Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
So süß – doch Yanga muss Hannover verlassen

Aufzucht per Flasche So süß – doch Yanga muss Hannover verlassen

Einen Monat ist Gorilla-Baby Yanga nun alt – und wird von den Pflegern im Zoo mit der Flasche aufgezogen, weil Mutter Zazie das Neugeborene abgelehnt hatte. Nun kümmern sich hauptsächlich Klaus Meyer und seine Kollegin Christine Bertram liebevoll um das Baby – 24 Stunden am Tag. Bisher klappt das bestens.

Voriger Artikel
Polizei warnt vor Taschendieben
Nächster Artikel
Stadt baut aus Versehen die falschen Poller ab

Wird 24 Stunden am Tag betreut: Gorilla-Baby Yanga im Zoo Hannover.

Quelle: Zoo Hannover

Wenn Klaus Meyer abends von der Arbeit mit dem Auto nach Hause fährt, dann packt er das Baby vorschriftsgemäß in einen Kinderschalensitz. Zuhause muss er das kleine Mädchen oft wickeln, danach kitzelt er es am Bauch: „Babys sollen mindestens einmal am Tag lachen“, findet er. Am Abend gibt er der Kleinen noch ein Nuckelfläschchen mit Milch, wartet auf das Bäuerchen und spielt dann eine Weile mit ihr. „Wir versuchen, sie abends länger wachzuhalten, damit sie länger schläft“, erklärt er. Immerhin hat sie letztens drei Stunden am Stück geschlafen, das ist schon mal ein Fortschritt. Klaus Meyer erzählt Dinge, die jungen Eltern sehr vertraut und die ihre Gesprächsthemen sind, wenn sie ein Baby bekommen haben. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied zwischen Meyer und anderen: Der Tierpfleger aus dem Zoo Hannover betreut ein Gorillakind.

Gorilla-Baby Yanga wird im Zoo Hannover von einem Pfleger mit der Flasche aufgezogen.

Zur Bildergalerie

Yanga ist jetzt einen knappen Monat alt; der Mini-Gorilla war kein Wunschkind. „Wir wussten, dass die Mutter Zazie Schwierigkeiten mit der Nachwuchsaufzucht hat und haben ihr deshalb Verhütungsmittel gegeben. Leider hat das Präparat einmal nicht gewirkt“, sagt der zoologische Leiter Klaus Brunsing. Es kam wie befürchtet: Die Mutter lehnte das Neugeborene komplett ab. Es ungeschützt vor dem robusten Spieltrieb seiner Artgenossen in der Gruppe zu belassen, hätte Lebensgefahr bedeutet. Also entschloss man sich zur umstrittenen Handaufzucht.

„Wir sind jetzt Affenmütter“, sagt Klaus Meyer. Er und seine Kollegin Christine Bertram leisten die Hauptarbeit, zwei weitere Pfleger helfen mit. Zu erledigen ist ein 24-Stunden-Dienst. „Gorillakinder haben in der Natur ständig Körperkontakt zur Mutter. Das ersetzen wir“, erklärt Meyer, der sich gut in die Affen hineinfühlen kann und auch deren spezielle, für Menschen schwer zu imitierende Grunzlaute beherrscht.

Die Tierpfleger müssen die kleine Yanga nicht nur betüddeln, sondern zunächst am Leben erhalten. „Gorillas bekommen ihren Immunschutz mit der Muttermilch“, sagt Zoo-Veterinär Viktor Molnar. Fehlt dieser, kann jeglicher Erreger lebensbedrohlich sein. Deshalb sind die Pfleger gegen Kinderkrankheiten geimpft und würden sich der Kleinen auf keinen Fall mit einer Rotznase nähern. Andererseits darf Yanga auch nicht völlig steril leben, weil sie sonst gar kein Abwehrsystem aufbauen kann. „Bisher geht es ihr supergut“, sagt Molnar. Zwei Monate, so schätzt er, werde es dauern, bis die gröbste Gefahr gebannt ist.

Bei all dem leisten Meyer, der übrigens verheiratet ist und selbst Kinder hat, und seine Kollegen einen Balanceakt. Das kleine Gorillamädchen soll sich nicht so an Menschen gewöhnen, dass der Affe in ihm auf der Strecke bleibt. Deshalb gibt es im Gorillagehege einen mit Gitter abgetrennten Bereich, in dem sich die Pfleger mit Yanga tagsüber aufhalten. Die Familienmitglieder können so Kontakt aufnehmen und ihre Neugier befriedigen. Und das Baby lernt, wie Gorillas riechen, wie sie sich anhören und wie sie überhaupt so ticken.

