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Was ist Ihr Plan, Frau Beckedorf?

Neue Sozialdezernentin im HAZ-Interview Was ist Ihr Plan, Frau Beckedorf?

Nach 22 Jahren gibt es erstmals einen Wechsel an der Spitze des hannoverschen Sozialdezernats: Konstanze Beckedorf will einen Masterplan zur Integration von Flüchtlingen entwerfen – und verteidigt im HAZ-Interview die Neustrukturierung ihres Ressorts im Rathaus.

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„Dass ich ein verändertes Dezernat übernommen habe, passt gut zum Neuanfang“: Konstanze Beckedorf.

Quelle: Hagemann

Hannover . Frau Beckedorf, Sie sind seit drei Wochen Hannovers neue Sozial- und Sportdezernentin. Ihr Ressort ist deutlich größer als die gesamte Gemeindeverwaltung der Wedemark, für die Sie zuvor als Dezernentin tätig waren. Wie finden Sie sich jetzt zurecht?
Um eines klarzustellen: Bei der Methodik und der Herangehensweise an Themen gibt es keine Unterschiede zwischen einer großen und einer kleinen Verwaltung. Zwar kenne ich hier in Hannover nicht mehr jeden Bauhofmitarbeiter, aber die Arbeitsmechanismen bleiben dieselben.

Zur Person

Seit dem 1. März ist Konstanze Beckedorf Sozial- und Sportdezernentin der Stadt Hannover. 37 von 58 Ratsmitgliedern stimmten für die Wedemärkerin. Sie ist für zunächst acht Jahre gewählt.

Die 55-Jährige gebürtige Hannoveranerin hat das Ratsgymnasium besucht, später Jura studiert und zunächst für das Rechtsamt in Lüneburg gearbeitet. Von dort aus wechselte sie als Sozialdezernentin zur Gemeinde Wedemark. Dort wurde sie einmal wiedergewählt. Insgesamt war sie in der Wedemark zehn Jahre im Amt, bevor sie sich auf den Posten nach Hannover bewarb. Der wurde frei, weil Vorgänger Thomas Walter (CDU) sich nach 22-jähriger Amtszeit nicht auf eine Verlängerung beworben hatte – er hatte sich über einen geplanten Neuzuschnitt des hannoverschen Sozialdezernats geärgert.

Beckedorf ist verheiratet mit Reinhard Schmalz, der in der niedersächsischen Staatskanzlei arbeitet. Beide haben zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Die neue Sozialdezernentin hat angekündigt, ihren Wohnsitz nach Hannover zu verlegen. Eine besondere Stadtteilpräferenz gebe es nicht, sagt sie – wichtig seien ihr aber kurze Wege und eine gute Infrastruktur. Sie wolle die Suche aber nicht übereilen.

Sie treten in Hannover als Sozialdezernentin in große Fußstapfen. Ihr Vorgänger, Thomas Walter, war ein überregional geachteter Experte. Wie gehen Sie mit dem Erbe um?
Thomas Walter hat die Sozialpolitik Hannovers viele Jahre lang maßgeblich geprägt, und dabei das Sozialdezernat in seiner bisherigen Form hervorragend aufgestellt. Diese Ära ist nun formal beendet. Ich habe nicht vor, in Walters Fußstapfen zu treten, ich werde meine eigene Spur ziehen. Dass ich  ein verändertes Dezernat übernommen habe, passt mit diesem Neuanfang sehr gut zusammen.

Die großen Bereiche Kinderbetreuung und Jugendhilfe wurden dem Bildungsdezernat einverleibt. Manche Ratspolitiker sehen Ihr Ressort nur noch als „Rumpfdezernat“.
Das ist falsch. Das Sozialdezernat erfüllt weiterhin sehr wichtige Aufgaben, denken Sie nur an den großen Bereich der Integration von Flüchtlingen. Die Kinderbetreuung und das Jugendamt dem Bildungsdezernat zuzuordnen, ist inzwischen in vielen Kommunen üblich. Dahinter steckt der Gedanke einer lebenslangen Bildungsbiografie, die es von einer Verwaltung zu begleiten gilt.

Sie gehören derzeit keiner Partei an, waren aber zwei Mal Mitglied der CDU. Was hat Sie bewogen, zwei Mal ein- und auszutreten?
Das waren sehr persönliche Gründe, die etwas mit meiner Überzeugung tun haben.

Es entstand damals der Eindruck, dass Sie nach einem Wechsel der politischen Mehrheiten aus der CDU ausgetreten waren, um von der rot-grünen Mehrheit wiedergewählt zu werden …
Ich kann Ihnen versichern, dass mein Austritt aus der CDU nicht mit meiner Wiederwahl als Dezernentin in der Wedemark zusammenhing. Wie gesagt, hatte ich persönliche Gründe.

Konstanze Beckedorf (r.) im Gespräch mit HAZ-Redakteuren Hannah Suppa (v.l.), Andreas Schinkel und Conrad von Meding.

