Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt So tickt der Möbelhaus-Chef Anand Steinhoff
Hannover Aus der Stadt So tickt der Möbelhaus-Chef Anand Steinhoff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 01.11.2017
Von Gunnar Menkens
Keine Zufälle bei Garderobe, Schuhen, Uhr: Anand Steinhoff ist Design-Enthusiast. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Im sehr flachen Sportwagen führt die Fahrt mit Anand Steinhoff am Steuer vom Braunschweiger Platz nach Linden, im Radio läuft Klassik. Die Idee, einen Abstecher zum Schwarzen Bären zu machen, ist schnell verworfen. Dort eröffnete zwar Ende 1936 das erste Möbelgeschäft von Heinz und Else Steinhoff, vom Laden existiert aber nur noch die Adresse. Heute ist dort ein Supermarkt untergebracht.

Es geht zum Lindener Berg, zum Biergarten. Steinhoff mag das lockere Ambiente dicht an der Sternwarte. Im Sommer kommt er gern, um auf rustikalem Mobiliar über das Geschäft nachzudenken, an Designideen zu basteln und vielleicht sogar, um einmal nichts zu tun, außer ein Bier zu trinken. Wobei das mit dem zweckfrei genossenen Bier nur eine Vermutung ist, denn Anand Steinhoff, Chef des gleichnamigen Möbelhauses in der Südstadt, beschreibt sich als Mensch, der in seinem Beruf aufgeht. „Ich arbeite immer, von Montag bis Sonntag“, sagt er, „anders geht es nicht.“ Es klingt nicht, als bedauere er sein Pensum.

Anand Steinhoff hat eine ungewöhnliche Lebensgeschichte zu erzählen. Sie beginnt in Bombay mit einer Trennung. Seine Mutter, eine Ärztin, so viel weiß er, gab ihren Sohn zwei Monate nach der Geburt 1970 zur Adoption frei, weil es nicht vorstellbar war, dass eine unverheiratete Frau in Indien ein Kind groß zog. Er lebte im Waisenhaus und war eines von vielen Kindern mit ungewisser Zukunft. Wenige Monate später kam dieses deutsche Ehepaar zu Besuch, im Gepäck trug es den unbedingten Willen, ein weiteres Kind aus Indien zu adoptieren. Seine leiblichen Eltern lernte Anand nie kennen, ein Versuch, Jahrzehnte später die Mutter zu finden, blieb erfolglos.

Studium in Freiburg und Mailand

So wurde Anand im Alter von fünf Monaten der Sohn von Peter und Ursula Steinhoff, die in Hannover ein Möbelgeschäft führten, inzwischen in der Karmarschstraße. Als die Ehe scheiterte, zog der Sohn mit seiner Mutter nach Freiburg. Hier wuchs er auf, studierte Betriebswirtschaft und ging bald darauf nach Mailand, wo er ausführlich seiner stets verfolgten Liebe für Design und Mode nachgehen konnte. Schwer vorstellbar, dass Steinhoff bei seiner Auswahl von Garderobe, Schuhen, Uhr etwas dem Zufall überlässt.

Bei diesen Interessen lag es nicht fern, sich im Möbelgeschäft des Vaters auszuprobieren, wo Ökonomie und Ästhetik zusammen treffen. Peter Steinhoff hatte am Braunschweiger Platz mittlerweile ein neues Haus errichtet. Keinen Möbelkasten, sondern einen auffälligen Bau aus Aluminium, geschwungen mit großen Fenstern und luftigen Etagen. Schon von außen ist klar, dass innen Dinge zum Verkauf stehen, die sich nicht jeder leisten kann.

Und wie es oft ist: Anand Steinhoff lernte im Haus seines Vaters, und zwar von unten. „Möbel ausliefern, Prospekte verteilen, so etwas. Ich bin nicht mit goldenen Löffeln aufgewachsen“, sagt er. Vereinbart war eine halbjährige Probezeit, an deren Ende Steinhoff bei Steinhoff blieb. Drei Jahre später wurde er Geschäftsführer und Gesellschafter.

Das war 1998, bald machte die Weltausstellung Station in Hannover. Was für eine Gelegenheit! Das Unternehmen richtete großflächig ein, darunter den Neubau der Nord/LB am Aegi und den Deutschen Pavillon auf dem Expo-Gelände. Nur folgte diesem Hoch ein Niedergang. Anand Steinhoff erinnert sich daran, dass kaum noch etwas gebaut wurde. Ein Neuanfang musste her, die finanzielle Lage wurde nicht rosiger, und man tut ihm wohl nicht unrecht, wenn man sagt, dass er die Dinge lieber allein in Händen hält, statt unbefriedigende Kompromisse zu machen. 2003 sagte Anand Steinhoff zu seinem Vater: „Ich möchte es gerne allein machen.“ So kam es. Der Vater blieb Berater, und Anand Steinhoff erwähnt, dass seine Mutter bis heute das Rückgrat im Betrieb ist.

Er beschreibt das Familienunternehmen gerne als „ein kleines Boot zwischen Tankern“. Mittelständische Betriebe in der Stadt konnten mit Großmärkten am Rand der Schnellstraßen immer weniger mithalten, das Internet spielt eine Rolle, und er dachte darüber nach, wie das traditionsreiche Geschäft sich positionieren könnte im Wettbewerb um Kunden. Im Rückblick sagt Anand Steinhoff: „Ich musste mich neu beweisen“, geholfen hat dabei der eingeführte Name.

Das Möbelgeschäft als Erlebnis

Die Idee war dann, das Geschäft selbst zum Erlebnis zu machen und Möbel in Inszenierungen stellen, die im Gedächtnis bleiben. Das Zusammenspiel von Küche und Wohnen sollte eine immer größere Rolle spielen. Kunden werden zu Hause beraten, wenn sie nach einer neuen Gestaltung ihrer Räume suchen. Steinhoff entwickelte zudem eine eigene Serie von Accessoires wie Vasen, Windlichter, Decken. Und schließlich richtete er ein kleines Designmuseum ein.

Natürlich bleibt das Möbelhaus auch im 80. Jahr seines Bestehens ein Unternehmen im hochpreisigen Bereich, wenngleich Steinhoff Schwellenängste überwinden will. Neulich gab es deshalb ein günstiges Sofa zu kaufen. Einführungspreis: knapp unter 2000 Euro. Steinhoff mag zwischen Tankern fahren, aber seine Idee bleibt doch, eine Yacht zu lenken statt ein Boot.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" werden Weihnachtspäckchen, die von Kindern selbst befüllt wurden, an Not leidende Kinder verteilt. Die IGS Roderbruch nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal an dem Hilfsprojekt teil und hat schon jetzt 103 fertige Päckchen gesammelt und abgegeben.

Jutta Rinas 04.11.2017

Von 60 Grundschulen in Hannover haben zwei Drittel schon auf den Ganztagsbetrieb umgestellt. Doch die pädagogische Mitarbeiter, die Angebote am Nachmittag übernehmen sind den Lehrern in vielen Bereichen nicht gleichgestellt.  Das soll sich ändern, fordern Schulleiter. 

Saskia Döhner 04.11.2017
Aus der Stadt Steuerzahlerbund prüft Fall um leerstehende Räume - Sind Schulcontainer Verschwendung?

Die leer stehenden Klassenräume in einer Misburger Grundschule werden zum Fall für den Bund der Steuerzahler. Der Verein will von der Region Hannover wissen, warum die Region die Räume nicht der Schule zur Verfügung stellt.

01.11.2017