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Aus der Stadt So helfen Hannovers Zahnärzte ängstlichen Patienten
Hannover Aus der Stadt So helfen Hannovers Zahnärzte ängstlichen Patienten
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07:40 29.03.2017
Mit Spielzeug und viel Geduld: Zahnärztin Annika Clausen behandelt die dreijährige Mathilde. Quelle: Franson
Hannover

Ganz ruhig liegt die dreijährige Mathilde auf der Patientenliege. Brav öffnet sie den Mund, lässt sich von Zahnärztin Annika Clausen untersuchen. Das ist nicht selbstverständlich. Bisher hatte Mathilde große Probleme mit Zahnarztbesuchen, erzählt Mutter Justine Mensing. Die Familie fährt daher extra aus dem Harz zwei Stunden nach Hannover, um die Praxis an der Luisenstraße zu besuchen – denn die ist auf Kinder spezialisiert.
Medizinerin Clausen achtet besonders auf kindgerechte Sprache. Sie erklärt Mathilde alle Geräte: den Sauger „Schlürfi“ oder auch „Herr Durstig“, das Oberflächen­anästhetikum „Zahnmarmelade“, den „Pustewind“ und die „Mundwaschmaschine“. Auch auf die Körpersprache der Kinder müsse sie achten, sagt Clausen. Besonders ängstliche Patienten werden in der Praxis auch mit Lachgas oder unter Vollnarkose behandelt.

Mit Videobrille auf dem Stuhl

Der kleinen Mathilde gefallen vor allem die bunten Plüschaufsetzer auf den Instrumenten – und der Fernseher an der Decke, auf dem „Shaun das Schaf“ läuft. „Das ist die beste Ablenkung, Shaun wirkt wirklich Wunder“, sagt Clausen. Da freue sich ein Patient schon mal, wenn er noch etwas länger auf dem Stuhl bleiben darf. Das haben auch die Kinderzahnärzte Jan und Sabine Rienhoff und Maren Engel-Faschkami in der List erkannt: In der Gemeinschaftspraxis können Kinder daher seit der Gründung vor 18 Jahren spezielle Videobrillen während der Behandlung tragen, die mit einem DVD-Player verbunden sind. Der siebenjährige Jan hat sich „Chuggington“ ausgesucht, einen Animationsfilm über Züge. Die Ärztin gibt ihm eine Spritze. „Das fühlt sich kribbelig an“, sagt Jan und ist Sekunden später wieder in den Film vertieft.

Dass auch manche Erwachsene eine spezielle Behandlung brauchen, weiß Werner Krausnick. Der Zahnarzt aus Isernhagen bietet medizinische Hypnose an – für Angstpatienten wie Linda Fana aus Hameln. Die 43-Jährige leidet seit acht Jahren unter einer Phobie. Zweimal wurde sie daher schon unter Vollnarkose behandelt. „Aber da wurde alles falsch gemacht“, sagt sie. Sie wolle wissen und spüren, was in ihrem Mund gemacht werde – nur eben ohne Schmerzen.

Hypnose gegen die Angst

Dafür schickt Krausnick die Patientin mental an einen Lieblingsort. Mit Showhypnose habe das wenig zu tun, es sei eher eine Entspannungsübung, erklärt der Zahnarzt, der mehrere Schulungen bei der Deutschen Gesellschaft für Hypnose gemacht hat. In eine rote Decke eingemummelt liegt Fana auf dem Behandlungsstuhl, im Hintergrund läuft Musik. Beim ersten Termin dauert es noch etwa eine Stunde, bis die Trance stark genug ist. Doch es gibt Komplikationen: Fana denkt an ihre Heimat, den Kosovo, will sich entspannen. Doch plötzlich sieht sie Bilder vom Krieg und fängt mitten in der Hypnose an zu weinen. „Da muss man als Arzt natürlich aufpassen und den Patienten von den negativen Bildern wegholen“, sagt Krausnick. Nach vier Sitzungen sei es jetzt aber einfacher, Fana zu hypnotisieren. „Das ist eben das Spannende an der Hypnose: Man weiß nicht, was kommt.“

Nicht zu wissen, was – oder besser: wer – kommt, ist auch Bestandteil der Arbeit im Zahnmobil. In der mobilen Praxis des Diakonischen Werks behandeln ehrenamtliche Zahnärzte Menschen, die sich das eigentlich nicht leisten können, oft nicht mal eine Versicherung haben. Eine von ihnen ist Anetta Magarov. Die 30-Jährige mit türkisch-bulgarischen Wurzeln spricht kein Deutsch und ist nicht versichert. Aber sie hat starke Zahnschmerzen. Ihr Partner, der Deutschtürke Kubulay Deniz, bringt sie daher zum Zahnmobil, das am Nordstadttreff haltmacht. Er dolmetscht für sie. „Das ist das Besondere: Es muss alles sofort funktionieren“, sagt Dirk Ostermann, der das Zahnmobil seit der Gründung vor fünf Jahren unterstützt. Nachkontrollen seien oft nicht möglich. Ostermann hat selbst eine Praxis in der Südstadt, engagiert sich nebenbei bei dem Projekt, das Ingeburg und Werner Mannherz initiiert haben. „Jetzt wollen wir aber in die zweite Reihe treten“, sagt der 78-jährige Mannherz. Ostermann übernimmt daher die medizinische Leitung, das Zahnmobil ist ihm eine Herzensangelegenheit.

In der Luisenpraxis ist nun die sechsjährige Ava dran. „Sie hat eine Autismusstörung“, sagt Mutter Julia Osenbrück. Daher habe sie große Schwierigkeiten beim Zahnarzt, wolle den Mund oft gar nicht aufmachen. „Aber es soll nicht immer die Vollnarkose sein, wenn irgendwas am Zahn ist“, sagt Osenbrück. Bei Ärztin Clausen ist das nicht nötig: Ava bekommt zwei Füllungen – sogar ohne Lachgas. „War gar nicht schlimm“, sagt die Sechsjährige. Ihre Mutter ist froh, dass die Behandlung so ruhig verläuft. „Andere Zahnärzte haben einfach nicht die Zeit für 20 Minuten Vorgeplänkel“, sagt sie.

Tipps gegen Angst vor dem Zahnarzt

Nach Erkenntnissen einer aktuellen Forsa-Umfrage haben knapp 20 Prozent der Menschen große Angst vorm Zahnarzt. Viele besuchen deswegen gar keine Praxen mehr. Was hilft, verraten die Experten:

Outen: Sich die Angst einzugestehen und darüber zu sprechen ist der erste Schritt.

Hilfe suchen: „Angstpatienten sollten zu einem Spezialisten gehen“, rät Zahnärztin Annika Clausen. Diese bieten meist erste Kennenlern-Sitzungen ganz ohne Bohrer an.

Yoga: Patienten, die Entspannungsübungen machen, können sich auch bei der Behandlung besser zurücklehnen, so Zahnarzt Werner Krausnick.

Wertfreie Sprache: Kinderzahnärzte raten Eltern zu neutraler Wortwahl. Wer sagt „Das tut nicht weh“, bringt Kinder überhaupt erst auf die Idee, dass die Behandlung Schmerz verursacht.

Keine Belohnung: Auch das Kuscheltier nach dem überstandenen Praxisbesuch der Kinder ist laut Clausen keine gute Idee. Das verstärke das negative Bild der Behandlung nur. 

von Johanna Stein

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