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So war der Auftritt von Gernot Hassknecht im Pavillon

Ruhiger als im Fernsehen So war der Auftritt von Gernot Hassknecht im Pavillon

Im Fernsehen enden die Auftritte von Hans-Joachim Heists Figur Gernot Hassknecht meist in einem lauten Wutausbruch. Auf der Bühne hält sich der cholerische Rentner zurück und dosiert seine Tiraden gut. Dadurch erinnert Hassknecht an einen Lehrer, der versucht ein Plädoyer für die Demokratie in Witz und Sarkasmus zu verpacken.

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Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht gibt sich auf der Bühne ruhiger als im Fernsehen. 

Quelle: Behrens

Hannover. Wer Hans-Joachim Heists Bühnenfigur nur von deren Fernsehauftritten in der ZDF Heute Show kennt, hätte wohl einen lauteren Abend im Kulturzentrum Pavillon erwartet. Der cholerische Rentner Gernot Hassknecht regt sich im Fernsehformat regelmäßig über die Absurditäten von Politik und Gesellschaft auf. Nach wenigen Minuten enden die Tiraden oft in einem inszenierten Abbruch durch den Sender. Zum Glück versucht Heist nicht, diese Dramaturgie auf sein abendfüllendes Soloprogramm zu übertragen. Zwar gibt der fast Siebzigjährige auch hier den selbsterklärten „weißen alten Mann“, der an fast allem etwas auszusetzten hat.

Er dosiert seine Ausbrüche jedoch gut und wechselt geschickt zwischen den Sprechhaltungen: frei vorgetragene Texte wechseln mit Reden und Filmeinspielern. Heist artikuliert dabei immer ein wenig zu deutlich, als würde er mit Idioten reden – er weiß, dass seine Fans eine raue Schale von ihm erwarten, Darunter ist jedoch ein ernsthafter, engagierter Kern kaum verborgen. Heist spielt Hassknecht als einen differenzierenden Aufklärer. Oft erinnert die Figur an einen jener seit Jahrzehnten unermüdlich um die Mündigkeit seiner Schüler bemühten Lehrer, der versucht, seine Plädoyers für Toleranz und Demokratie in Witz, Hintergründigkeit und einer Spur Sarkasmus zu verpacken.

So war der Auftritt von Satiriker Gernot Hassknecht im Pavillon.

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Dabei schreckt Heist auch vor klar benannten Fakten nicht zurück. Am Vorabend der Landtagswahl klingt manches wie eine flammende Wahlkampfrede. „Wir müssen unsere Demokratie gegen die Rechten verteidigen – das Grundgesetz hat seinen Sinn“, mahnt Heist als Hassknecht. Das anschließende Zitate-Quiz „Hitler oder Höcke“ erscheint vor einem solchen Hintergrund fast didaktisch. Auch wenn es eine unerwartete Wendung nimmt: Der judenfeindliche Satz am Ende stammt nämlich von Martin Luther. „Auf den ist auch immer Verlass, wenn es um Hetze geht, das sind alte deutsche Traditionen“, kommentiert Hassknecht.

Wenn der sich dann über den beschönigten Armutsbericht oder ein zunehmend privatisiertes Gesundheitssystem auslässt, wird deutlich, dass Heists Figur bei aller Überzeichnung eher in der Tradition des politischen Kabaretts steht, als populäre Comedy-Klischees zu erfüllen. Seine Definition des Begriffs „postfaktisches Zeitalter“ könnte aus der Feder eines Dieter Hildebrandt stammen: „Das Zeitalter nach den Fakten nennt man Demenz.“

Thomas Kaestle

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