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Aus der Stadt So soll in Hannover mehr Wohnraum geschaffen werden
Hannover Aus der Stadt So soll in Hannover mehr Wohnraum geschaffen werden
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19:29 14.02.2017
Von Gunnar Menkens
„Manchmal ist es ganz schön, Fünfe gerade sein zu lassen“: Stadtbaurat Uwe Bodemann am Leineufer. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Drüben, auf der anderen Seite der Leine, funktioniert das alte Hannover. Auf acht Spuren lenken Fahrer ihre Wagen am Leibnizufer durch die autogerechte Stadt, vorbei am hübschen Wissenschaftsministerium, Baujahr 1952, den mopsigen Nanas und einem Stück Landtag.

Beim Stadtspaziergang erklärt Baudezernent Uwe Bodemann, warum Hannover weniger autogerecht und dafür lebenswerter sein sollte.

Am Hohen Ufer gegenüber steht bei null Grad unter einem trüben Himmel Baudezernent Uwe Bodemann, Schal um den Hals, Hände im Wintermantel. Eben hat er wieder gemerkt, dass ungefähr von November bis März nicht sein Wetter ist. Der Verkehr auf dem Cityring rauscht weiter. Er sagt: „Autogerechte Stadt. Ich weiß nicht, ob das ein gutes Label ist.“ Er meint: Nein, ist es nicht.

Seit neun Jahren ist Uwe Bodemann, 61, Stadtbaurat. Seine Amtszeit setzt eine Tradition fort: Baudezernenten bleiben bis zum Ruhestand, Hannover erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg nur vier. Rudolf Hillebrecht plante die Stadt der großen Verkehrstangenten, Hanns Adrian übernahm Mitte der Siebzigerjahre. U-Bahn-Bau und Lister Meile fielen in diese Zeiten, aber auch Betonstücke wie Ihme-Zentrum, Maritim, Bredero-Hochhaus, der Roderbruch. Alles in Stil und Mode zeitgerecht, stadtsoziologisch wie architektonisch, und dennoch: „Da ist viel in die Stadt reingeballert worden.“ Uta Boockhoff-Gries plante dann die Jahre vor und nach der Weltausstellung. In ihre Zeit fiel etwa die gläserne Nord/LB.

Über Jahrzehnte wurden in Hannover Schneisen geschlagen, Räume bebaut und Flächen verplant. Irgendwann kam es einem vor, als wäre das Ende der Geschichte erreicht und Bodemann, beruflich zuvor verantwortlich für Großprojekte wie die Hamburger Hafen-City und die Übersee-Stadt Bremen, bliebe nur noch, Lücken im Stadtbild zu füllen. Die Frage ist: Was wird sein Erbe sein, wenn er in Pension geht?

"Den Klagesmarkt zu bearbeiten, das galt ja geradezu als Verbot"

Bodemann ist ein Baudezernent, der nicht bereits unter seinem Vorgänger angelernt wurde. Er nimmt für sich in Anspruch, die Chance auf einen frischen Blick genutzt zu haben. „Wir haben die wunden Punkte in der Innenstadt aufgespürt, vielleicht ein bisschen frech für hiesige Verhältnisse. Den Klagesmarkt zu bearbeiten, das galt ja geradezu als Verbot.“

Jetzt entstehen dort Wohnungen und Häuser für unterschiedlich vermögende Menschen, dazu Ladenzeilen. Ein stadtpolitisches Weltbild, sagt der Dezernent, „Normalität, die dauerhaft Qualität hat, statt noch einer Muckibude und noch einem Büro“. Ähnliches passiert am Marstall und ist geplant für den Köbelinger Markt, wenn das Ordnungsamt gefallen ist. Leben statt Parken, das könnte einmal zu Bodemanns Vermächtnis zählen.

Dazu am Hohen Ufer eine Art Gastromeile, aufgehübscht mit Platanen. Ist ja egal, ob ein Fluss breit oder schmal ist, meint Bodemann, der gerne in schnoddrigem Tonfall redet, ein Fluss sei immer eine große Chance. Weitere Projekte der vergangenen zehn Jahre, die ihm wichtig sind: Als Tausende Flüchtlinge kamen, musste keiner in Zelten schlafen. „Da hieß es: ,Refugees first‘.“ Außerdem wird die Stadt im nächsten Jahr Platz für 10 000 neue Wohnungen geschaffen haben, und sie ist dabei, Straßen und Brücken zu sanieren.

Beim Gang am Hohen Ufer entlang und später im versteckten Café Anna Leine erzählt Uwe Bodemann zwei Stunden lang von diesen Plänen. Er ist kein Dezernent, der sich lautstark auf den Marktplatz stellt, er kommt in seiner Bauverwaltung gut ohne das Gesums des Betriebs aus. Er sagt, er lege es nicht darauf an, in Medien zu erscheinen. Gebe es nichts zu erzählen, dann sage er nichts. Manchmal ist seine Sicht darauf, was denn erzählenswert wäre, allerdings recht eingeschränkt. Der Eindruck ist: Oft hat er schlicht keine Lust.

Mehr Bürgerbeteiligung

Denn Manches wüsste man doch gerne. Was etwa soll aus dem Steintorplatz werden, dessen Pläne, auch Bodemanns Pläne, zur Bebauung nach der Wahl gekippt wurden? Nach der falschen Interpretation eines Wahlergebnisses übrigens, wie Uwe Bodemann glaubt. Die Bürger hätten nicht gegen die Bebauung gestimmt, es sei lediglich wegen der politischen Großwetterlage die AfD in den Rat gelangt und habe Rot-Grün geschwächt. Was er sich am Steintor für die Zukunft vorstellt, sagt er nicht, aber er wünscht sich eine Form von Bürgerbeteiligung, die alle bisherigen Verfahren in den Schatten stellen. Ortsbesuche, Modelle, Diskussionen. „Schon wegen meiner persönlichen Entertainmentsucht“, sagt er flapsig, denn eigentlich wollte er ja diese Bebauung. Jetzt will er Debatten nicht vorgreifen. Anders gesagt: Es gibt etwas zu sagen, er will nur nicht.

Vier Jahre also noch, dann ist der Ruhestand erreicht und die tägliche Pendelei nach Bremen vorbei. Hannover erlebt er als eine „aufregende, aber durch und durch korrekte Stadt mit ihrer Achtsamkeit und diesem prononciert Integrativem“. Ein gefährlicher Satz, er fängt ihn gleich ein und schiebt nach, dass daran überhaupt nichts zu kritisieren sei. „Aber manchmal ist es ganz schön, Fünfe gerade sein zu lassen.“

Es bleibt zu tun. Ein Wohngebiet am Kronsberg bauen, die Wasserstadt. Verkehr optimieren. Wenn er könnte, wie er wollte, würde er diesen autogerechten Cityring stutzen, der an Sehenswürdigkeiten und Institutionen dieser Stadt entlang führt. Es gehöre sich, den öffentlichen Raum davor zu gestalten, sechs, acht Fahrspuren hält er nicht für angemessen. Uwe Bodemann glaubt nicht, dass er das noch im Amt erleben wird.

Erstmals kann die Polizeidirektion Hannover Vergleichszahlen zur Flüchtlingskriminalität präsentieren. Demnach registrierten die Beamten 11.489 Vergehen im vergangenen Jahr. Hannovers Polizeichef Kluwe betont allerdings: „Die weit überwiegende Mehrheit begeht eben keine Straftaten.“

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