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So schmeckt der Hannover-Gin

Hinterhof-Destillerie in der Nordstadt So schmeckt der Hannover-Gin

Joerma Biernath betreibt eine Hinterhof-Destillerie in der Nordstadt. Dort stellt er seinen Hannover-Gin her. Sein besonderer Kirsch-Gin soll sogar richtig gesund sein.

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Zickige Zapfanlage: Joerma Biernath in seiner Destille in der Nordstaadt.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hallo Herr Biernath, was machen Sie da gerade?

Ich zerkleinere mit einem Mörser Wacholderbeeren. Sie sind die Grundsubstanz für meinen Hannover-Gin, den ich hier in meiner Nordstädter Destillerie herstelle.

Und die Maschine mit den Schläuchen neben Ihnen?

Das ist eine italienische Abfüllmaschine. Sie sieht gut aus, ist aber etwas zickig.

In der Nordstadt betreibt Joerma Biernath eine Hinterhof-Destillerie. Dort braut er seinen Hannover-Gin.

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Verstehe. Erzählen Sie uns bitte, wie aus den Wacholderbeeren Schnaps entsteht.

Zunächst brauchen wir eine Kräutermischung. Die besteht nicht nur aus Wacholder, sondern auch aus anderen Zutaten. Einige ernte ich auf geheimen Beeten im Stadtgebiet, andere baue ich auf dem Dach der Destillerie an. Daher kommt der Name „Roof Top Garden“ für meinen Gin.

Was sind das für Kräuter?

Das Rezept ist streng geheim, nur so viel: Selbst angebaute Wasserminze ist dabei. Das gibt eine frische Note. Jedenfalls weiche ich die zerkleinerte Kräutermischung über Nacht in einem Kupferkessel ein. Sie schwimmen in einem Sud aus Wasser und Alkohol.

Und dann wird Feuer gemacht.

Richtig. Ich erhitze die Mischung, Dampf steigt auf, der übliche Destillationsvorgang. Der Alkoholdampf zieht durch ein Körbchen mit Kräutern, das gibt zusätzliches Aroma. Der Gin sollte vor allem pur schmecken, ganz nach der Devise: „Trink weniger, trink besser.“ Steht so auch auf den Etiketten.

Vermischt man Gin nicht mit Tonic?

Das tun die meisten Menschen, aber das süße Tonic verdeckt oft den Gin-Geschmack.

Und wie schmeckt der Hannover-Gin nun?

Das sollte jeder selbst herausfinden. Ich würde sagen, er schmeckt fruchtig-frisch, hat aber einen Bass. Er schmeckt wie ein Blick in den Sonnenuntergang.

Wie poetisch. Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, im ersten Stock einer Wäscherei am Weidendamm eine Destillerie einzurichten?

Es war eine blöde Idee, sich auf einer oberen Etage niederzulassen, die nur über eine schmale Wendeltreppe erreichbar ist. Aber die Destillerie selbst läuft richtig gut, wir haben Erfolg, und das spornt uns an. Gin Tonic habe ich immer gern getrunken, auch im Ausland, wo ich lange gelebt habe. Zudem bin ich gelernter Stauden-Gärtner, mich fasziniert der Umgang mit Kräutern immer wieder aufs neue.

Und woher stammt ihr Wissen über Schnapsbrennerei?

Aus Nordengland. Dort habe ich eine zeitlang in einer Gin-Destillerie gearbeitet. Danach zog es mich wieder nach Hannover.

Gin-Tonic war das Modegetränk in den vergangenen Jahren. Haben Sie Sorge, das die Welle abebbt?

Moden kommen und gehen. Erst hatten wir die Whisky-Welle, dann die Gin-Mode und jetzt ist es vielleicht der Craft Beer-Boom. Es bleiben jedoch immer Gin-Trinker übrig, vor allem Trinkerinnen. Bei Frauen ist Gin sehr beliebt.

Vor allem wenn er mit Kirschen vermischt ist, wie in dieser Flasche.

Ich habe meinen Gin teilweise mit wilden Cornel-Kirschen verfeinert. Das gibt dem Getränk eine Likör-Note, der Abgang bleibt aber voluminös. Die Wild-Cornel-Kirschen habe ich hier in Hannover im Gebüsch gepflückt. Sie sind unglaublich reich an Vitamin C.

Mit anderen Worten: Der Kirsch-Gin ist richtig gesund.

In der Tat. Eigentlich handelt es sich um Medizin.

Veranstalten Sie auch Verkostungen?

Ja, auch hier in meiner Destillerie. Einmal bin ich nach Braunschweig gefahren für eine Verkostung, da hatte ich ein mulmiges Gefühl. Auf meinen Etiketten prangt ja der Schriftzug „Hannover Gin“. Doch alles lief gut. Am Ende gab ich Autogramme für die Braunschweiger auf dem Hannover-Schild, Völkerverständigung in Niedersachsen.

Interview: Andreas Schinkel

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