Quelle: Hagemann

Sie wollen eigene Akzente setzen. Welche fünf Schwerpunkte setzen Sie sich denn als Sozialdezernentin?
Die größte Herausforderung ist sicher die Integration von Flüchtlingen – wenn Sie wollen, können Sie das den ersten Schwerpunkt nennen. Da ich auch Sportdezernentin bin, gehört als zweiter Akzent die Förderung des Sports in Hannover zu meinen weiteren Schwerpunkten. Zudem will ich – drittens – das ehrenamtliche Engagement stärken und mich viertens um eine „alter(n)sgerechte“ Quartiersentwicklung kümmern. Das bedeutet unter anderem Pflegeangebote und andere Infrastruktur für Seniorinnen und Senioren in den Stadtteilen wohnortnah zu schaffen. Und schließlich als Nummer fünf: Bereits in der Wedemark habe ich mich für Menschen mit Behinderung eingesetzt. In Hannover will ich dazu beitragen, dass der erste Arbeitsmarkt  ihnen  ausreichend Möglichkeit bietet, die ihren Qualifikationen entsprechen und so ein unabhängiges, selbstbestimmtes Erwerbsleben garantieren.  

Bleiben wir beim Thema Integration von Flüchtlingen. Hand auf’s Herz: Schafft Hannover das?
Ich möchte mir nicht die Worte von Kanzlerin Angela Merkel – „Wir schaffen das“ – zu eigen machen. Die Kommunen sind das letzte Glied in der Kette; wir machen die Hauptarbeit der Unterbringung und der Integration. Entscheidend ist, dass das geordnet und zeitnah von Bund und Land finanziert wird.

Fühlen Sie sich als Vertreterin der Stadt Hannover von Bund und Land allein gelassen?
Nein, aber unsere Kosten müssen ersetzt werden. Da gibt es Verbesserungsbedarf.

Sie haben angekündigt, mehr Integrationsmanager einzustellen. Wie müssen wir uns deren Arbeit vorstellen?
Mit unseren jetzt 44 Integrationsmanagern haben wir ein Alleinstellungsmerkmal unter den deutschen Kommunen. Die Sozialarbeiter leisten Hilfe in den Flüchtlingsunterkünften. Sie ergänzen die Arbeit der Organisationen, die die Unterkünfte betreiben. Zu den Aufgaben der Integrationsmanager gehört, Flüchtlinge bei Behördengängen zu begleiten, nach Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen, Praktika und Ausbildungen zu vermitteln.

Dennoch scheinen die Aufgaben nicht klar umrissen zu sein. Warum sonst formulieren Sie erst jetzt „Standards“ für das Integrationsmanagement?
Wir haben im vergangenen Jahr einfach mit der Arbeit begonnen, weil der Bedarf sehr groß war. Jetzt geht es darum, einen Masterplan für die Integration zu entwerfen, der alle Dezernate einbindet. Wir werden das Konzept in den kommenden Monaten vorstellen.

Manche Bürger befürchten, dass für Flüchtlinge sehr viel getan wird, aber andere Bedürftige aus den Augen geraten.
Dem ist nicht so. Hannover ist eine sehr soziale Stadt. Unser Anspruch ist, soziales Ungleichgewicht zu vermeiden und allen, denen es nicht so gut geht, bestmöglich zu helfen.

Hätten Sie genug Platz in Ihren Einrichtungen, wenn sich alle Obdachlosen entscheiden würden, städtische Unterkünfte aufzusuchen?
Es ist schwierig einzuschätzen, wie viele Menschen wirklich obdachlos in Hannover leben. Wer nicht von uns untergebracht ist, kann nicht statistisch erfasst werden. Es gibt aber Menschen, die nicht in Unterkünften übernachten wollen. Grundsätzlich muss niemand ohne ein Dach über dem Kopf leben. Wenn wir nicht genug Kapazitäten hätten, müssten wir sie schaffen.

Kommen wir zum Aufgabenbereich Sport. Ihre Vorgänger haben stets betont, dass Hannover eine Sportstadt sei. Das sagt sich leicht, aber was tut die Verwaltung eigentlich dafür?
Wir schaffen gute Rahmenbedingungen für den Sport. Die Ausstattung mit Plätzen und Hallen ist schon sehr gut. Wir arbeiten mit den Vereinen und dem Stadtsportbund zusammen und geben Impulse. Ein wichtiges Thema ist für mich die Integration durch den Sport. Da wären wir wieder bei den Flüchtlingen.

Der Zustand mancher Bezirksportanlagen lässt zu wünschen übrig. Auch die Schwimmbäder sind marode. Muss die Stadt nicht mehr Geld investieren?
Das tun wir bereits. Denken Sie nur an das Sanierungspaket für Hannovers Bäder über mehr als 40 Millionen Euro. Gerade lassen wir prüfen, ob das Misburger Bad und das Fössebad komplett saniert oder neu errichtet werden.

Beim baufälligen Misburger Bad kommen auf die Stadt immense Kosten zu. Stehen Ihnen zähe Verhandlungen mit dem Kämmerer bevor?
Solche Verhandlungen sind selbstverständlich; sie gehören zu unserer Arbeit.

Welchen Sport betreibt eigentlich die Sportdezernentin?
Als ich mehr Zeit hatte, bin ich viele Jahre zusammen mit meiner Tochter geritten. Im Urlaub wandere ich gern.

Und Hannover 96?
Erst-Liga-Sport ist wichtig für Hannover. Falls 96 absteigt, wünsche ich mir einen schnellen Wiederaufstieg.

Interview: Andreas Schinkel, Hannah Suppa und Conrad von Meding

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