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So präsentierten sich Landtagskandidaten am Kröpcke

„Politische Mittagspause" So präsentierten sich Landtagskandidaten am Kröpcke

So spannend kann Wahlkampf sein: Die erste "Politische Mittagspause" der HAZ lockte am Donnerstag Hunderte Menschen auf den Kröpcke. Hier präsentierten sich 18 Kandidaten für die bevorstehende Landtagswahl - in einem ganz neuen Format.

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Quelle: HAZ-Collage

Hannover. Wahlkampf ist langweilig? Eintönig, mit den immer gleichen Ritualen? Nicht unbedingt. Wie rasant es sein kann, wenn Politiker nur zwei Minuten Zeit haben, um sich und ihre Positionen auf einer Bühne in der Innenstadt zu präsentieren, hat die "politische Mittagspause" am Donnerstag auf dem Kröpcke gezeigt – ein HAZ-Forum der anderen Art. Hunderte Passanten und Neugierige blieben interessiert stehen; es gab Applaus und Gelächter, zuweilen aber auch vernehmbares Grummeln und kritische Zwischenrufe.

Nicht immer ging es ganz ernst  zu: Als Julian Klippert von der Satiretruppe Die Partei aufs Podium steigt und seine Forderung herausruft, in der Innenstadt müssten aus Tierschutzgründen "Schredderküken" aus der Tierzucht ausgewildert werden, auch könne man sie als Wolfsfutter verwenden, erntet er mehr Lacher als manch ernst gemeinter Politikervortrag. Die Klamaukpartei bietet keine ernsthaften Lösungen für Probleme des Landes, legt aber satirisch den Finger in Wunden – und das fanden manche Zuhörer offenbar ganz wohltuend. Ob man sie deshalb wählen will, das darf jeder selbst entscheiden.

"Ich bin spontan stehen geblieben, als ich gehört habe, dass hier nicht nur eine Partei spricht", sagt Passantin Mareile Dose: So schnell und "zentriert" bekomme man Politiker sonst schließlich nicht zu hören.

Die HAZ hat zur ersten „Politischen Mittagspause“ auf den Kröpcke geladen. Rund 20 Landtagswahl-Kandidaten präsentierten in maximal zwei Minuten, ihre Wünsche, Ideen und Visionen für das Land Niedersachsen.

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Und das Publikum geht mit: Eingeworfene Floskeln und typische Politphrasen strafen die Hannoveraner gern mit Zwischenrufen. Maaret Westphely (Grüne) fordert etwa eine "klare grüne Handschrift" – "das versteh’ ich nicht", sagt jemand aus dem Publikum.

"In zwei Minuten das ganze Programm zu erklären, das wäre vermessen", sagt ihr Parteifreund, Umweltminister Stefan Wenzel. Er will "Europa zusammenhalten" und hat als Zeichen der Hoffnung Blumen mit auf das Podium gebracht. "Jeder Form von Rassismus müssen wir entgegentreten", sagt Wenzel, und die Zuschauer am Kröpcke applaudieren laut.

Nachfragen am Bühnenrand

Die Reihenfolge der Redner war vor Beginn ausgelost worden. Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer ist fast ganz am Ende dran. Er wolle die "Unentschiedenen und jungen Menschen" als Wähler zu gewinnen, sagt er: "Dieses Land ist es wert, dass wir alle zur Wahl gehen." Doris Schröder-Köpf (SPD) fordert, Bildung solle kostenfrei werden – und zwar nicht nur an den Universitäten. "Das gilt auch für ausbildende Pflegeberufe." Alle Redner stehen nach ihrem Kurzvortrag für Nachfragen am Bühnenrand parat – die frühere Kanzlergatttin ist eine begehrte Gesprächspartnerin. 

Manch einer nutzt das Podium für plakative Aktionen – im Wortsinne. Michael Braedt von den Linken etwa hat sich Schilder an den Körper gehängt und spricht sich für ein absolutes Fracking-Verbot bei der Gasförderung aus, was mit viel Applaus bedacht wird. Darüber hätte Mareike Wulf (CDU) von den Unternehmerverbänden sicherlich gerne diskutiert – aber das Format der "Politischen Mittagspause" erlaubt auch ihr nur ein kurzes Statement. Hohes Tempo ist gefragt. Aber man merkt auch: Alle Kandidaten sind jetzt in der Schlussphase wahlkampferprobt.

Diese Direktkandidaten aus Hannover wollen in den Landtag einziehen. Wir stellen die Kandidaten auf den Wahlkreisen vor. 

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Dana Guth (AfD) ist die einzige Rednerin, die keinen Willkommensapplaus bekommt. "Die Zeitarbeit hat mittlerweile eine Perversion erreicht, die für dieses Land nicht mehr tragbar ist", sagt sie. Die AfD wolle sich dafür einsetzen, für die Menschen einen Weg aus der Zeitarbeit zu finden und Arbeit "vernünftig" zu bezahlen. Für diese Aussage gibt es dann doch noch wohlwollenden Applaus.

HAZ-Moderator Jan Sedelies hatte eingangs dazu aufgerufen, die Regeln von Fairness und Respekt zu achten. „Alle Kandidaten können Wünsche, Ideen und Visionen für das Land Niedersachsen formulieren“, sagte er vor etwa 300 Besuchern. Offiziell gewertet werden die Vorträge nicht – aber am Applaus.

Vorbild sei der sogenannte "Elevator Pitch", bei dem es darum geht, Projekte oder Ideen so schnell und gut vorzustellen, dass theoretisch die Dauer einer Aufzugfahrt ausreicht, um Investoren oder Wähler zu überzeugen. In der Gründerszene funktioniert das längst gut – und wie sich in der Innenstadt zeigt: auch mit politischen Ideen. "Als Entscheidungshilfe ist das Projekt jedenfalls gut", sagt eine Passantin. Allerdings sei ihr das Themenspektrum nicht groß genug: "Es geht andauernd um Kinderbetreuung oder Altenpflege."

"Das Unwichtige fällt weg"

Tatsächlich sind das die Themen, die sich von CDU bis SPD und sogar von Linken bis AfD durch die Agenda ziehen – vielleicht aber auch deshalb, weil sie viele Menschen interessieren?

"Die wirklichen Leistungsträger wie Krankenschwestern müssen entlastet werden", sagt etwa Andreas Brändle (Linke). Stefan Politze (SPD) setzt vor allem auf Bildungsfragen. Torsten Luhm (CDU), der sich als "Mann mit Polizeihintergrund" bezeichnet, spricht über Sicherheitsfragen. Meist gibt es höflichen Applaus, manchmal auch mehr. Als aber Peer Lilienthal (AfD) vom Mühlenberg berichtet und davon, dass Menschen "nicht gleich, sondern differenziert und unterschiedlich sind", gibt es Zwischenrufe. Er wolle das Publikum überzeugen, sagt er. "Selbst zehn Minuten würden Ihnen dafür nicht reichen", ruft eine Frau dazwischen.

Munter, diskussionsfreudig, kontrovers – so war die erste "Politische Mittagspause". "Einige Politiker haben Probleme, sich auf zwei Minuten zu beschränken", sagt Passantin Gerda Jahns. Ist das Kritik? Nein, fügt die 64-Jährige lachend hinzu: "Immerhin wird dann das ganze Unwichtige weggelassen."

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Von Tomma Petersen

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