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So trainieren Südstädter im Fitnessstudio

HAZ-Gesundheitswochen So trainieren Südstädter im Fitnessstudio

Im Fitnessstudio treffen die unterschiedlichsten Typen aufeinander – was treibt sie an? Während die einen den Ausgleich zum Bürojob suchen, sind die anderen zum "pumpen" hier. Wir haben uns in einem Südstädter Studio umgehört - bei Kraftprotzen, Gesundheitsaposteln und Trainings-Experten.

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Quelle: Eberstein/M

Hannover. Diese Geräusche gibt es nur hier. Klacken, Sirren und Quietschen, leichtes Hämmern, Metall auf Metall, in immer gleichen Abständen, dazu stoßweises Ausatmen, wenig Konversation. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man nach dem Hören auf eine industrielle Produktionsstätte tippen, in der Menschen an Maschinen harte körperliche Arbeit verrichten. Stimmt ja auch irgendwie. Aber da ist auch Popmusik, die die Klangkulisse in den Hintergrund zu drängen versucht.

Im Fitnessstudio treffen die unterschiedlichsten Typen aufeinander – was treibt sie an? Während die einen einen Ausgleich zum Bürojob suchen, sind die anderen zum "pumpen" hier. Wir haben uns in einem Südstädter Studio umgehört - bei Kraftprotzen, Gesundheitsaposteln und Trainings-Experten.

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Ein Fitnessstudio in der hannoverschen Südstadt. So wie man sich ein Fitnessstudio vorstellt. Nüchterne Räume, sachliches Licht, bisschen grüne Farbe und ein Gerätepark, der aussieht, als ob Aliens vom Planeten Mucki hier ihre Flotte abgestellt hätten, ohne wirklich einparken zu können. Bei näherem Hinsehen ist natürlich System drin, hier die Cardioabteilung mit Steppern, Laufbändern, Crosstrainern und Fahrradsimulatoren. Auf der anderen Seite drücken junge Menschen mit Stöpseln in den Ohren Bügel mit den Armen oder Beinen nach vorn, heben unter Last den Oberschenkel oder ziehen gewichtete Seile hinter ihren Kopf. Hinzu kommt eine Batterie Freihanteln, kurz und lang.

"Wir suchen einen Ausgleich zum vielen Sitzen"

Es ist ein Donnerstag, es ist Vormittag, die Halle ist übersichtlich gefüllt. Einige kommen genau deshalb – wie Antonia Mögebier. Die 19-jährige Studentin ist hier zwei- bis dreimal die Woche, „immer vormittags, weil es dann noch nicht so voll ist, dann ist hier eine sehr angenehme Stimmung“. Sie sitzt mit ihrer Freundin Helen Thiel auf einer Matte und wuchtet Medizinbälle von links nach rechts. Die beiden suchen hier „einen Ausgleich, weil wir in der Uni den ganzen Tag sitzen“. Es kommen noch die Argumente „fitter sein“ und „was für die Gesundheit tun“, wie bei vielen jungen Vielsitzern geht es um allgemeines Wohlbefinden durch Bewegung. Helen Thiel hat nach einem Reitunfall mit Beckenverletzung einen Trainingsplan abgearbeitet, um die Rumpfmuskulatur zu stabilisieren.

"Wer Premium will, muss auch Premium zahlen"

Das EasyFitness-Studio ist vor einem Jahr erst in das funktionelle Gebäude am Rande eines Gewerbegebietes in der Anna-Zammert-Straße umgezogen. Und es ist, das wird auf den ersten Blick klar, keine Wellness-Oase. Hier wird gearbeitet. Geschäftsführer Markus Tapper erklärt: „Es gibt die Trends Premium und Discounter. Wer Premium will, muss auch Premium zahlen. Wir sind eine Art Premium-Discounter.“

Hannovers Fitnesslandschaft ist vielfältig: Von gehobenen und exklusiven Clubs wie dem Aspria am Maschsee bis zum Sportverein mit eigenem Fitnessbereich, Frauenstudios, Stadtteil-Clubs oder Rückenspezialisten wie Kieser. Was alle gemein haben: Hier wird geschwitzt – und hier treffen im Sportdress die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander.

