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So originalgetreu ist die Yukon Bay im Zoo

Besuch in Kanada So originalgetreu ist die Yukon Bay im Zoo

Seit 2010 gibt es im Zoo die Erlebniswelt Yukon Bay. Vorbild ist die kanadische Stadt Dawson City - aber wie originalgetreu haben die Macher vom Zoo das Örtchen nachgebaut? Ein Besuch am Originalschauplatz.

Dawson, Kanada 64.06007 -139.432035
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Der Nachbau in Hannover (hier im Bild) sieht dem Originalgebäude täuschend ähnlich.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Das möchte ich haben.“ Klaus-Michael Machens, damals Direktor des Zoos Hannover, stand in der kleinen Indianersiedlung Carcross in der kanadischen Provinz Yukon. Dort gab es ein paar Hütten, zwei Kirchen und einen Bahnhof. Machens war auf der Suche. Während sich im Zoo die Bagger durch das Erdreich wühlten, stöbert der Bauherr zehn Flugstunden entfernt in der nähe des Polarkreises nach Brauchbarem für seine neue Zoolandschaft. In dem Indianerdorf, das vor mehr als 100 Jahren zu Zeiten des Goldrausches seine Blütezeit erlebte, entdeckte Machens eine alte Lokomotive. Am Bahnhof in Carcross erinnerte sie an Hunderttausende Goldsucher, die mit dem Zug von der Küste Alaskas in den Yukon kamen. Im Zoo Hannover steht jetzt der originalgetreue Nachbau der Lokomotive vor dem Gehege der Bisons.

Wer heute im Yukon, dem Landstrich im Nordwesten Kanadas unterwegs ist, kann ins Grübeln kommen, ob er vielleicht nicht gerade doch im Zoo Hannover unterwegs sind – so groß sind die Ähnlichkeiten. Am auffälligsten kann man das beim Schlendern durch Dawson City feststellen: Die alte Goldgräberstadt hat sich nicht nur den Charme früherer Zeiten bewahrt, hier erinnert vieles an den Zoo in Hannover.
An den Yukon hatte Machens bei den Planungen für das Projekt zunächst gar nicht gedacht. Die Rede war immer von einer Alaskalandschaft gewesen, in der Bisons, Eisbären und Seehunde möglichst artgerecht, möglichst spektakulär und gleichzeitig möglichst gut sichtbar für die Besucher untergebracht werden sollten. Der US-Bundesstaat Alaska grenzt im Westen an Yukon.

Der Zufall kommt zur Hilfe

Dann kam der Zufall: Weil die Finanzierung des Großprojekts zu scheitern drohte, verschickte der Zoo Briefe an rund 100 Organisationen und Verbände, die irgendetwas mit der Gegend zu tun hatten, in der Eisbären und Wölfe leben.
Es kam nur eine Antwort: Holger Bergold aus Frankfurt meldete sich beim Zoo. Der Marketingexperte vertritt noch immer die kanadische Provinz Yukon in Deutschland, um hier um Touristen zu werben. Yukon ist fast zweimal so groß wie Deutschland hat 37  000 Einwohner, 20 Verkehrsampeln und 15 000 Bären. „So eine Chance lasse ich mir natürlich nicht entgehen“, sagt Bergold.

Dem Marketingexperten war gleich klar, dass er über Jahre keine bessere Werbung für den Yukon in Deutschland bekommen konnte. „Jedes Mal, wenn vom Zoo die Rede ist, ist auch von Yukon Bay die Rede“, sagt er. Direkte finanzielle Unterstützung konnte Bergold nicht bieten. Aber er sagte Machens seine Unterstützung zu, Yukon Bay möglichst originalgetreu zu gestalten. Dass es die jetzt auf dem Schiff in Yukon Bay lebenden Pinguine weder im Yukon noch in Alaska gibt, war nie wirklich wichtig.

So kam es, dass nicht der US-Bundesstaat Alaska als Pate für die Zoo-Landschaft dient, sondern eben Yukon. Schnell wurde nicht mehr über den Bau der Alaskalandschaft im Zoo geredet, sondern von Yukon Bay. Zweimal flog der Zoodirektor in den Yukon, um nach Vorbildern für die Zoobauten zu suchen.

Container voller Dekorationsmaterial

Präzise hat Machens die Gebäude nachbauen lassen: Die Sägemühle, die im Zoo das Gelände von Yukon Bay zu den Elefanten begrenzt. Oder das Grand Theatre und das Pressehaus. Wenn man heute durch das kleine Dawson City geht, sind ständig Details zu sehen, die es auch im Zoo gibt: Machens hatte bei seiner Yukon-Tour einen Architekten dabei, der die Gebäude fotografiert und gefilmt hat. „Zurück in Deutschland mussten dann während der Bauarbeiten die Pläne geändert werden“, berichtet er heute. Sogar die Pläne für den Bergwerksstollen, der zu Yukon Bay führt, hat Machens sich im Yukon fast originalgetreu abgeschaut. Bärenfallen, Felle, Geweihe von Karibus und Elchen – ganze Containerladungen Dekorationsmaterial wurden aus Kanada nach Hannover transportiert und hängen hier jetzt an den Wänden.

„Er wusste genau, was er suchte“, sagt Bergold. So kamen auch Schilder nach Hannover, wie sie an den einsamen Straßen im Yukon immer wieder stehen, um das Wegwerfen von Müll zu verhindern. „Keep the Yukon clean“. Sogar die Werbeplakate für das Bier aus dem Yukon, Yukon Gold, wie sie im Yukon in jeder Bar und in jedem Restaurant hängen, finden sich in der Market Hall im Zoo in Hannover. Und Machens sorgte sogar dafür, dass Yukon Gold dort ausgeschänkt wurde.

Machens selbst sagt es nicht, aber die Yukon-Landschaft mit all ihren Originalnachbauten ist für ihn so etwas wie das Meisterstück. Aber so richtig konnte er den Erfolg nicht genießen, sein Vertrag als Zoochef wurde von der Region unter ihrem Präsidenten Hauke Jagau nicht verlängert.

Nur eins gibt es im Zoo nicht mehr: Yukon Gold. Das kanadische Bier ist durchaus wohlschmeckend – aber da haben die Zoobesucher offenbar andere Vorstellungen.

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