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So war der Sommer 2016

Region Hannover So war der Sommer 2016

Gefühlt begann der Sommer in und um Hannover erst im September, der Juli war verregnet, der August eiskalt. Doch der Meteorologe sieht das etwas anders. Ein Blick auf die Durchschnittswerte zeigt: Der Juli war wärmer und trockener als gewöhnlich, der August ein Reinfall, und der September (bisher) ein Hit.

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Adieu, Sommer: Spaziergänger genießen am 13. September den Sonnenuntergang auf dem Kronsberg.

Quelle: Tim Stratenschulte

Hannover. Knapp 250 Kilometer weiter nordwestlich war’s mal wieder richtig Sommer. Während in der Region Hannover bei vielen Menschen wegen des wechselhaften Wetters die schlechte Laune jeden Tag noch ein bisschen schlechter wurde, konnten Urlauber in der zweiten Julihälfte auf den ostfriesischen Inseln echten Sommer genießen. Sonne von morgens bis abends, kein Regen, fast kein Wind. Für manche Familien wurde so viel gutes Wetter am Stück („Müssen wir heute schon wieder zum Strand?“) zur echten Herausforderung.

Und zugleich in Hannover? Zwar war es mit Höchsttemperaturen um 25 Grad immer richtig warm, am 20. Juli kletterte die Temperaturanzeige sogar auf fast 34 Grad. Aber von den 15 Tagen der zweiten Julihälfte blieben nur fünf ohne Regen. Sommer stellt man sich einfach anders vor. Dieses Jahr hieß das dann vor allem: zehn Tage kein Freibad, kein Biergarten, kein Picknick im Park.

Beim Fotowettbewerb "Festgehalten" im Sommer 2016 senden HAZ-Leser ihre schönsten Fotos aus Hannover.

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Der Meteorologe sieht das allerdings anders. Zwar sei der Juli kein „Top-Sommermonat“ gewesen, sagt Peter Schwarz vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg. „Rein statistisch war der Juli in Hannover aber weitaus besser, als ihn viele in Erinnerung haben“, sagt der Meteorologe.

Mit seiner Aussage bezieht sich Schwarz auf die Zahlen: Die Durchschnittstemperatur im Juli lag bei 19,1 Grad, das sind fast zwei Grad mehr, als im langjährigen Mittel. Und auch die anderen Zahlen sehen besser aus, als gefühlt. Am Flughafen Hannover-Langenhagen haben die Meteorologen insgesamt 54,8 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen, das sind nur 88 Prozent des langjährigen Mittels. Die Sonne schien in Hannover im Juli 202,9 Stunden – das ist etwas mehr als im langjährigen Mittel.

Allerdings gehörte auch das zum Juli 2016: An nur sechs Tagen schien die Sonne länger als zehn Stunden, an neun Tagen nicht einmal vier Stunden. Dennoch blieben die bei Sommergewittern gefürchteten Starkregenfälle aus, berichtet Schwarz. Nur am 27. Juli regnete es mehr als zehn Liter.

Dass die Hannoveraner das Juliwetter nicht in bester Erinnerung haben, liegt vor allem an der Großwetterlage, die schon den Juni dominiert hatte: Eine beständige Hochdruckwetterlage konnte sich über Mitteleuropa nicht aufbauen. Bei geringen Luftdruckgegensätzen und nur wenig Wind stellte sich eine Wetterlage ein, die nur wenigen Menschen Freude macht: Die feuchte Luft zieht nicht ab, steigt auf, bildet Quellwolken, die dann örtlich Schauer brachten, zum Teil auch heftige. Dabei kommt es oft vor, dass die Niederschlagsmengen von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sind. Zum Beispiel kann an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am Flughafen den ganzen Tag die Sonne scheinen, während es an der Wetterstation der Uni in Herrenhausen immer wieder schauert.

Der August brachte keine Besserung. Im Gegenteil: Er startete eher kühl und herbstlich. So sank etwa am 11. August die Temperatur nachts auf 6,9 Grad, am Nachmittag kletterte der Wert gerade einmal auf 15,8 Grad. Das ist nicht nur gefühlt, sondern auch objektiv zu wenig für Sommer. Und es war auch zu wenig für das Maschseefest, das von Ende Juli bis Mitte August dauerte. „Wenn wir von 19 Tagen gefühlt 14 Tage Regen haben, dann ist das nicht so witzig“, sagte Cheforganisator Hans Nolte zum Abschluss des Festes.

Erst als die Freibäder sich schon auf die Winterschließung vorbereiteten und die Hannoveraner die Hoffnung auf schönere Tage längst aufgegeben hatten, brachte Hoch „Gerd“ doch noch den Sommer. Vom 24. bis zum 26. August und am 28. August war es so warm wie noch nie an diesen Tagen seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen in Hannover im Jahr 1936. Aber das war noch nicht alles: Schon jetzt hat der September bis zum gestrigen Herbstanfang die normal übliche Sonnenscheindauer mit mehr als 150 Stunden überschritten. Auch wenn Schwarz den September gar nicht mitrechnet, weil der für die Meteorologen schon zum Herbst zählt, bezeichnet er den Sommer insgesamt als durchschnittlich. Etwas weniger Regen als sonst, und etwas zu warm. Sagt jedenfalls der Meteorologe.

Von Matthias Klein

Die Flaute am Maschsee

Katastrophales Frühjahr: Bootverleiher Hannes Bondesen.

