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So schön sind die gefährlichen Blaualgen

Poesie des Gifts So schön sind die gefährlichen Blaualgen

Sie sind hochgefährlich und doch so schön dabei: Die Region warnt vor Blaualgen im Steinhuder Meer. Für den Hemminger Phytoplankton-Experten Michael Butkay sind die Kleinstbewohner auch ein Geschenk. Seine Funde hält er mit beeindruckenden Fotos fest.

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„Zeigen eine gewisse Schönheit“: (v. l.): Pediastrum boryanum granulatum, Gloeotrichia echinulata, Chroococcus limneticus und Pediastrum kawaraiskyi in 320-facher Vergrößerung.

Hemmingen. Zur Wochenmitte hat die Region die erste Warnstufe wegen sich vermehrender Blaualgen im Steinhuder Meer gezündet: Badende sollen vorsichtig sein, Hunde nicht vom Wasser trinken. Für den Hemminger Michael Butkay allerdings, der seit Jahren zu Deutschlands Experten im Mikroskopieren von Phytoplankton zählt, sind die Kleinstbewohner des Steinhuder Meers ein Geschenk: „Blaualge hört sich zwar abschreckend an, doch zeigen sie auch eine gewisse Schönheit.“

Für den Hemminger Michael Butkay allerdings, der seit Jahren zu Deutschlands Experten im Mikroskopieren von Phytoplankton zählt, sind die Kleinstbewohner des Steinhuder Meers ein Geschenk: „Blaualge hört sich zwar abschreckend an, doch zeigen sie auch eine gewisse Schönheit.“

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Butkay, der zum Kreis der ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten der Region gehört, hat 1989 seine Liebe zur Mikroskopie wiederentdeckt, als er für seine Tochter ein Vergrößerungsgerät kaufte. „Das hat mich an meine Kindheit erinnert, als ich selbst mit einfachen Mikroskopen experimentiert habe“, sagt er. Inzwischen hat er zahlreiche Lehrgänge besucht und ist im Besitz von elf Forschungsmikroskopen. Die meisten seiner Detailaufnahmen entstehen mit 320-facher Vergrößerung, einige auch in 1000-facher.

Beruflich baut er große Modellbahnanlagen, seit 2003 aber fischt er mehrfach jährlich im Steinhuder Meer nach Blau- und Grünalgen. Auch wenn es nahezu jährlich Warnungen vor den Minigewächsen gibt, die bei Verschlucken Atembeschwerden und Lähmungen hervorrufen können und auch starke Entzündungen im Intimbereich, beobachtet er insgesamt einen Rückgang des Minipflanzenlebens in dem Flachsee. „2003 hatte ich bei einem Zug durchs Wasser etwa 100 Phytoplankton-Exemplare, letztes Jahr waren es zur gleichen Zeit nur 34“, sagt Butkay.

Mehr als 10 000 Bilder hat er bereits gefertigt - und will demnächst eine Ausstellung vorbereiten über die Schönheit der Mikrofauna. „Die Natur besteht eben aus mehr als nur Vögeln, Amphibien und Fischen“, sagt er.

Fragen und Antworten zu Blaualgen

Was sind Blaualgen oder Cyanobakterien?

Die Wasserblüten bestehen aus so genannten Blaualgen. Die Bezeichnung Blaualgen ist allerdings trügerisch, weil Blaualgen Bakterien ähnlicher sind als Algen und selten blau aussehen. Meist versteckt sich ihr blaues Pigment unter dem grünen Chlorophyll-a. Cyanobakterien ist der korrekte Name für Blaualgen.

Woher kommen Cyanobakterien  in Seen?

Cyanobakterien sind in Seen und Flüssen natürliche Teile der Lebensgemeinschaften. Vor allem in nährstoffreichen Gewässern kann es bei anhaltend warmem Wetter zu einem sehr starken Wachstum von Algen und Blaualgen („Blaualgenblüte“) kommen. Je nach Wetterlage können Cyanobakterien auch zur Oberfläche auftreiben und Schwimmteppiche und Aufrahmungen bilden, die der Wind am Ufer zusammentreiben kann. Das kann sehr schnell gehen und ist kaum vorhersagbar.

Wie gefährlich sind Cyanotoxine?

Giftige Cyanobakterien sind ein Gesundheitsrisiko, insbesondere wenn Wasser mit hohen Konzentrationen geschluckt wird oder in die Atemwege gelangt. Dies passiert am ehesten bei Wassersportarten mit intensivem Wasserkontakt, wie Wasserskifahren, Windsurfen, Tauchen und Kopfsprung, aber auch beim Segeln in stürmischem Wetter. Cyanobakterien können Übelkeit, Durchfall oder gar Entzündungen von Hals, Augen und Ohren hervorrufen. Eine Aufnahme von Cyanotoxinen durch die Haut ist unwahrscheinlich. Schwerwiegendere Folgen sind Magen-Darm-Entzündungen, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen. Bei Kindern kann sich Lebensgefahr einstellen, wenn sie viel Wasser schlucken – etwa beim intensiven Toben oder gegenseitigem Untertauchen. Insbesondere in den flachen Bereichen ist oft die größte Konzentration von Cyanobakterien. Für Hunde und andere Haustiere können Cyanobakterien tödlich sein, wenn sie sich nach dem Baden das Wasser aus dem Fell lecken. Manche Hunde mögen auch verrottendes Blütenmaterial am Ufer. Daran sind schon einige Hunde verstorben.

Worauf sollten Badende achten?

Wenn das Wasser grünlich-trübe ist oder wenn darauf eine grüne Schicht schwimmt („Wasserblüte“): nichts schlucken! Aerosol vermeiden, zum Beispiel beim Wasser-Ski-Fahren und Windsurfen. Kinder vor dem Toben in flachen Bereichen schützen, wenn sich dort hohe Konzentrationen von Blaualgen gesammelt haben. Sorgsam die Situation am See in den Blick nehmen und die Wassertiefe prüfen. Dabei langsam ins Wasser waten, ohne Sediment aufzuwirbeln. Wenn man von der Kniehöhe die Füße nicht mehr sehen kann, sollte das Baden in diesem Bereich vermieden werden. Nach dem Baden gründlich duschen und Badesachen reinigen, um spätere Hautreizungen zu vermeiden. Wer nach dem Baden gesundheitliche Beschwerden hat, sollte einen Arzt aufsuchen und das Gesundheitsamt informieren.

Weitere Informationen zu Blaualgen sind auch auf der Homepagewww.hannover.de unter dem Stichwort „Blaualgen“ zu finden.

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