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Soldaten am Flughafen Langenhagen in Afghanistan-Einsatz gestartet

Mit Marschbefehl Soldaten am Flughafen Langenhagen in Afghanistan-Einsatz gestartet

Kontingentwechsel in Afghanistan: Am Flughafen in Langenhagen sind Soldaten in den Einsatz gestartet. Als sogenannter Leitverband stellt die 1. Panzerdivision den Großteil der rund 10.000 Bundeswehrsoldaten, die in diesem Jahr in den Auslandseinsatz gehen.

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Das Team von Oberfeldwebel Tom R. (Dritter von rechts) will neue Brunnen bohren. Die Soldaten haben darauf bestanden, sich nur gemeinsam am Flughafen in Langenhagen fotografieren zu lassen.

Quelle: Insa Catherine Hagemann

Hannover. Das Ticket nach Afghanistan ist ein schlichter Din-A4-Zettel. Name, Alter, Dienstgrad, Zielort, das ist schon fast alles. „Bitte halten Sie Ihren Nato-Marschbefehl bereit“, ist am Dienstagmorgen auf einem der Bildschirme im Terminal D am Flughafen in Langenhagen zu lesen.

Das Gebäude liegt fernab des touristischen Flughafenrummels zwischen den Parkhäusern und Terminal C. Von außen wirkt es wie eine Lagerhalle, innen herrscht solide Zweckmäßigkeit. Kein Lufthansa-Hochglanz, keine VIP-Lounges. Dafür Billardtische, eine improvisierte Bibliothek aus „Billy“-Regalen und ein fensterloser Raucherraum mit angegilbten Fliesen. Der Terminal wird von der Royal Airforce, der britischen Luftwaffe, betrieben, aber in diesen Tagen starten von hier aus vor allem deutsche Soldaten in den Einsatz nach Afghanistan.

Als sogenannter Leitverband stellt die 1. Panzerdivision den Großteil der rund 10.000 Bundeswehrsoldaten, die in diesem Jahr in den Auslandseinsatz gehen. Der Stab – also die Führung der Division – hat seinen Sitz in der Kurt-Schumacher-Kaserne in Hannover. Im Februar brachen die ersten Soldaten ins Ausland auf, nach sechs Monaten ist ihr Einsatz nun zu Ende. Der Kontingentwechsel hat begonnen und soll bis Ende August abgeschlossen sein. Jetzt gehen vornehmlich Soldaten aus Niedersachsen und vom Panzerbataillon 33 aus Neustadt-Luttmersen nach Afghanistan. An diesem Vormittag sollen 69 Soldaten auf dem Rollfeld in Langenhagen den grauen Airbus der Luftwaffe besteigen. Von Hannover aus geht es nach Köln, dort werden weitere Soldaten zusteigen. Erst dann hebt das Flugzeug in Richtung Usbekistan ab. Von dort geht es in Transall-Maschinen weiter nach Masar-i-Scharif und Kundus.

Für Leutnant B. aus Hannover, 27 Jahre, ist es der erste Einsatz in Afghanistan – und für die meisten der 30 jungen Soldaten, die er dort führen soll, ebenso. Die Panzeraufklärer haben einen schwierigen Auftrag: Sie werden im „OP North“ – einem Außenposten fernab der Feldlager – eingesetzt. Von dort aus sollen sie Patrouillen begleiten und tödliche Gefahren wie Sprengsätze und „Feindkräfte“ rechtzeitig erkennen. „Wir sind das Auge“, sagt Leutnant B. Am Sonnabend war er im Stadion und hat das 96-Spiel gegen Hoffenheim gesehen. „Zum Abschied ein Sieg“, sagt er. Da war das mulmige Gefühl im Bauch verschwunden. Zumindest für einen Augenblick.

Oberstabsarzt N. weiß schon, was ihn am „OP North“ erwartet. „Kein Ort, an dem man ständig sein möchte“, sagt der 35-Jährige. Der Außenposten ist nur durch Stacheldrahtzaun gesichert, geschlafen wird auf Feldbetten, ein warmes Duschbad steht nicht auf der Tagesordnung der Soldaten. Dagegen sind die Feldlager in Masar-i-Scharif und Kundus komfortabel und vor allem sicherer. Der „Doc“ – so steht es auf seinem Namensschild – hat an der Medizinischen Hochschule Hannover studiert, nun geht er das vierte Mal mit der Bundeswehr in den Einsatz. Mit vielen Verletzten und auch Toten hat er in Afghanistan zu tun gehabt. „Dieses Mal wird das nicht anders sein.“