Kein Mensch weiß derzeit, wie lange das alles noch dauern wird. „In der freien Natur bleiben Gorillas drei bis vier Jahre bei der Mutter“, sagt Brunsing. Das Zooteam und er hoffen, dass diese Zeitspanne nicht komplett durch die Pfleger abgedeckt werden muss. Dazu ist Hilfe nötig, weil Yanga auf Dauer nicht in Hannover bleiben kann. „Wir haben kein geeignetes Muttertier in unserer Herde“, sagt Brunsing. Deshalb wird über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das für Gorillas durch den holländischen Experten Frank Rietkerk koordiniert wird, nach einer tierischen Amme gesucht. In den 62 Zoos, die Gorillas halten, ist Rietkerk bisher nicht fündig geworden. „Eine Amme muss das Kind annehmen, aber auch akzeptieren, dass ein Pfleger kommt und es wegnimmt, um ihm Nahrung zu geben“, sagt Brunsing. In freier Wildbahn würde kein Weibchen so etwas tolerieren. Außerdem zeichen sich die Affenfamilien durch ein sehr kompliziertes Sozialgefüge aus, in das ein fremdes Kleinkind passen müsste.

Wenn es eines Tages doch passiert, wird Meyer zwiespältige Gefühle hegen. „Es ist gerade, als sei ich noch einmal Vater geworden. Wenn ein Baby auf meinem Bauch schläft, dann weckt das Emotionen – egal, ob es ein Menschen- oder ein Gorilla ist“, sagt er. Gleichzeitig weiß er, dass es das beste wäre, wenn die kleine Yanga schnell aus Hannover verschwinden könnte.

Zoo will „Knut-Effekt“ vermeiden

Welche Emotionen es auslösen kann, wenn Menschen Tierkinder großziehen, weiß man seit Knut. Der kleine Eisbär aus dem Zoologischen Garten in Berlin, der von seiner Mutter verstoßen wurde, und sein Pfleger Thomas Dörflein wurden 2007 zu internationalen Medienstars. Knut war Symbol für Niedlichkeit und verschaffte dem Zoo Besucherrekorde. Souvenirs gingen weg wie warme Semmeln, man ließ Knut als Marke schützen. Nach seinem Tod errichteten die Berliner Knut ein Denkmal.

Derartiges hat der Zoo Hannover mit dem Gorillababy Yanga nicht vor. „Wir wollen keinen Knut-Effekt“, betont Sprecherin Simone Hagenmeyer. Dem Publikum kann der Zoo das Tierkind ohnehin nicht zeigen, weil das lebensgefährlich für Yanga wäre. Aus diesem Grund dürfen auch Journalisten nicht ins Gehege – die Bilder auf dieser Seite stammen von den Pflegern. Medienanfragen, von denen es viele gibt, lehnte der Zoo bis gestern ab und will das auch künftig tun.

Handaufzuchten, wie sie vier Zoo-Mitarbeiter derzeit mit dem kleinen Gorilla betreiben, waren bis in die achtziger Jahre hinein verbreitet. Heute greift man nur noch sehr selten zu diesem Mittel. Derzeit wird außer in Hannover weltweit nur noch ein Affenkind im Zoo von Bristol von Menschen gepäppelt. „Bei Menschenaffen, aber auch bei anderen Säugetieren ist die Sozialisation in der Gruppe prägend. Nimmt man ein Jungtier heraus, kommt es häufig zu Fehlprägungen“, sagt der zoologische Leiter Klaus Brunsing. Mit anderen Worten: Die Tiere fixieren sich nicht auf ihre Artgenossen, sondern auf Menschen.

Wie schwierig eine Entscheidung gegen die Handaufzucht sein kann, hat der Zoo Hannover vor acht Jahren erlebt. Damals ließ man ein Gorillajunges in der Familie, obwohl es von der Mutter vernachlässigt und nicht ausreichend geschützt wurde. Vater Buzandi schleuderte das Kind gegen eine Wand – das damals fünf Monate alte Baby starb kurze Zeit später.

Die Frage, warum Yanga von ihrer Mutter Zazie nicht angenommen wurde, lässt sich nicht hundertprozentig beantworten. Brunsing und Tierpfleger Klaus Meyer hegen aber einen starken Verdacht: „Zazie wurde selbst mit der Hand aufgezogen und hat deshalb vermutlich keine ausreichenden Mutterinstinkte entwickelt.“

se

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Nacht der Pferde auf der Pferd & Jagd 2016

Am Freitag zeigten sich 3740 Zuschauer bei der Nacht der Pferde auf der Pferd & Jagd begeistert. Harmonie zwischen Mensch und Pferd, atemberaubende Kunststücke – 150 Pferde und 60 Akteure sorgten für Gänsehautstimmung.