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So schön ist der renovierte Kuppelsaal

Deutschlands größter Klassiksaal So schön ist der renovierte Kuppelsaal

28 Wochen hat es gedauert und 7 Millionen Euro gekostet - nun ist er fertig: der renovierte Kuppelsaal. Es hat sich einiges verändert: Neben diversen Designänderungen gibt es neue Bühnentechnik, neue Stühle und neue Beleuchtung.

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Fein gemacht: Der Kuppelsaal startet in eine neue Ära – und hat sich zur Feier des Tages in buntes Licht getaucht.

Quelle: Dröse

Hannover. Irgendwann kann er nicht mehr an sich halten. Stefan Schostok zückt das Smartphone und macht ein Selfie. Mit ihm auf dem Bild: der leere Kuppelsaal. Renoviert. Illuminiert. Strahlend. Auch der Oberbürgermeister strahlt.
Irgendwie strahlen alle an diesem Donnerstagmittag. Denn sie sind voll im Soll: Nach 28 Wochen vielhändiger, emsiger Arbeit ist Deutschlands größter Klassiksaal nun bereit für eine neue Ära. Sieben Millionen Euro hat der akustische und optische Facelift gekostet, da freut sich auch die städtische Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette, denn „der Kostenrahmen ist eingehalten worden“. Was man ja nicht von jedem norddeutschen Konzertsaal behaupten kann.

Es hat sich tatsächlich einiges verändert in dem wuchtigen Rundbau am Stadtpark. Es gibt neue Bühnentechnik, neue Stühle (Parkett) und Sitzpolster (Rang). Vor allem gibt es die zehn auffälligen weißen Plafonds über der Bühne. Sie ersetzen das eine große Exemplar, das bisher über den Köpfen hing. Ohne diese Sichtschutz wirkt die Kuppel trotz Zwischendecke nun wieder in pathetischer Erhabenheit. Mithilfe der schlanken Schallchips soll der Orchesterklang im Rund, der sich als schwierig herumgesprochen hatte, beherrschbarer werden. Und wenn, wie am 4. März mit Dream Theater, eine Rockband kommt, können die Plafonds gegebenenfalls auch ganz verschwinden.

Es gibt aber auch neues Altes, vor allem im und über dem zweiten Rang. Oberste Zuhörerin im Saal ist künftig wieder die Lichtgöttin an der Rückwand des Saals. Die goldfarbene, 6,50 Meter hohe Wandskulptur wurde freigelegt, komplett restauriert und breitet nun ihre Arme weit über den Zuschauern aus.

28 Wochen hat es gedauert und 7 Millionen Euro gekostet. Nun ist er fertig: der renovierte Kuppelsaal. Es hat sich einiges verändert: Neben diversen Designänderungen gibt es neue Bühnentechnik, neue Stühle und neue Beleuchtung.

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Sie und die zwölf Tierkreiszeichen zu ihrer Linken und Rechten sollten einst den Himmel symbolisieren, Architekt Paul Bonatz hatte bei seinen Entwürfen 1914 das römische Pantheon im Sinn. 1962, bei der ersten großen Renovierung, wurden die Reliefs mit Holz verkleidet und nahmen mit den Jahren Schaden. Bis auf den Krebs mussten alle Symbole erneuert werden. Was auch gelang. Nur bei der Erneuerung der göttlichen Brüste, erzählt HCC-Chef Joachim König schmunzelnd, sei man sich nicht ganz sicher gewesen.

Kuppelsaal für alle

Ein Tag der offenen Tür? Nein, gleich zwei: Zwar gibt es in der kommenden Woche schon Veranstaltungen im Kuppelsaal. Offiziell geht es aber am 6. Februar los. Von 14 bis 18 Uhr kann man sich im Kuppelsaal umsehen und informieren. Am 7. Februar (11 bis 14 Uhr) nicht nur das: Um 18.30 Uhr beginnt das Eröffnungskonzert mit Opus 112, dem sinfonischen Blasorchester der Feuerwehr Hannover (Karten 15 Euro). Der erste internationale Härtetest kommt am 11. Februar: das London Symphony Orchestra.

Nun leuchtet Bonatz’ Idee wieder am Firmament des Saals, auch, weil die wuchtigen Vorhänge weg sind, mit denen der 2. Rang abgehängt werden konnte. Ihr arg angestaubter Charme wird nun durch etwas ganz Modernes ersetzt: einen Vorhang aus Licht. Tiefblau fällt er auf die blaue Bestuhlung und blendet so den Oberrang aus, die Tierkreiszeichen über den Plätzen und zwischen den nun schlanker wirkenden Säulen können sichtbar bleiben. Das dunkle Holz, das seit der von Ernst Zinsser 1962 geplanten Renovierung den Saal dominiert, wurde im Sinne des Raumklangs ersetzt, die Farbe bleibt jedoch gleich und wird dezent ins Licht gesetzt.