An warmen Tagen ist der Maschsee einer der beliebtesten Ausflugsorte Hannovers. Nicht nur Spaziergänger erfreuen sich an der Wassernähe: Mit dem Ruder-, Paddel- oder Tretboot, mit den Jollen oder dem Optimisten lässt sich auf dem Wasser gelegentlich ein frisches Lüftchen erhaschen. Doch für Hannes Bondesen, Chef der Yachtschule Hannover, lief das Geschäft seines Bootsverleihs eher durchwachsen. „Im April und Mai war es eine absolute Katastrophe“, resümiert er. Bis Mitte Juni haben die Boote nur herumgelegen. „Durch den warmen September haben wir allerdings etwas aufgeholt.“ Besonders beliebt seien dabei in jedem Jahr die Tretboote. „Die Leute denken, das sei einfacher. Dabei sind die Tretboote durch den Widerstand des Mühlrades viel anstrengender zu fahren“, erklärt er. Durch den nochmals hereinbrechenden Spätsommer kann der Verleih nun mit den Zahlen aus dem Vorjahr mithalten. „Allerdings war auch das im Vergleich zu früheren Jahren kein Erfolgsjahr“. Richtig zufriedenstellend klingt das bei Hannes Bondesen nicht. Noch bis zum 9. Oktober können an der Yachtschule Boote ausgeliehen werden. Der Verleih hat von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

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Fünf Tage reichen für die Aufholjagd

Zum Saisonabschluss selbst baden gegangen: Horst Schröder im Annabad.

Insgesamt ist man im Kleefelder Bad zufrieden mit diesem Sommer. „Wir haben bis jetzt 165 000 Besucher gezählt, damit liegen wir sogar ein bisschen über dem Durchschnitt“, sagt Badleiter Horst Schröder. An die früheren Jahre mit 200 000 Badegästen pro Saison komme man ohnehin nicht mehr heran.

Eher mäßig hat der Sommer im Juni begonnen, und auch im August ließ die Hitze lange auf sich warten. „Dann kamen fünf Tage mit Temperaturen über 30 Grad – und alles war aufgeholt“, sagt Schröder. 30 Grad, das ist die magische Marke für Freibadbetreiber. Wird sie überschritten, und das mehrere Tage lang, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. „Wir stocken das Personal auf, öffnen weitere Kassen, und los geht es“, sagt der Bad-Chef. Im September gab es noch einmal mehrere hochsommerliche Tage. Der Polizeisportverein, Betreiber des Bads, entschied sich für eine Verlängerung der Öffnungszeiten.
Selbst jetzt hat das Freibad in Kleefeld noch geöffnet, erst am 3. Oktober ist die Saison endgültig vorbei.

asl

Wenn die Äpfel unreif vom Baum fallen

„Unkraut wächst immer“: Hans Kordts muss in seiner Parzelle in der Döhrener Masch oft gießen.

Für Kleingärtner Hans Kordts ist die Sache klar. „Der Sommer war dieses Jahr zu schlecht und zu trocken“, sagt der 80-Jährige von der Kleingartenkolonie Döhrener Masch. „Die Äpfel fallen schon seit Wochen von den Bäumen, obwohl sie noch gar nicht reif sind“, berichtet Kordts. Das sei ein eindeutiger Hinweis darauf, dass sie im Sommer zu wenig Wasser bekommen hätten. Das Kleingärtnerleben in diesem Sommer bestand vor allem aus Gießen. „Immer wieder mussten wir den Pflanzen Wasser geben“, berichtet er.

Aber den zwei großen Plagen der Kleingärtner, Unkraut und Schnecken, habe die Trockenheit nichts ausgemacht. „Wenn sonst nichts wächst, Unkraut wächst immer“, sagt Kordts. Und die Schnecken hätten offenbar schnell gemerkt, dass die Beete jeden Abend gegossen werden.

Nicht so glücklich waren mit dem Wetter auch die Landwirte. Erst brachte das wechselhafte Wetter im Juni Getreide und Kartoffeln Pflanzenkrankheiten. Dann verzögerten die Temperaturen im Juli und Anfang August die Ernte.

mak

Durchwachsene Saison am Eistresen

Eher Schoko als Zitrone: Alessandro Cesco Cimavilla aus Döhren.

Der September hat noch einiges rausgerissen. „Die Hitze in den vergangenen Wochen hat viel gerettet“, sagt Alessandro Cesco Cimavilla. Der 46-Jährige steht in der Eisdiele La Gelateria am Fiedelerplatz in Döhren und drückt eine Kugel Stracciatella auf die Waffel. Seit 1987 kommt der Italiener in jedem Sommer zum Eisverkauf nach Deutschland, und er hat da so seine Erfahrungswerte: „Wenn’s heiß ist, essen die Leute eher fruchtige, erfrischende Sorten wie Zitrone. Wenn’s wärmer wird, bevorzugen sie Genusssorten wie Schoko. Und Kinder mögen alles, was grün oder blau ist – Hauptsache mit Streußeln.“

Unterm Strich war dieser Sommer eher einer für Schoko als für Zitrone. „Er war so durchwachsen“, sagt Bruno Ballatorre, der Inhaber der Eisdiele: „Richtig gut war das Geschäft nicht, aber so ist das in einer wetterabhängigen Branche nun einmal: Ein Jahr läuft besser, ein anderes schlechter, und am Ende gleicht sich’s aus.“ Voraussichtlich Anfang Oktober schließt die Eisdiele die Pforten. Den Winter über bleibt sie dicht – und Alessandro Cescocimavilla fährt heim in die Dolomiten. Für ein paar Monate. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

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