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So wirkt sich das Flugchaos in Langenhagen aus

Hannover Airport So wirkt sich das Flugchaos in Langenhagen aus

Tuifly-Kunden auf dem Langenhagener Flughafen sind sauer. Manche von ihnen mussten bis zu 30 Stunden ohne verlässliche Informationen im Urlaubsgebiet auf ihren Flieger warten. Die Servicemitarbeiter am Flughafen tun, was sie können - auch wenn sie noch nie so sehr improvisieren mussten. 

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Gestrandet: Viele Urlauber müssen auf dem Langenhagener Flughafen die Ruhe bewahren.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Am Abfertigungsschalter von Air Berlin im Terminal C des Flughafens in Langenhagen hat sich eine Schlange gebildet - kein ungewöhnliches Bild gerade in den Herbstferien, wenn viele noch einmal zum Sonnetanken in den Süden wollen. Zwei Dinge sind aber anders als sonst: Die Stimmung unter den Urlaubern ist nicht aufgekratzt und erwartungsfroh, sondern ziemlich angespannt. Und sie checken auch nicht wie geplant für einen Ferienflug nach Palma de Mallorca ein, sondern für eine Busfahrt zum Flughafen Münster/Osnabrück.

Wegen zahlreicher Krankmeldungen streicht die Fluggesellschaft Tuifly am Freitag, 7. Oktober 2016, alle Flüge. Kunden mussten bereits in den vergangenen Tagen lange an Flughäfen ausharren. 

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Zahlreiche Flüge gestrichen

Flugpassagiere, die mit Tuifly oder dem Partner Air Berlin reisen, erleben derzeit ein Wechselbad der Gefühle. Olivia Mielke und Rolf Kump aus Vechelde beispielsweise sollten eigentlich schon am Mittwoch auf die Baleareninsel fliegen, aber die Maschine hob nicht ab. „Ersatzflug Donnerstag, 16.25 Uhr“, hatte man ihnen gesagt. Als sie gegen 14 Uhr das Terminal betreten, scheint noch alles in Ordnung. Fünf Minuten später klickert es auf der großen Anzeigetafel, und als alles wieder zur Ruhe gekommen ist, erscheint hinter dem Flug nach Palma die Angabe, die nun wirklich keiner lesen wollte: Gestrichen. Es ist Flug Nummer sechs an diesem Tag in Langenhagen, der nicht abgehen kann, weil sich die Bordbesatzungen der Tuifly in großem Umfang krankgemeldet haben.

„Das gibt es nicht. Ich war frohen Mutes, aber Rolf hat schwarzgemalt“, sagt Olivia Mielke. Man kann sagen, dass die beiden mit einiger Geduld gesegnet sind. Sie gehen zum Infostand in Terminal B, wo man ihnen sagt, dass ein Ersatzflieger bereit steht. Allerdings in Münster/Osnabrück, wohin es mit dem Bus gehen soll. Und nur für die ersten 100 in der Warteschlange vor dem Schalter, weil der Bus nicht mehr Plätze hat. „Los, zurück“, sagt Mielke. Die beiden Vechelder hasten durch den langen Verbindungstrakt zurück ins Terminal C und haben Glück. Die Warteschlange ist noch kurz, sie sind drin. Im Bus.

30 Stunden lang keine Informationen

Wie sehr die chaotische Lage bei Tuifly derzeit an den Nerven aller Beteiligten zehrt, schildert per Telefon der hannoversche Fotograf Bernd Günther. Für ihn und seine Familie sollte es mit Tuifly von Heraklion auf der Insel Kreta zurück aus dem Urlaub nach Hannover gehen, und zwar am Mittwoch um 7 Uhr. Man ahnt es: Die Günthers sind gestrandet. Nicht in ihrem Ferienhotel, sondern über Nacht in einer Notherberge in Heraklion. „Die Bedingungen dort waren unterirdisch, von den Zimmern bis zur Verpflegung“, berichtet er. Es habe 30 Stunden lang keinerlei verlässliche Informationen gegeben, wie es weitergehen soll, obwohl Menschen zur Gruppe gehört hätten, die im Rollstuhl sitzen. „Am Mittwoch um 12 Uhr wurden wir dann aus den Zimmern geschmissen, weil die für andere Gestrandete benötigt wurden. Wir saßen auf Treppen und im Foyer“, sagt Günther. Erst später habe man versichert bekommen, dass am frühen Abend ein gechartertes Ersatzflugzeug nach Langenhagen abgehen sollte.

Service

Verbraucherschützer erklären, welche Entschädigungen in Anspruch genommen werden können. Allerdings: Tuifly plädiert auf höhere Gewalt und will seine Kunden nicht entschädigen.

"So eine Situation hatten wir noch nie"

Ausbaden müssen die Malaise vor allem die Tui-Mitarbeiter an der Front, also die an den Serviceschaltern, den Informationshotlines und den Abfertigungen sowie die Reiseleiter vor Ort. Sie bekommen einiges zu hören, aber viele Reisende haben auch Verständnis. „Die haben doch selbst keine vernünftigen Informationen“, sagt Gerda Scholt, deren Mittagsflug nach Rhodos zu den sechs gestrichenen von Langenhagen gehört. Das kann eine Schaltermitarbeiterin, die gerade eine Pause machen darf, nur bestätigen. „Ich bin nicht erst seit gestern dabei, aber so eine Situation, in der ständig improvisiert werden muss und sich alles fast im Minutentakt ändert, hatten wir noch nie“, sagt sie. Es sei bedrückend, ständig in die enttäuschten Gesichter verhinderter Urlauber gucken zu müssen.

Das wenigstens bleibt den Tui-Mitarbeitern erspart, die den Ärger eindämmen müssen, der den Reisekonzern über die sozialen Medien erreicht. Jacqueline Siewert zum Beispiel hat eine 26-stündige Rückreise von Kreta hinter sich, bei der der Flug nicht wie geplant nach Stuttgart ging, sondern nach Köln. Was sie davon hält, hat sie der Tui ausführlich im Internet mitgeteilt; eine der zentralen Formulierungen lautet „zum Kotzen“. Die Antwort der Tui: „Liebe Jaqueline, wir können Deine Situation und Deinen Ärger sehr gut verstehen. So möchte man seinen Urlaub nicht beenden, die Erholung ist dahin (...) Wir können uns nur nochmal für all die Umstände entschuldigen und hoffen, dass Du dich bald von den Strapazen erholt hast.“

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