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Zara baut früheres Otto-Werner-Gebäude um

Fassade mit Vergangenheit Zara baut früheres Otto-Werner-Gebäude um

Eine Fassade mit Vergangenheit: Die spanische Modekette Zara baut das frühere Otto-Werner-Gebäude im großen Stil um. Der Laden, der seit 2001 in dem Haus residiert, bleibt voraussichtlich bis September geschlossen.

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Eingerüstet: Bis September wird die Zara-Filiale aufwendig umgebaut.

Quelle: Benne

Hannover . Heute würde jeder Werbetexter für so einen Slogan gefeuert. Im Jahr 1913 jedoch passte der Reklamespruch wohl ganz gut zum Geist der Zeit: „Was der Jüngling, der Mann, der Sportsmann, der Jäger und der Tourist braucht, ist im Angebot“, versprach das Kaufhaus Elsbach & Frank damals seinen Kunden. Der Laden, spezialisiert auf Herren- und Knabenkleidung, lief gut: Erst im Jahr zuvor hatten die Eigentümer Ferdinand Elsbach und Julius Frank in der Großen Packhofstraße einen prachtvollen Neubau errichten lassen. Dessen abgerundete Ecke wurde zum Markenzeichen des Gebäudes – auch, als später für viele Jahre das Kaufhaus Otto Werner einzog.

Derzeit ist die bemerkenswerte Fassade hinter einem riesigen Gerüst verschwunden. Die spanische Modekette Zara, die seit 2001 in dem Haus residiert, baut die Filiale im großen Stil um; der Laden bleibt voraussichtlich bis September geschlossen. „Ich hoffe, dass das Gebäude behutsam verschönert wird“, sagt die Historikerin Edel Sheridan-Quantz: „Zara ist das einzige Kaufhausgebäude in der City, dessen Vorkriegsfassade bis heute erhalten ist.“
Die meisten Warenhäuser seien im Bombenkrieg vernichtet worden, sagt Sheridan-Quantz, die die Geschichte von Hannovers Kaufhäusern eingehend erforscht hat. Der heutige Zara-Bau brannte 1943 zwar aus, doch die Fassade aus Bentheimer Sandstein, geschaffen vom Architekten Rudolf Friedrichs, blieb stehen – samt Schmuckelementen wie Putten und Weinranken. Nur die großen Standbilder des Bildhauers Ludwig Vierthaler sind aus dem Eingangsbereich verschwunden.

Wegen eines aufwendigem Umbaus schließt die spanische Modekette Zara ihre Filiale im früheren Otto-Werner-Gebäude für mehrere Monate. Das Gebäude gilt als eine Besonderheit in Hannover. Ein Rückblick.

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„Die großen, breiten Pfeiler wechseln  sich mit vertikalen Feldern ab – die Fassade ist typisch für Kaufhäuser im Stil der Reformarchitektur“, sagt der Bauhistoriker Sid Auffarth. Der Sandstein solle Solidität signalisieren. „Diese Fassade ist eine Besonderheit in der Stadt“, sagt Auffarth: „Neuere Kaufhausfassaden sind oft eher gesichtslos.“

Als die Kaufleute Elsbach und Frank das Haus 1912 errichteten, war der Bau Teil einer aufstrebenden Einkaufsmeile. An der Ecke zur Osterstraße hatte 1896 das Warenhaus Sternheim & Emanuel eröffnet. An der Seilwinderstraße (heute Galeria Kaufhof) stand das Kaufhaus Molling. Im Jahr 1905 ließ Bormaß & Co. an der Großen Packhofstraße sogar zehn Häuser abreißen, um einen Shopping-Tempel im Jugendstil zu errichten.

Die Massenproduktion von Waren, der globalisierte Handel und die neue  Stahlbetonbauweise veränderten das Gesicht der City. Die neuen Kaufhäuser waren mit Zentralheizung, elektrischen Fahrstühlen und Leuchtreklamen ausgestattet – und trugen so den Lifestyle der Moderne in die Stadt. „Eine Fülle von Ware bietet sich dem Auge dar, leuchtendes Farbengewirr“, schrieb Hermann Löns 1909, „ein buntes Durcheinander von Käufern wogt hin und her.“
Die neuartigen Kaufhäuser waren auf mehreren Etagen in Abteilungen gegliedert. Kunden durften hier zwischen den Waren flanieren. „Die Preise waren klar ausgeschildert und nicht verhandelbar“, sagt Sheridan-Quantz. Sonst war vielerorts Feilschen noch üblich, und Preisschilder waren so chiffriert, dass nur Verkäufer sie lesen konnten.

"Besonderheit der Stadt"

Im Jahr 1932 übernahmen Otto Werner und sein Neffe Werner Sauerland das jüdische Geschäft Elsbach & Frank. Eine „Arisierung“ war das nicht. „Das Kaufhaus war infolge der Weltwirtschaftskrise in Konkurs gegangen“, sagt Sheridan-Quantz. Das Bekleidungshaus Otto Werner avancierte zum Traditionsbetrieb: Generationen von Hannoveranern deckten sich dort mit Mänteln, Jacken oder Blusen ein. Der Wiederaufbau des ausgebrannten Kaufhauses begann noch während des Krieges. Damals musste das Gebäude 19 Untermieter aufnehmen. Außer Kleidung gab es dort auch Brillen, Uhren, Verbandsstoffe oder Eheringe zu kaufen.

Noch 1991 ließ Werner Sauerland, der gleichnamige Sohn des Firmengründers, die Fassade für einen Millionenbetrag renovieren – als Beitrag zur 750-Jahr-Feier der Stadt. Bald danach begannen die Probleme: Otto Werner hatte es zunehmend schwer, sich auf dem umkämpften Markt zu behaupten. Sauerland, der die Geschäftsführung 1985 von seinem Vater übernommen hatte, setzte auf „Erlebniseinkaufen“ – doch das Konzept ging nicht auf. Überall verdrängten große Ketten alteingesessene Familienbetriebe, Otto Werner verlor seine Stammkundschaft. Als die Firma 2001 schließen musste, hatte sie an sechs Standorten noch 170 Mitarbeiter. Zehn Jahre zuvor waren es noch 350 gewesen.
Noch im gleichen Jahr zog Zara in das Traditionshaus: Amancio Ortega, der Gründer der spanischen Modekette, gilt als reichster Mann Europas. Am alten Otto-Werner-Standort wurde er nun auch noch zum Hüter der vielleicht schönsten Fassade in Hannovers City. Der mit der runden Ecke.

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