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Aus der Stadt Sozialticket bringt Öffis in der Region Hannover kaum neue Kunden
Hannover Aus der Stadt Sozialticket bringt Öffis in der Region Hannover kaum neue Kunden
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09:50 16.11.2010
Von Bernd Haase
Am Display der Fahrscheinautomaten gibt es seit rund einem Jahr das Feld "Sozialticket". Quelle: Ralf Decker

Das vor einem Jahr von der Region eingeführte Sozialticket hat dem öffentlichen Bus- und Bahnverkehr kaum Neukunden gebracht. Andererseits sind diejenigen, die es nutzen, überwiegend sowohl mit dem Preis als auch mit den Modalitäten zufrieden. Diese Ergebnisse stehen in einer Evaluation, die die Region durchgeführt hat und die unter anderem dazu dienen soll, mögliche Schwachstellen auszugleichen. Experten empfehlen der Region, eine spezielle Monatskarte für Bedürftige einzuführen.

Mit dem Sozialticket hatten SPD und Grüne nach langem Hin und Her und gegen Widerstände auch aus der Verwaltung ein Wahlversprechen eingelöst. Herausgekommen ist ein Modell, bei dem Inhaber des Hannover-Aktiv-Passes oder einer speziellen Region-S-Karte eine Wertmarke erwerben können. Die wiederum berechtigt dazu, Einzel- als Tagesfahrscheine zu nutzen. Nach Angaben der Region hätten theoretisch rund 140.000 Bedürftige Anspruch auf das Sozialticket. Seit Oktober vergangenen Jahres haben monatlich im Schnitt 10.300 von ihnen eine Wertmarke gekauft. Das entspricht den zuvor gehegten Erwartungen und führt dazu, dass die Region nicht mehr als zwei Millionen Euro an Subventionen zubuttern muss.

Die Erhebung fußt zum einen auf Expertenworkshops, zum anderen auf Befragungen. Dabei ist herausgekommen, dass nur drei Prozent der Nutzer Neukunden sind. Ein Prozent war nach eigenen Angaben zuvor schwarz gefahren. Zwei Drittel der Befragten lobten das Sozialticket pauschal. Ebenfalls 66 Prozent sagten, es brächte ihnen eine Ersparnis. Jeweils 26 kritisierten die Kosten und die komplizierte Nutzung.

Experten sehen Zusammenhänge zwischen den relativ geringen Nutzerzahlen und dem Fehlen eines Monatsfahrscheines im Angebot. Dieser solle ihren Ratschlägen zufolge höchstens 16 Euro kosten, was dem in den Hartz-IV-Regelsätzen festgelegten Betrag für Mobilität entspricht. Vor allem die Fraktion der Linken in der Regionsversammlung hatte stets auf eine Monatskarte beim Sozialticket gedrungen. Zweite wichtige Empfehlung aus den Workshops: Die Wertmarke sollte ersatzlos entfallen. Sie sei zu teuer und würde das gesamte Verfahren zu kompliziert machen.

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Die Displays der Fahrscheinautomaten im Großraum-Verkehr Hannover (GVH) sind um eine Funktion erweitert worden. Auf den Bildschirmen kann von Montag an das Feld „Sozialticket“ gedrückt werden, um hier sowohl die monatliche Wertmarke für vier Euro als auch die Tagestickets zu kaufen, die einkommensschwache Bewohner zum Preis eines Einzelfahrscheins erwerben können.

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