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Laura will die 30. Medaille

Special Olympics in Hannover Laura will die 30. Medaille

Am Montag starten die Special Olympics in Hannover. Die Schwimmerin Laura Hardy, das Gesicht der Spiele, will bei den Wettkämpfen vor allem eines: die 30. Medaille in ihrer erfolgreichen Karriere gewinnen.

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Man kennt sie auch ohne Badekappe: Die Schwimmerin Laura Hardy ist das Gesicht der Special Olympics in Hannover. 

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Mit einem sauberen Kopfsprung taucht Laura Hardy ins Wasser ein. 50 Meter Brustschwimmen liegen vor ihr. In gleichmäßigen Zügen gleitet die 28-Jährige durch das Becken im Hallenbad Anderten, die Wende am Ende der Bahn klappt scheinbar mühelos. 1,07 Minuten braucht die junge Frau für die Distanz - drei Sekunden weniger als beim vergangenen Training. „Das sieht gut aus, Laura“, lobt Trainerin Ute Köpcke. Die Kollegen aus dem Schwimmteam der Hannoverschen Werkstätten applaudieren.

Laura Hardy ist eine von rund 4800 Sportlern, die ab Montag eine Woche lang bei den Special Olympics, den nationalen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung, in Hannover antreten. Die junge Frau hat das Down Syndrom. Schwimmprofis, die im regulären Wettbewerb der Weltmeisterschaften oder bei den Olympischen Spielen antreten, schaffen die 50 Meter Brust in unter 30 Sekunden. Doch bei den Spielen, an denen die Bennigserin teilnimmt, gelten andere Maßstäbe.

Bevor der Wettbewerb in die Finalrunde geht, werden die Athleten, die in Disziplinen wie Judo, Beachvolleyball oder Leichtathletik antreten, in Leistungsgruppen eingeteilt. So sollen für die Teilnehmer faire Bedingungen geschaffen werden, bei denen jeder nach seinem Leistungsstand sein Können zeigen kann. Dennoch wollen die Special-Olympics-Organisatoren den Wettbewerb auch als solchen verstanden wissen: Die Sportler müssen sich an das Regelwerk halten, sonst werden sie disqualifiziert. Bei den Schwimmern wird etwa die Technik der Sportler betrachtet - ob sie einen sauberen Schwimmstil haben und den Abschlag am Beckenrand vorschriftsmäßig einhalten. „Das sind schon harte Regeln, kein Firlefanz“, sagt Trainerin Köpcke. Bei Hardy mache sie sich jedoch keine Gedanken, dass etwas schiefgehen könnte. „Sie ist eine sehr saubere Schwimmerin und wirklich sehr ehrgeizig und gewissenhaft.“

Hardy arbeitet bei den Hannoverschen Werkstätten, einer Einrichtung für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Sie ist in der Wäscherei beschäftigt. Wenn sie dort nicht mangelt, bügelt oder Wäsche legt, engagiert die 28-Jährige sich in der Betriebszeitung „Bibs“. Fotografieren, Malen, Tanzen und Musik hören - am liebsten Schlager von Helene Fischer, Andrea Berg und Beatrice Egli - sind neben dem Schwimmen ihre großen Hobbys. Jeden Dienstag trainiert sie in Anderten mit Kollegen beim Betriebssport. „Ich schwimme, seit ich klein bin“, sagt Hardy, noch etwas außer Atem von dem Probedurchgang.

Seit 2008 nimmt sie regelmäßig an Wettkämpfen teil - und das sehr erfolgreich: 29 Medaillen schmücken ihr Zimmer im Haus ihrer Eltern in Bennigsen. Bei den nationalen Spielen in Düsseldorf 2014 gewann sie die Goldmedaille. „Das war eine tolle Zeit dort. Ich habe mein Vorbild Britta Steffens getroffen und sogar ein Selfie mit ihr gemacht“, sagt die Schwimmerin mit einem stolzen Lächeln, bevor sie ihr langes blondes Haar unter der schwarzen Speedo-Schwimmkappe versteckt, um sich für den Staffelstart auf dem Sprungblock bereit zu machen. Bei den Special Olympics soll mindestens eine weitere Medaille hinzukommen. Dafür trainiert Hardy seit gut einem Jahr zusätzlich noch im WSV Bennigsen gemeinsam mit Sportlern ohne Behinderung. „Das ist eine tolle Möglichkeit für Laura“, sagt ihre Mutter Sabine Hardy. „Auch sportlich, denn die anderen Schwimmer ziehen sie mit ihrer Schnelligkeit richtig mit.“ Dass auch andere Teilnehmer der Special Olympics in Regelmannschaften der Vereine trainieren können, ist ein Ziel der Organisatoren. Sie hoffen, dass der Wettkampf die Inklusion ein Stück voranbringt. Deshalb sind die Austragungsorte in Hannover mitten in der Stadt - am Stadion, am Kröpcke oder auf dem Maschsee - für sie auch besonders geeignet.

