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Spanische Krankenpfleger an der MHH ¡Viva Hannover!

Die arbeitslosen Krankenpfleger Maria und Javier aus Spanien suchen an der MHH ihr Glück – und müssen nicht nur Sprachhürden überwinden.

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Maria Meseguer Sandoval und Javier García Sálz arbeiten in der MHH.

Quelle: von Dithfurt

Hannover. Nur mit dem Wetter kann sich Maria nicht so richtig anfreunden. „Wir haben in Spanien so viel Sonne“, sagte die 21-Jährige, die mit komplettem Namen Maria Meseguer Sandoval heißt. Diese Woche hat Maria Spätdienst auf ihrer Station, der Kardiologie. Zuständig ist sie für die Zimmer 1 bis 3. „Ich mache das, was alle machen“, erzählt Maria. Dazu gehört es zum Beispiel, die Medikamente für die Patienten zusammenzustellen oder das Mittagessen auf der Herzstation zu verteilen.

Ein Audiogruß von Maria Meseguer Sandoval

Vor etwas mehr als drei Monaten ist sie mit 17 anderen jungen Pflegekräften aus der Gegend um Murcia im Südwesten Spaniens an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) gekommen. Zwar gibt es an der MHH noch keine akute Not bei den Pflegekräften. Aber in der Region Hannover fehlen nach Schätzungen der Arbeitsagentur 6000 Fachkräfte im Pflegebereich. Gleichzeitig gibt es in Spanien sehr gut ausgebildete Menschen, die dort keine Arbeit finden. Die jungen Spanier an der MHH haben in ihrer Heimat Krankenpflege studiert und einen Bachelor in der Tasche. Deshalb kam die MHH auf die Idee, junge Spanier hierher zu holen. Zunächst haben sie Zwei-Jahres-Verträge erhalten.

Nachdem die Spanier in Hannover sogar von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen empfangen worden waren, haben die 15 Frauen und drei Männer zunächst einmal Deutsch gepaukt. Aber seit einigen Wochen arbeiten sie – die jungen Leute sind in die normalen Dienste des Pflegepersonals eingebunden. „Ich habe noch viele Fragen bei der Arbeit“, berichtet Maria. Bei ihren Praktika während des Studiums habe sie noch nie in der Kardiologie gearbeitet. Aber auch an die andere Arbeitsweise in den deutschen Kliniken müsse sie sich noch gewöhnen. „Anders als in Spanien haben wir hier viel mehr Kontakt zu den Patienten“, berichtet sie.

Und dann kommt noch das Sprachproblem hinzu, mit dem Javier García Sálz ganz schön zu tun hat. „Die deutsche Sprache ist für uns sehr schwer“, berichtet der 24-Jährige, der in der Neurochirurgie arbeitet. „Manchmal haben Patienten Fragen, die ich nicht beantworten kann“, berichtet er. Dann wende er sich an einen Kollegen. Aber Javier ist eifrig am Lernen, zwei- bis dreimal pro Woche sitzt er vor seinem Stationsdienst im Deutschkursus.

Ein Audiogruß von Javier García Sálz

Javier Garcia Salz 446,63 kB

Wegen des Verständigungsproblems habe es am Anfang bei anderen MHH-Mitarbeitern den Eindruck gegeben, dass die jungen Spanier manche Sachen, die sie für ihren Beruf brauchen, gar nicht können, berichtet Carola Freidank. Sie betreut die spanischen Pflegekräfte. „Da musste ich Überzeugungsarbeit leisten“, betont die Mitarbeiterin der Krankenpflegeschule der MHH.

Ein anderes Problem sei die derzeit noch fehlende Anerkennung des spanischen Abschlusses durch die deutschen Behörden. „Viele Dinge, die die spanischen Pflegekräfte tun, müssen dann aus rechtlichen Gründen von Kollegen noch einmal kontrolliert werden“, erläutert Freidank. Das kratze natürlich am Selbstbewusstsein. Aber in den nächsten Tagen sollen die MHH-Spanier ihre offizielle Anerkennung als Krankenpfleger erhalten.

Trotz der Probleme würde sich Freidank wieder für spanische Pflegekräfte an der MHH einsetzen. Vielleicht müssten sie sich für die Sprachkurse im Vorfeld noch mehr Zeit nehmen. Außerdem will sie sich dann für eine bessere Vorbereitung der Stationen auf ihre neuen Mitarbeiter einsetzen. Von den 18, die im August angefangen haben, sind 17 geblieben. „Einer ist wieder zurück nach Murcia“, berichtet Freidank. Er habe sich in Hannover einfach nicht wohl gefühlt.

Die anderen sind dabei, sich in Hannover einzuleben, auch wenn Arbeit und Sprachkursus an einem Tag manchmal ganz schön viel sind. Eine unerwartete Hürde waren auch die Kosten für die Wohnungseinrichtung. „In Spanien sind die Wohnungen möbliert“, sagt Maria. „Hier mussten wir die ganzen Möbel selbst kaufen.“

Maria geht einmal in der Woche zum Volleyball und findet dadurch deutsche Freunde. Javier lobt Hannover als die „Stadt der Kneipen, der Kunst und des Fußballs“. Allerdings ist er bei der derzeitigen Spielweise von Hannover 96 noch kein Fan geworden. Die spanischen Mannschaften seien besser, vor allem sein Heimatverein Real Murcia, sagt er. „Hannover 96 hat tolle Fans, aber die Mannschaft ist ein bisschen schlecht.“

Eignungstest für Seniorenheime

Auch die Tegeler-Gruppe, die in der Region mehrere Seniorenheime betreibt, sucht Pflegekräfte im Ausland. Das Unternehmen konzentriert seine Bemühungen auf Rumänien, von dort stammt die Ehefrau des geschäftsführenden Gesellschafters, Jens Tegeler. Auf eine Zeitungsanzeige hatten sich etliche Bewerber gemeldet. Es hat bereits Vorstellungsgespräche gegeben, die ersten zehn Altenpfleger haben auch schon ihre Verträge unterzeichnet.
Der Altenheimbetreiber hilft bei der Wohnungssuche, nach dem Umzug folgt zunächst ein halbes Jahr intensiver Deutschunterricht, finanziert vom neuen Arbeitgeber. Wer dann den Eignungstest besteht, kann als examinierte Fachkraft arbeiten.  mak

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