Bei Ketten wie EasyFitness ist der Trumpf das Netz an Studios bundesweit. Fast 100 sind es in Deutschland, wer Mitglied ist, kann jedes Studio nutzen. Für die beiden Studentinnen Mögebier und Thiel ist das praktisch, weil sie in Hannover wohnen und in Hildesheim studieren. Man reagiere mit solchen Angeboten wie auch mit langen Öffnungszeiten auf eine immer flexiblere Arbeitswelt, sagt Tapper.

„Bisschen Hüfte, bisschen Rücken, bisschen schlapp fühlen“

Warum gehen Menschen 2017 ins Fitnessstudio? „Bisschen Hüfte, bisschen Rücken, bisschen schlapp fühlen“, sagt Tapper. Vor allem dicke Menschen koste es häufig Überwindung, sich anzumelden: „Sie befürchten, dass sie hier nur schöne, junge, athletische Körper sehen und trauen sich nicht.“ Ist diese Hürde überwunden, sind sie dann ganz schnell drin. „Sie entwickeln Ehrgeiz, denn sie haben ein klares Ziel. Und wenn sie Erfolge verspüren, spornt sie das an.“ Höhepunkt der Neuanmeldungen sei der von guten Vorsätzen geprägte Jahresanfang. „Da muss man viele bremsen, die gleich an fünf oder sechs Tagen die Woche kommen. Besser ist: zwei Tage die Woche und das erst mal acht Wochen regelmäßig. Da muss sich jeder auch ein bisschen selbst behandeln.“

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"Ich hole alles aus mir raus"

Solche Disziplin muss man David Ngoua Nze nicht beibringen. Das 33-jährige Kraftpaket schwingt gerade zwei schwere, lange Seile und versucht, sie in wellenartige Schwingungen zu versetzen – eine Übung, die Arme, Bauch und vor allem die Oberschenkel fordert. „Ich trainiere immer genau eine Stunde“, sagt der bärtige Maschinenbauer, der aus dem westafrikanischen Gabun stammt, „in der hole ich alles aus mir raus.“ Und das seit drei Jahren bis zu viermal die Woche, dazu spielt er noch Basketball. Sein Ziel: „Ich will Gewicht zulegen, aber weniger Fett. Denn ich esse gern und viel.“

Ein paar Kilos will auch Joachim Giesel abbauen. Der 76-jährige Fotograf und Mitbegründer der legendären hannoverschen Spektrum-Galerie hält sich hier mit seiner Freundin zusammen fit, zweimal die Woche kommen sie her, manchmal muss der eine den anderen motivieren. Das Personal sei sehr freundlich und aufgeschlossen, sagt Giesel, nur von den Trainierenden würde er sich gelegentlich ein bisschen weniger Coolness wünschen. „Mein Motto: Sport, leben, lieben, lachen – einfach weitermachen“, sagt Giesel, „Alter fängt mit 100 an.“

Trainingsziel Stressabbau? „Man muss das Zeitfenster schaffen“

Sport als Stressabbau ist gut, sagt auch der hannoversche Sportmediziner Wego Kregehr. Allerdings nur, wenn er nicht noch als zeitliche Belastung oben auf einen ohnehin vollen Terminplan draufgepackt wird. „Man muss sich dafür Freiräume schaffen, sonst kann das auch nach hinten losgehen“, sagt der ehemalige Mannschaftsarzt der Profimannschaft von Hannover 96.

Gerade Fitnesstraining sei dafür gut geeignet, weil es die motorischen Aspekte des Gehirns anspreche und somit von den stressenden Gedanken ablenke. Man muss sich dafür nach Kregehrs Ansicht aber nicht zwingend auspowern. „Es können auch ruhigere Sportarten oder Betätigungen wie Qigong sein“, sagt der Experte.

Das Stresslevel sei in der Gesellschaft grundsätzlich gestiegen: „Wir sind im Alltag mehr Zwängen ausgesetzt. Ob es jetzt Apps auf dem Smartphone sind oder E-Mails, die abgearbeitet werden müssen.“

Und so taucht neben körperlichem Wohlbefinden und Beweglichkeit im Alter auch immer häufiger der Faktor Stressabbau als Trainingsziel im Fitnessstudio auf. „Wenn man Stress hat, schüttet der Körper das Stresshormon Cortisol aus, und das randaliert im Körper“, sagt Fitnesstrainer Markus Tapper. Cortisol versetzt den Körper kurzfristig in die Lage, Energie freizusetzen, um auf Gefahren zu reagieren. Bei dauerhaftem Stress wird das allerdings ungesund – und kann den gegenteiligen Effekt haben.

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