Überhaupt die Beleuchtung. Alles neu. Nicht nur im 2. Rang. Über der Bühne hängen dünne Stableuchten, die sieben Kronleuchter strahlen nun mit 1120 LED-Lampen. Die Säulen rundum können auch in Party-Pink getaucht werden, zum Beispiel kombiniert mit einem kräftigen Blau drumherum und unter der Kuppel. Es wird ja auch weiter Bälle geben. Und: Die Faltoptik an der Wand hinter der Bühne war immer da, fällt aber erst im Strahlerschein richtig auf.

Stefan Schostok baute gleich ein wenig Druck auf: Mit dem modernisierten Saal und seiner Größe von bis zu 3600 Plätzen sei man jetzt schon Spitze in Deutschland. Nun hänge es von den Ereignissen ab, ob man auch kulturell „in der Champions League mitspielt oder nicht. Diese Spannung sollte man aufrecht erhalten“.

Das Runde muss ins Eckige

Ein bisschen kann man sich im neuen Kuppelsaal wie in der Alten Nationalgalerie fühlen. In dem Berliner Museum werden gerade frisch restaurierte Gemälde von Caspar David Friedrich präsentiert. Zu sehen ist dabei Erstaunliches: Die vermeintlich bekannten Bilder haben plötzlich eine ganz andere Wirkung. Befreit von Schmutz und Firnis leuchten die Farben in unverhoffter Klarheit. Die Bilder erscheinen schärfer und offenbaren sogar bislang unbekannte Details. Ganz ähnlich ist es, wenn man nun im Kuppelsaal Musik hört. Der Klang im Saal ist überall massiv verbessert – sogar auf den hinteren Reihen der Ränge und auf den Parkettplätzen unter dem ersten Rang. Das akustische Geschehen auf der Bühne rückt endlich näher an die Zuhörer heran.

Dass die Akustik von Deutschlands größtem Konzertsaal lange berüchtigt war, liegt vor allem an seiner Form. Runde Säle erzeugen extrem ungünstige Schallreflexionen. Dem haben Akustiker nun abgeholfen: mit einer raffinierten elektroakustischen Anlage, die per Lautsprecher künstliche Reflexionen erzeugt. Der Klang auf der Bühne wird dafür aufgenommen und mit den Zeitverzögerungen von Reflexionen, wie sie in klassischen rechteckigen Konzertsälen wie etwa dem des Wiener Musikvereins entstehen, wieder abgespielt. Als Hörer (und auch als Musiker auf der Bühne) nimmt man diesen technischen Eingriff erstaunlicherweise nicht als unnatürlich war. Im Gegenteil: Der Klang scheint immer noch eindeutig von dort zu kommen, wo er tatsächlich entsteht – von den Instrumenten auf der Bühne und nicht aus Lautsprechern. Bislang wurde er aber auf dem Weg zu den Ohren der Hörer durch den Saal ungünstig verändert und beschnitten. Erst dank der Technik erscheint er nun wieder natürlich.

Zusätzlich zu dieser aktiven Raumakustik der Mikrofone und Lautsprecher wurde auch die passive Raumakustik – die natürlichen Bedingungen, die an einem Ort herrschen – erheblich verändert: Die meisten Wände im Saal sind nicht länger nackte Wände, sondern aufwendig gezimmerte Reflektoren, die je nach Standort den Schall verteilen oder dämpfen. Hinter der Bühne ersetzen diese Holzkonstruktionen die Marmorplatten, die bisher jeden Klang versteinert haben, und über dem Podium schweben Schallsegel, wie man sie aus den meisten modernen Konzertsälen kennt. Sie dienen vor allem den Musikern, die sich auf der Bühne nun besser hören können. Denn erst, wenn sie sich wohlfühlen, kann es auch der Zuhörer. Die Feuerprobe wird das neue Akustiksystem am 11. Februar zu bestehen haben, wenn mit dem Dirigenten John Eliot Gardiner und dem London Symphony Orchestra zum ersten Mal viele anspruchsvolle Musiker im Kuppelsaal spielen. Man kann aber schon jetzt ahnen, dass sie begeistert sein werden.

Von Stefan Arndt

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