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Aus der Stadt So will Hannover in Zukunft Staus exakt vorhersagen
Hannover Aus der Stadt So will Hannover in Zukunft Staus exakt vorhersagen
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00:17 24.02.2017
Von Andreas Schinkel
36 Stunden stehen Autofahrer in Hannover pro Jahr laut einer neuen Studie im Stau - so wie hier auf der Frankfurter Allee. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Ist Hannover tatsächlich Deutschlands neuntschlimmste Stau-Stadt, wie der Verkehrsdienstleister Inrix am Montag vorgerechnet hat? Gibt es wirklich zu bestimmten Zeiten kein Durchkommen auf wichtigen Straßen? Die Verkehrsexperten im Rathaus wollen das genauer wissen und haben auf politischen Beschluss einen knapp zwei Millionen Euro teuren Großrechner angeschafft. Der soll so viele Daten über die Verkehrsströme in Hannover sammeln, dass exakte Prognosen für Straßen und Kreuzungen möglich werden. „Unser Ziel ist es, aufgrund der Daten eine Vorhersage für die nächsten 15 bis 30 Minuten zu treffen. Dann können wir steuernd eingreifen“, sagt Andreas Bode, Leiter des Tiefbauamts, im Gespräch mit der HAZ.

Bereits ab 2018/19 soll der Verkehr besser fließen. „Durch unser Verkehrsmanagement werden sich Verbesserungen für die Autofahrer in Hannover ergeben“, verspricht Bode. Zudem will die Stadt mit mobilen Displays die Fahrt zu Veranstaltungen regeln, etwa bei Stadionkonzerten.

Prognosen 30 Minuten im Voraus

Anlass für die erneute Diskussion um Staufallen in der Stadt ist die Inrix-Studie. Der Verkehrsdienstleister hat Verkehrsdaten von 1000 Städten weltweit ausgewertet und errechnet, dass Autofahrer in Hannover 2016 durchschnittlich 36 Stunden im Stau gestanden haben. Das seien 20 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt von 30 Stunden. Gestern legte das Unternehmen Tomtom, Hersteller von Navigationsgeräten, mit einer eigenen Studie nach und kam auf einen noch höheren Stau-Wert für Hannover.

Im Rathaus betrachtet man solche Rechnereien skeptisch. Zum einen zähle meist der viel befahrene und stauanfällige Abschnitt der Autobahn 2 im Norden Hannovers in die Berechnungen hinein und verzerre das Ergebnis. Zum anderen seien die Verkehrsdaten oft ungenau. Das soll sich mit dem neuen Superrechner ändern.

Netzwerk wertet Daten aus

Im Grunde gibt es nicht die eine große Rechenmaschine mit vielen Kabeln und blinkenden Dioden, sondern ein hochkomplexes Netzwerk von Computern. Ein Zentralrechner steht in der Bauverwaltung neben dem Rathaus, weitere acht Computer sind über das Stadtgebiet verteilt. Sie stehen insgesamt mit 500 Kleincomputern in Verbindung, die an jeder Ampel angebracht sind. Der neue Rechner sei bereits im Einsatz, sagt Bode, in einem nächsten Schritt gehe es darum, mithilfe von Verkehrsdaten ein Lagebild zu erzeugen, um den Verkehr gezielter lenken zu können.

Informationen darüber, wo wie viele Autos durchrauschen, bekommt das Rechner-Netzwerk über verschiedene Kanäle. Induktionsschleifen im Asphalt registrieren jedes Fahrzeug. Zudem sind auf nahezu jeder Ampel Videosensoren angebracht, die wie ein Bewegungsmelder funktionieren und Fahrzeugtypen erkennen können. So wird der Ampel (und damit dem Rechner-Netzwerk) gemeldet, ob ein Bus durchfährt oder ein Radfahrer. Auch greift die Stadt auf Staumeldungen zurück, die Verkehrsdienste schon jetzt anbieten. Aus den Datenströmen erstellt der neue Rechner ein Gesamtbild.

Ergebnis könnte dann sein: An einer Kreuzung wird sich in den nächsten 30 Minuten der Verkehr stauen, also müssen die Grünphasen verlängert werden. „Unser Fernziel ist es, Verkehrsdaten und Vorhersagen an Navi-Betreiber weiterzugeben und dadurch zum Beispiel auf alternative Routen hinzuweisen“, sagt Tiefbauamts leiter Bode.

Tomtom: Stauzeit sogar bei 110 Stunden im Jahr

36 Stunden Stauwartezeit im Jahr? Diese Berechnung der Navigationsfirma Inrix vom Montag hat am Dienstag Konkurrent Tomtom deutlich getoppt. Deren Ermittlungen zufolge steht der durchschnittliche Autofahrer in Hannover sogar 110 Stunden im Stau. Damit komme Hannover im Deutschlandvergleich auf Rang sieben – bei Inrix war es Platz neun.

Tomtom schlüsselt die Staufallen detailliert auf. Starke Nerven brauchen Pendler am Dienstagmorgen zwischen 8 und 9 Uhr. Auch am späten Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr wächst die Staugefahr. Entspannter fährt es sich auf Hannovers Straßen nach Angaben der Studie immer freitags. Offenbar arbeiteten viele Arbeitnehmer an dem Tag zuhause.

Stau-Schwerpunkte sind laut Tomtom die Kreuzung Hans-Böckler-Allee/Clausewitzstraße, der Aegi mit der Marienstraße und die Vahrenwalder Straße. Auch entlang der Autobahn 2, besonders auf Höhe Bothfeld, müssen Autofahrer lange Wartezeiten inkauf nehmen. Die Tipps: Pendler sollten häufiger Busse und Bahnen nutzen und Fahrgemeinschaften. bilden Autofahrer sollten auf Verkehrsinformationen reagieren und andere Routen wählen. Am besten: mit Navi. Klar.

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