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Aus der Stadt Zwei Mädchen aus der List sitzen in Tunesien fest
Hannover Aus der Stadt Zwei Mädchen aus der List sitzen in Tunesien fest
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00:17 04.09.2016
Von Michael Zgoll
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Hannover

Erst vor wenigen Wochen war ein tunesischer Vater in Hannover zu einer Haftstrafe wegen Kindesentziehung verurteilt worden, jetzt wird am Amtsgericht der nächste Fall verhandelt. Zwei Mädchen, die in der List aufgewachsen sind, leben seit einem Jahr in Tunesien.

Die 36 Jahre alte Mutter versucht verzweifelt, ihre sieben und neun Jahre alten Töchter nach Hannover zu lotsen, hat hier inzwischen auch das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen. Doch der 39-jährige Vater, der im März aus dem Familiengericht heraus verhaftet wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt, stellt sich quer. Amtsrichterin Monika Pinski rang Kais B. am Donnerstag zwar eine Erklärung ab, dass die Kinder nach Deutschland kommen dürfen. Doch weil der Vater ganz eigene Vorstellungen hat, wie das vonstattengehen soll, ist diese Willensbekundung wahrscheinlich nichts wert.

Kennengelernt hatte sich das Paar 2002 bei McDonald’s. Kais B. arbeitete als Vollzeitkraft im Service, sie war Medizinstudentin und jobbte dort. 2004 wurden die beiden ein Paar, 2007 – anlässlich der Geburt der ersten Tochter – hei
rateten sie. Wie B.s Verteidiger Andreas Hahne vortrug, einigte man sich in den Folgejahren auf eine Arbeitsteilung: Der Mann sollte sich um die Mädchen kümmern, die Mutter als Ärztin das Geld verdienen. Seit 2014 habe das Paar die Übersiedlung nach Tunesien geplant, so der Anwalt, im Dorf seiner Familie sei schon ein Grundstück gekauft worden.

Im August 2015 dann reiste B. mit den Mädchen nach Tunesien. Das Ehepaar unterschrieb zuvor bei einem Notar eine gemeinsame Erklärung, wie Verteidiger Hahne sagte. Demnach wollte die Mutter zunächst ihre Facharztausbildung beenden, bekundete aber ihr Einverständnis, dass die Kinder mit ihrem Vater nach Tunesien fahren. Dort, so der Plan, wollte sich die Familie dauerhaft niederlassen.

Die 36-Jährige allerdings spricht davon, dass die Mädchen nur ein halbes Jahr in Tunesien verbringen sollten, um die Heimat ihres Vaters kennenzulernen. In der zweiten Jahreshälfte 2015 fuhr die Fachärztin, die inzwischen in der MHH arbeitet, dreimal nach Nordafrika und besuchte ihre Kinder. Allerdings durfte sie die Mädchen nie im Heimatdorf von B. sehen, wo diese bei dessen Eltern und seiner Schwester leben sollen. Im Februar 2016 begann das Sorgerechtsverfahren, das zugunsten der Mutter entschieden wurde, im März wurde B. in Hannover verhaftet.

Wie der Verteidiger sagte, habe die Ehefrau von B. in ihrer Klinik eine „Außenbeziehung“ zu einem Kollegen begonnen. Ob das stimmt, ist unklar, spielt für die juristische Würdigung des Falls aber auch keine Rolle. Fest steht, dass die zwei Kinder in Tunesien festsitzen und das Land ohne Zustimmung ihres Vaters nicht verlassen dürfen.

Kais B. sagt, er wolle selbst in seine Heimat fahren und die Mädchen fragen, wo sie leben wollen. Seiner Meinung nach geht es ihnen dort besser als in Deutschland. „Die Kinder sind noch viel zu jung, um das selbst zu entscheiden“, stellte Richterin Pinski demgegenüber klar. Abgesehen davon habe die Mutter das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommen, und das sei das Entscheidende. Der Staatsanwalt verwies auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Tunesien. Nach aktuellen Statistiken liegt diese bei über 30 Prozent, bei Akademikern und Frauen noch weit darüber.

Für die Mutter, so heißt es, könne es nach der Inhaftierung ihres Mannes gefährlich sein, nach Tunesien zu reisen. Nach dortigem Recht hat der Mann das Sorgerecht für seine Kinder. In Deutschland drohen B. bei einer Verurteilung wegen Kindesentziehung bis zu fünf Jahre Gefängnis. „Es ist gut möglich, dass der Vater unnachgiebig bleibt, um seinen Verwandten gegenüber nicht das Gesicht zu verlieren“, sagte der Staatsanwalt. Die Mutter hat die Scheidung eingereicht, hofft aber sehnlichst, dass ihr Partner zur Besinnung kommt. Im September sind weitere Gerichtstermine anberaumt – Ausgang völlig ungewiss.

Immer weniger Asylbewerber kommen nach Hannover. Daher wird das Unterbringungskonzept überarbeitet. Alle großen Notunterkünfte werden aufgegeben. Möglicherweise werden frühere Bauvorhaben zurückgestellt. Weil das Land noch nicht sage, wie die neue Quote für Kommunen aussehe, wolle man „keine voreilige Entscheidung treffen“. 

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