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So viel Einfluss hatten die Frauen der Welfen

Welfenhochzeit So viel Einfluss hatten die Frauen der Welfen

Ekaterina Malysheva, nun von Hannover, hat in eine einflussreiche Familie geheiratet. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Die stärksten Figuren in Hannovers Herrscherhaus waren fast immer die Frauen.

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Quelle: Historisches Museum Hannover, Dröse

Hannover. Die Hochzeitsnacht war ein Desaster. Der Welfenprinz soll im Schlafgemach seiner Braut völlig betrunken in den Kamin gestürzt sein, wo er dann die Nacht verschlief. Schon als er sie zum ersten Mal sah, soll er lautstark nach einem Brandy verlangt haben. Und als Georg IV. dann 1821 in London zum König gekrönt wurde, ließ er seiner Frau Caroline die Tür der Westminster Abbey vor der Nase zuschlagen – zur Freude des feixenden Pöbels.

Georg IV. war fettleibig und exzentrisch. Als er starb, fand die seriöse „Times“ ehrliche Worte: „Es hat noch nie jemanden gegeben, der von seinen Mitmenschen so wenig betrauert wurde wie er.“ Seine bedauernswerte Frau hingegen konnte sich der Solidarität der Bevölkerung gewiss sein.

Ekaterina hat in ein herrschaftliches Haus hineingeheiratet. Aber ein Blick zeigt: Die stärksten Figuren der Welfen waren fast immer die Frauen.

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Die Welfen gelten als Europas ältestes Adelshaus. Über Jahrhunderte hinweg bestimmten sie die Geschicke ganzer Länder. Eine bemerkenswerte Konstante dabei: Auch wenn ihre Männer grobe Polterer waren, die sich in Familienkonflikten aufrieben, agierten die Frauen der Welfen oft ausgesprochen klug – und erwiesen sich als starke Persönlichkeiten.

Die Reformation wurde 1542 in weiten Teilen Niedersachsens von Herzogin Elisabeth durchgesetzt. Ihr Sohn, Erich II., versuchte später vergeblich, das Rad zurückzudrehen. Anno 1701 sicherte dann die geistvolle Kurfürstin Sophie, die den Großen Garten ausbaute und geschickt politische Fäden spann, den Welfen die Anwartschaft auf den britischen Thron – bis heute sind alle britischen Thronfolger ihre Nachkommen.

Sophies Tochter, die hochgebildete Sophie Charlotte, wurde Königin in Preußen. Leibniz höchstselbst rühmte die Fürstin, „deren Geist und Menschlichkeit von keiner jemals übertroffen wurde“, im hohen Ton. Während sie mit Philosophen parlierte, ruinierte ihr Mann mit Misswirtschaft das Land.

Oft hatten Welfenfrauen unter ihren Männern zu leiden – wie Sophie Dorothea, die unglückliche „Prinzessin von Ahlden“: Während ihr Mann, der spätere König Georg I., sich ganz selbstverständlich Mätressen hielt, verbannte er sie nach einer Affäre lebenslang in ein abgelegenes Anwesen an der Aller.

Der Sohn der beiden wurde 1727 als Georg II. König von Großbritannien. Seine Wutanfälle waren berüchtigt: „Wenn er wollte, konnte Georg auch ein äußerst liebenswürdiges und manierliches Verhalten an den Tag legen“, schrieb die Historikerin Anna E. Röhrig in dem Buch „Frauen der Welfen“. Das Problem: „Oft wollte er eben nicht.“

Georg II. prahlte damit, nie ein Buch zu lesen. Dafür schilderte er seiner Frau Caroline in seitenlangen Briefen die Vorzüge seiner Mätressen. Caroline führte unterdessen die Staatsgeschäfte, wenn ihr Mann wieder mal abwesend war. Sie steuerte seine Politik – und achtete darauf, den Gatten ihre intellektuelle Überlegenheit nicht so sehr spüren zu lassen. „Selten hat ein törichter Mann eine gescheitere Frau gehabt“, urteilte der Historiker Thomas Carlyle.

König Georg III. ging als „Mad King George“ in die Geschichte ein. Er versank in geistiger Umnachtung; am Ende vegetierte er in Windsor vor sich hin, sprach mit Verstorbenen und spielte stundenlang auf der Harfe. Seine Frau Sophie Charlotte unterstützte derweil nach Kräften soziale Einrichtungen. Und sie förderte den Ausbau der berühmten Kew Gardens – heute eine der schönsten Gartenanlagen Großbritanniens.

Ihr Sohn Wilhelm IV. ging geradezu schofelig mit der Frau seines Herzens um: Rund 20 Jahre lang lebte er mit der irischen Schauspielerin Dorothy Jordan unter einem Dach. Zehn Kinder hatte er mit ihr. Teils musste sie den verschuldeten Lebemann finanziell aushalten. Dann heiratete er 1818 standesgemäß. Nach seiner Frau Adelheid von Sachsen-Meiningen sind die Orte Adelaide (Australien, rund 1,5 Millionen Einwohner) und Adelheidsdorf (bei Celle, rund 2600 Einwohner) benannt. Die Mutter seiner zehn Kinder starb verarmt.

Mit Wilhelms Tod endete 1837 die hannoversch-britische Personalunion: In Hannover durfte eine Jahrhundertgestalt wie Queen Victoria nicht auf den Thron, weil sie eine Frau war. Hier regierte nun König Ernst August, der vor allem durch dreierlei im Gedächtnis geblieben ist: sein Denkmal vorm Bahnhof, seinen Versuch, das liberale Grundgesetz zu kippen – und seine schöne Frau Friederike. Diese widmete sich beherzt karitativen Aufgaben. Das Friederikenstift trägt bis heute ihren Namen.

Den Grundstein fürs Henriettenstift hingegen legte ihre Schwiegertochter Marie von Sachsen-Altenburg, die für ihren tiefen Glauben ebenso bekannt war wie für ihre guten Taten und ihre bescheidene Art. Als ihr ungeschickt agierender Mann, der blinde König Georg V., 1866 sein Königreich verlor, folgte sie ihm ins Exil.

Am Sonnabend heiratet nun ihr Urururenkel die aus Russland stammende Modedesignerin Ekaterina Malysheva. Als Brautkutsche dient jener Wagen, den schon Georg und Marie 1843 benutzten. Beide waren beim Volk beliebt. Der Vater des damaligen Bräutigams mäkelte oft an seiner Schwiegertochter herum. Doch dies hinderte das Paar nicht daran, glücklich miteinander zu werden.     

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