Bei der Verladung des Gepäcks kommt es in Langenhagen zu Platzproblemen. Für die Taschen und Rucksäcke der 70 Soldaten sind drei Container vorgesehen. „Das muss reichen“, sagt Oberleutnant Roger T., der in Hannover für die Planung und Abwicklung der Flüge verantwortlich ist. Das große Gepäck geht schon Wochen vorher auf den Weg, dennoch wird dieses Mal der Platz knapp. „Wir haben Brunnenbauer an Bord“, sagt T. Und die reisen niemals mit kleinem Gepäck. „Wir sind abrufbereit und haben unser wichtigstes Werkzeug immer dabei“, sagt Oberfeldwebel Tom R. Da kommen schnell 200 Kilogramm zusammen. Der 33-Jährige ist einer von insgesamt zwei Brunnenbaumeistern bei der Bundeswehr. „Ich freue mich auf Afghanistan“, sagt er und strahlt. Der Oberfeldwebel und sein Team sollen im Feldlager in Masar-i-Scharif neue Brunnen bohren, jeweils 150 Meter tief. Erfahrung mit dem afghanischen Boden haben sie nicht, die alten Brunnen bohrten noch die Norweger. Nun wird das Wasser, das zutage befördert wird, langsam salzig, und die Herausforderung für die deutschen Brunnenbauer ist groß. „Wir werden mit Gerät arbeiten, das wir noch nie in Afghanistan eingesetzt haben. Es wird wirklich spannend“, sagt Oberfeldwebel R. und klingt dabei ziemlich begeistert.

In der Tat ist die Dimension des Projekts gewaltig: Die Ausrüstung der Brunnenbauer ist seit Wochen in Richtung Afghanistan unterwegs. Über den Landweg transportieren Lastwagen die insgesamt 22 Container an den Hindukusch. Vor Ort werden die Soldaten mit zwei Geologen zusammenarbeiten, und am Ende sollen 14 Kubikmeter Wasser in der Stunde aus den Bohrlöchern sprudeln. „Mal gucken, ob es klappt“, sagt Oberfeldwebel R. Er macht allerdings den Eindruck, als sei das längst eine geritzte Sache. Wo gebohrt wird, muss auch Wasser sein; komme, was wolle.

Oberstabsarzt N. fühlt sich nicht nur für die äußeren Wunden, sondern auch für die Kratzer auf den Seelen der Soldaten zuständig. „Gerade wenn viele junge Soldaten in den Einsatz gehen, spielt das eine Rolle.“ Der 35-Jährige wird unter anderem die Panzeraufklärer auf ihren Fahrten durchs Land begleiten. „Die bekommen viel zu sehen“, sagt er knapp. Angst sei dabei nicht der schlechteste Begleiter. „Solange sie nur der Leichtsinn nicht einholt. Dann wird’s gefährlich.“

Zurück in Afghanistan

Wenn die Soldaten, die Hannover am Dienstag verlassen haben, in Afghanistan eintreffen, stehen sie dort wieder unter dem Kommando von Generalmajor Markus Kneip. Der 55-jährige General aus Hannover ist Kommandeur der 1. Panzerdivision und führt bis Februar 2012 das Regionalkommando Nord der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) mit insgesamt 11.000 Soldaten, darunter rund 5000 Deutsche.

Kneip war bereits im Februar an den Hindukusch aufgebrochen, im Mai musste er nach Deutschland zurückkehren. Bei einem Sprengstoffanschlag im Gouverneurspalast in der Stadt Taloqan wurde der Kommandeur verletzt und wochenlang von den Ärzten des Bundeswehrkrankenhauses in Koblenz behandelt. Zwei seiner engsten Mitarbeiter, der 31-jährige Personenschützer Tobias Lagenstein und der 43-jährige Major Thomas Tholi, kamen bei dem Attentat ums Leben.

Auf Anraten seiner Ärzte verzichtete Generalmajor Kneip darauf, Anfang Juni an der Trauerfeier für die Soldaten in der Epiphaniaskirche im Sahlkamp teilzunehmen. Einen Monat später feierte die 1. Panzerdivision im Stadtpark in Hannover das Sommerbiwak – ohne Kneip.

Am 29. Juli ist der General nun nach Afghanistan zurückgekehrt und hat seinen Dienst als Isaf-Regionalkommandeur wieder aufgenommen. In seinem Zuständigkeitsbereich im Norden des Landes hat sich in der Zwischenzeit viel getan. In der Stadt Masar-i-Scharif haben die Isaf-Kräfte im Juli die Sicherheitsverantwortung an die Einheimischen übergeben. Damit beginnt ein dreieinhalbjähriger Prozess, der 2014 mit dem Abzug der letzten ausländischen Kampftruppen enden soll. Dann sollen die Afghanen im ganzen Land selbst für ihre Sicherheit sorgen können.

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Von Redakteur Vivien-Marie Drews

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