegen, etwa wenn ein Feuer genau zwischen zwei Stationen mitten im Schacht brennt. In der Stadt gibt es 18 Tunnelstationen, die über das mehr als 18 Kilometer lange unterirdische Streckennetz miteinander verbunden sind.

An Haltestellen wie Aegidientorplatz oder dem Kröpcke verkomplizieren die verschiedenen Ebenen den Einsatz. „Deshalb ist es wichtig, dass wir uns unterirdisch gut orientieren können und die Umgebung erkunden“, sagt Kielhorn. Für jede Station und die dazugehörigen Streckenabschnitte gibt es einen Einsatzplan. Darin sind alle Zugänge, Noteinstiege und der Verlauf der Strecke eingezeichnet. Rauch und Hitze seien im Tunnel besonders problematisch, sagt Kielhorn. Auch für die Menschen in den Bahnen. „Da zählt jede Minute.“

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Glücklicherweise gab es noch keinen schweren Brand im U-Bahn-Tunnel. Vorbereitet ist die Feuerwache I am Weidendamm in Hannover aber trotzdem auf einen solchen Fall.

Welches Gerät hat die Feuerwehr für solche Fälle?

Der Dieselmotor brummt laut auf. Dann braust das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) über den Parkplatz der Feuerwache 1 am Weidendamm. Gekonnt lenkt Maik Kreutzkam es wie ein Spielzeugauto mit einer Fernbedienung über die Pflastersteine. Das Gefährt ist kompakt, aber äußerst wendig. Optisch erinnert es ein wenig an eine knallrote Schneekanone. Mit einem großen Ventilator auf dem Fahrwerk kann es Wassernebel oder Schaum versprühen, heiße Luft kühlen und Rauch bekämpfen. Die Feuerwehrmänner nennen das LUF fast liebevoll ihren „Panzer“. Der Panzer, der losfährt, wenn sonst nichts mehr hilft.

Gedacht ist das Kettenfahrzeug für Einsätze, die für Menschen entweder zu gefährlich oder zu schwierig sind. In Tunneln, Tiefgaragen oder Industrieanlagen, oder wenn der Einsatzort zu verwinkelt, zu heiß oder zu verraucht ist. Auch Großstädte wie Stuttgart und Frankfurt haben das Modell angeschafft, das sogar Treppenstufen überwinden kann.

Das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) der Feuerwehr Hannover ist ein Allroundtalent: Es kann Feuer mit Wasser oder Schaum löschen, heiße Luft kühlen und Rauch bekämpfen. Angetrieben wird das unbemannte Kettenfahrzeug, das mit einer Fernbedienung gesteuert wird, von einem 140 PS starken Dieselmotor. Der feine Wassernebelstrahl reicht bis zu 60 Meter und kann aus bis zu 2400 Litern Wasser in der Minute gespeist werden. Die Wurfweite von Löschschaum beträgt etwa 35 Meter. Mit dem Raupenfahrwerk kann der „Löschpanzer“ Treppen und Rampen befahren. Die Feuerwehr setzt das LUF in Tunneln, Tiefgaragen und Lagerhallen ein, aber auch bei Flächenbränden. Quelle: Eberstein

Das rund 165 000 Euro teure Gerät kommt dann ins Spiel, wenn alle herkömmlichen Methoden nicht mehr ausreichen. Der „Löschpanzer“ ist ein Alleskönner der Brandbekämpfung: Er kann für Belüftung und Kühlung des Rauches sorgen, mit dem leistungsstarken Ventilator den gefährlichen Rauch aus dem Schacht ins Freie blasen und das Feuer mit einem Wassernebel, der über Schläuche in die Löschkanone eingeleitet wird, oder mit Schaum löschen. Durch die Fernbedienung kann der „Löschpanzer“ gut 15 Meter voraus fahren, sodass sich die Feuerwehrleute nicht in die unmittelbare Gefahrenlage bewegen müssen.

Auch bei Einsätzen im Umland war das LUF schon im Einsatz - die Freiwilligen Feuerwehren können die Unterstützung des Fahrzeuges anfragen. Angeschafft wurde der „Panzer“ 2011 aber vor allem für Einsätze zur Brandbekämpfung in Hannovers U-Bahn-Tunneln.

Wenn es im U-Bahn-Tunnel brennt, braucht die Feuerwehr nicht nur Atemschutzgeräte und Wasser. Im Abrollbehälter „Tunnel“ finden die Einsatzkräfte weiteres Hilfsgerät zur Rettung und zum Transport von verletzten Fahrgästen, mehrere Hochleistungslüfter, Beleuchtung und Stromgeneratoren. Mit den Transportloren werden die Utensilien zum Unfallort geschoben. Quelle: Eberstein

Neben dem „Löschpanzer“ hat die Wehr bei Einsätzen im Tunnel einen Abrollbehälter dabei. Darin sind zusätzliche Hochleistungslüfter, Fluchthauben für Passagiere und Transportloren. Mit Letzteren können verletzte Fahrgäste aus dem Schacht zum nächsten Ausgang transportiert werden.

Die Feuerwehrleute sind bei Einsätzen im Tunnel mit speziellen Atemschutzgeräten, sogenannten Regenerationsgeräten, ausgestattet. Sie bereiten den ausgeatmeten Sauerstoff auf, sodass die Kräfte mehr als zwei Stunden löschen und bergen können. All das Gerät ist nicht ganz billig. „Aber Sicherheit hat nun mal ihren Preis“, sagt Kielhorn.

Von Isabell Rollenhagen

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