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So schmeckt's im Kultwirtshaus Max Walloschke

Kostprobe So schmeckt's im Kultwirtshaus Max Walloschke

Die Gaststätte Max Walloschke in der Langen Laube ist eine Institution. Zu Recht. Obwohl es bei den Speisen noch Luft nach oben gibt. HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner hat das Wirtshaus besucht.

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Max-Walloschke-Wirtin Angela Dettke mit dem Eisbein. Fotos: Schaarschmidt, Archiv

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Für einen Augenblick wird uns bange. Die Kellnerin steuert mit einem monumentalen Fleischberg auf uns zu. Haben wir das bestellt? Dann biegt sie ab, an den Nebentisch, wo das riesenhafte Rieseneisbein bestellt worden ist. Wir atmen auf, denn diese handballgroße Delikatesse wollen wir uns an diesem Tag nicht zumuten – eine Delikatesse, bei der sich übrigens auch die Frage nach einer hübschen Anrichteweise erübrigt. Dieses Ding kann der Koch nur auf den Teller hieven. Zu verzieren gibt es da nichts. Ganz anders sieht es beim bayerischen Leberkäse mit Spiegeleiern, Kartoffelpüree und Gewürzgurke aus. Den haben wir nämlich bestellt, und das ginge wirklich ein bisschen liebevoller.

Die Gaststätte Max Walloschke in der Langen Laube ist eine Institution. Wir haben das Restaurant getestet.

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Das Restaurant

Max Walloschke,
Lange Laube 2, 30159 Hannover Telefon (05 11) 1 36 07
www.max-walloschke.de
E-Mail: hannover@max-walloschke.de
Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend ab 11 Uhr

Die Spiegeleier liegen halb zusammengefaltet auf dem Leberkäse, das Eigelb ist zerlaufen. Das ist keine Augenweide, aber es schmeckt. Der Kartoffelbrei schmeckt nach Kartoffel, das ist nicht selbstverständlich, mit Stückchen drin, was bei einem so deftigen Gericht bestens passt, dazu ein bisschen Krautsalat, die Essiggurke. Schöne Sache. Das Fleisch macht Laune Die Haxe mit Sauerkraut bestellen wir mit Erbsenpüree. Das ist zwar nicht durch ein Sieb gestrichen, aber völlig in Ordnung und dazu ordentlich mit Butter und Speck abgeschmeckt. Ein Wucht ist auch das perfekt ausbalancierte Sauerkraut.

Süße und Säure, Milde und Kraft. Durch den Einsatz von Schweineschmalz besitzt es zudem einen schönen Glanz. Bleibt die Haxe zu bewerten. Fangen wir so an: Das Haxenfleisch fällt zwar nicht vom Knochen, aber es ist saftig, zart und aromatisch. Das macht Laune. Aber wo um Himmels Willen ist die Kruste? Wo ist die knusprige Kruste, nein: die karamellfarbene, luftig-knusprige Kruste, die bei jedem Bissen knackt und kracht, als ob einem im Kopf ein Heuschober zusammenbricht? Eine Haxe ohne Kruste ist wie Brot ohne Butter.

Voller Kummer stochern wir in der fettigen, schlaffen Schwarte, bevor wir sie entfernen. Nichtsdestotrotz legen wir einige Minuten später das Besteck beiseite und lehnen uns zufrieden zurück, was ebenfalls keine Selbstverständlichkeit ist. Vor allem nicht an einem solchen Ort. Werden Restaurants und Gasthäuser – wie im Falle des Max Walloschke – zu Institutionen oder Kult erhoben, nimmt von da an oft schleichend die Qualität ab, es verändert die Wahrnehmung: Das muss so sein, das war schon immer so, das machen die eben so, man möchte es dann einfach auch gut finden, weil alle es gut finden. Erst Kult, dann geht’s oft bergab Wie oft bekamen wir in gutbürgerlichen Institutionen schon Pommes vorgesetzt, die nach altem Fett schmeckten, lasch oder versalzen waren? Als ob es eine Kunst wäre, gefrorene Kartoffelstäbchen zu frittieren!

Zwei Fettnäpfchen

Wie oft bekamen wir in hoch gelobten Wirtshäusern schales Bier vorgesetzt, das mehr nach Leitung als nach Getreide schmeckte? Wie oft wurden wir vom Service herablassend bedient, weil Höflichkeit nicht mehr nottat? So ist es im Walloschke glücklicherweise nicht, vor allem auch der Service sei hier erwähnt: handfest und selbstbewusst, freundlich und fachkundig. Wir fühlen uns wohl, haben Lust zu schwatzen, obwohl wir am Ende dann doch bei zwei Gerichten noch so richtig ins Fettnäpfchen treten. Die Hühnersuppe für 3,40 Euro fällt durch zerkochte Nudeln, matschige Karotten und eine Bouillon auf, die den Einsatz von gekörnter Brühe vermuten lässt. Preis hin, Preis her, das ist nicht schön. Beim gebackenen Fischfilet mit Speck-Kartoffel- und einem Beilagensalat kommen Dressing und Remoulade mit Sicherheit aus dem Eimer. Der Kartoffelsalat wird heiß serviert, ist im Grunde also ein mit Essig verfeinertes Kartoffelgemüse.

Das Fischfilet ist Tiefkühlware, was für sich kein Problem ist. Es gibt absolut hochwertigen Fisch aus der Tiefkühltheke. Hier handelt es sich allerdings um das Vollprogramm: panierter Seelachs mit einer verwürzten käsig-cremigen Füllung, deren Zusammensetzung sich nicht definieren lässt. Kann für 9,90 Euro wirklich mehr erwartet werden? Auf jeden Fall ein besseres Fertigprodukt.

Trotz aller Sympathie für die Traditionsgaststätte sind die letzten Gerichte ein Reinfall, das lässt sich nicht anders sagen. Aber am Ende unseres Besuchs überlegen wir, uns noch eine Portion der ganz hervorragenden Pommes zu bestellen – knusprige Dinger, von denen man die Finger nicht lassen kann, bis der Teller leer ist – und dazu noch ein zweites Landbier zu trinken, ein süffiges, eiskaltes, erfrischendes Gebräu, das in dieser Qualität nicht jeder hannoversche Zapfhahn hergibt. Bleiben wir also? Vielleicht, vielleicht auch nicht, aber allein mit dem Gedanken zu spielen, ist doch ein Qualitätsmerkmal.

Fazit: Handfester Service und deftige Wirtshauskost zu guten Preisen, vor allem die Fleischgerichte sind empfehlenswert. Gesamt: 6/10 (Ambiente: 6, Service: 7, Küche: 6)

Hannes Finkbeiner

 

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