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Spargelstechen für 8,50 Euro

Bauern fürchten den Mindestlohn Spargelstechen für 8,50 Euro

Der deutsche Bauernverband warnt vor höheren Preisen durch den Mindestlohn. Die Erzeuger aus der Region glauben das nicht.

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Ohne Saisonarbeiter wie hier bei Landwirt Heuer in Fuhrberg wäre es schwierig, Spargel aus heimischem Anbau auf den Tisch zu bringen.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Spargel gibt es in der Region seit Mitte März, jetzt kommen die ersten Erdbeeren von heimischen Feldern auf den Markt - „so früh wie nie zuvor“, sagt Landwirt Hartmut Meyer vom Erdbeerhof im Laatzener Ortsteil Gleidingen. Wenn die Witterung das hält, was sie bisher versprochen hat, erwartet er ein richtig gutes Erdbeerjahr. Wie das nächste für die Spargel- und Erdbeerbauern wird, hängt jedoch nicht nur vom Wetter ab, sondern auch davon, was der Bundestag zum Thema Mindestlohn beschließt. Die geplanten 8,50 Euro würden bei den Erzeugern die Kosten steigen lassen - und als Folge möglicherweise auch die Preise, die die Verbraucher in den Hofläden und an den Obst- und Gemüseständen zahlen müssen.

Beim Deutschen Bauernverband hat man schon einmal gerechnet. Um bis zu 30 Prozent, so prognostizieren Experten, könnte ein Mindestlohn den Preis für das Kilo Spargel oder Erdbeeren treiben. Carl Dohme, Geschäftsführer beim Landvolkkreisverband Hannover, hält das für ein realistisches Szenario, was die Kostenseite angeht. Bei den Preisen hat er Zweifel. Die teilt Jörg Heuer, der mittlerweile auf 100 Hektar Feldfläche rund um Burgwedel-Fuhrberg Spargel anbaut und damit der größte seiner Zunft im Raum Hannover ist. „Die Erntekosten sind bei uns der größte Kostenblock. Sie würden auf einen Schlag spürbar wachsen. Die Frage ist aber, ob wir das einfach so an die Kunden weiterreichen können“, sagt Heuer.

Wenn Haupterntezeit ist, beschäftigt Heuer bis zu 400 Saisonarbeiter. Rund 250 davon kommen aus Rumänien und Polen angereist und bücken sich über die Dämme auf den Spargelfeldern. Der Rest arbeitet in der Gastronomie in Heuers Zeltrestaurant, im Verkauf oder in der Auslieferung. „Es ist nicht so, dass wir schlechte Löhne bieten. Sonst würden die Osteuropäer nicht jedes Jahr wieder zu uns kommen“, sagt Jörg Heuer. 7 Euro in der Stunde zahlt er, allerdings können die Spargelstecher es im Akkord auf mehr als 10 Euro bringen. „Beim Mindestlohn vergleicht man Äpfel mit Birnen“, findet Heuer. Er sei dazu gedacht, dass Leute auskömmlich von einer dauerhaften Arbeitsstelle leben können, obwohl sie Steuern und Abgaben zahlen. „Erntehelfer kommen für zwei Monate und verdienen brutto für netto.“

Hartmut Meyer mit seinen Erdbeeren sieht die Dinge ähnlich wie Heuer. „Auch bei uns würden die Kosten steigen, aber wie es mit den Preisen aussieht, ist die große Frage“, sagt er. Weil er auch frühe und späte Sorten im Programm hat, dauert bei ihm die Erdbeersaison von Anfang Mai bis zum November. „Trotzdem müssen wir die Ware frisch auf den Markt bringen. Erdbeeren kann man nun mal nicht einlagern“, sagt er. Damit das funktioniert, beschäftigt er bis zu 150 Saisonarbeiter. Meyer verweist auf das Nachbarland Frankreich, wo es den Mindestlohn schon länger gibt. „Dort ist der Sonderkultursektor zusammengebrochen. Die Franzosen müssen Erdbeeren, Heidelbeeren und Spargel mittlerweile aus Nachbarländern holen.“

Keine Auswirkungen erwartet hingegen Gustav Eggers, der in Langenhagen-Krähenwinkel Erdbeeren und Spargel anbaut. „Unsere Saisonarbeiter liegen netto jetzt schon über 8,50 Euro - vor allem, wenn man Unterkunft, Verpflegung, Strom und Wasser einrechnet“, sagt er. Allerdings ist Eggers mit seinen zwei Hektar Spargelfläche im Vergleich zu Heuer eher ein Winzling, der mit 20 Saisonarbeitern auskommt.

Sowohl Meyer als auch Eggers bieten auf ihren Feldern Erdbeeren zum Selbstpflücken an. Das hat für die Kunden mehrere Vorteile - unter anderem den, dass sie sich um eine Mindestlohndebatte keine Gedanken machen müssen.

Mindestlohn wird 2015 Gesetz

Der gesetzlich vorgeschriebene flächendeckende Mindestlohn war eines der wichtigsten Wahlkampfthemen der SPD und eines der ersten großen Projekte, die die Große Koalition in einen Gesetzestext gegossen hat. Das Bundeskabinett hat den Entwurf am 2. April verabschiedet, der Bundestag soll am 4. Juli endgültig beschließen.

Großartige Änderungen am Entwurf sind nicht zu erwarten. Damit wird vom 1. Januar 2015 an ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde festgelegt – bisher gibt es den nur in einzelnen Branchen. Für bestimmte Bereiche wie das Taxigewerbe sind Übergangsregelungen vorgesehen, die längstens bis Ende 2016 laufen. Keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben Auszubildende, Ehrenamtliche, Praktikanten, deren Praktikum Pflicht für Berufsausbildung oder Studienabschluss ist, Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten ihres neuen Jobs sowie Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

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