Neben dem Brustschwimmen tritt Hardy auch auf 50 Meter Freistil und in der Staffel der Hannoverschen Werkstätten an. Eigentlich aber ist ihre Paradedisziplin das Rückenschwimmen. Doch eine lange Narbe an der linken Schulter macht das zurzeit unmöglich. Sie spannt bei den Bewegungen zu stark. Erst vor Kurzem mussten die Batterien ihres Herzschrittmachers ausgetauscht werden. Doch davon will die Sportlerin sich nicht beirren lassen. Als Gesicht der Spiele wird sie bei der Eröffnungsveranstaltung sogar eine Rede halten. „Ich bin sehr aufgeregt. Aber ich hoffe, dass viele Menschen zu den Wettkämpfen kommen und uns anfeuern. Und dass ich und mein Team richtig gut sind und wir viele Medaillen holen“, sagt sie.

Hannover ist Olympic Town

Rund 4800 Sportler, 2200 freiwillige Helfer und 500 Kampfrichter tragen von Montag bis Freitag die Special Olympics aus. Neben den sportlichen Wettkämpfen gibt es in der ganzen Stadt Programm.

Thementag: Wie es sich für die Olympischen Spiele gehört, wird auch bei den Special Olympics ein Fackellauf veranstaltet. Oberbürgermeister Stefan Schostok wird die Fackel der Special Olympics heute gegen 16 Uhr im Rahmen des Thementages „Hannover alle(s) inklusive Sport“ am Kröpcke in Empfang nehmen. Auf einer Bühne in der Innenstadt ist von 10 bis 20 Uhr ein Programm. Zu sehen sind unter anderem Turnakrobatik des Duo Piti, die Poetry-Slammerin Ninia La Grande und die Rollstuhl-Squaredancer Dancing Wheels. Ab Donnerstag wird auf dem Kröpcke Beachvolleyball gespielt.

Tui-Arena: Bei der Eröffnungsfeier am Montagabend wird das Special-Olympics-Feuer in der TUI-Arena feierlich entzündet. Am Freitag gibt es eine Athletendisco. n Olympic Town: Der Sportpark Hannover ist der zentrale Veranstaltungsort. Im Erika-Fisch-Stadion ist Leichtathletik zu sehen, im Stadionbad wird geschwommen. Auf dem Platz vor der Nordkurve der HDI-Arena finden Sportler und Gäste die Olympic Town mit einer großen Bühne. Hier bekommen die Sieger ihre Medaillen, außerdem spielen dort Bands, es gibt Theateraufführungen, Tanzbeiträge und Infoveranstaltungen. Beim wettbewerbsfreien Angebot können auch Zuschauer mitmachen.

Wettbewerbe: Ab Dienstag, 7. Juni, geht es für die Sportler offiziell um alles. In der Regel dauern die Wettkämpfe von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Gelebte Inklusion auf einem Pferderücken in der Wedemark

Dexy’s Midnight Runner ist ein wildes Pferd: Von vier Turnieren verbockt er eins, weil er durchgeht. Doch das Voltigierteam von Trainerin Iris Berthold liebt das Tier, das der Reit- und Voltigierclub Wedemark vor dem Schlachter bewahrt hat, trotzdem. Und dass nicht jeder perfekt ist, das wissen die sechs Sportler ohnehin. Gemeinsam treten Feride Demir, Simon Hey, Patrick Lampe, Kim und Lara Bause und Alena Steffens in der kommenden Woche bei den Special Olympics in einem besonderen Programm an, dem Unified-Wettbewerb. Dabei sind Sportler mit geistiger Behinderung zusammen mit Menschen ohne Handicap in einem Team.

15 Sportarten werden bei den Special Olympics auch als Unified-Wettkämpfe angeboten. Während die Gesellschaft die Inklusion mit Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Workshops voranbringen will, ist das Team aus der Wedemark schon längst einen Schritt weiter. Seit gut zwei Jahren trainieren die jungen Leute zusammen. Und mehr noch: „Der Teamzusammenhalt ist toll“, sagt Kim, die als Sportlerin ohne Behinderung ein sogenannter Partner ist. „Wir ergänzen uns total gut und sind Freunde geworden.“ Genau das ist ein Ziel des Programms – die Menschen zusammenzubringen. Nicht nur die behinderten Sportler profitieren von der Leistungsstärke ihrer Partner. Diese sollen ihrerseits ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen. In der Wedemark scheint das zu funktionieren.

Niemand werde ausgegrenzt, heißt es. Alena lerne viel von ihren Teamkollegen, sagt sie: „Sie sind immer glücklich, lächeln und geben nie auf. Da kann ich mir etwas abgucken.“ Zweimal in der Woche treffen sich die sechs Jugendlichen an der Reithalle in Resse, um zu trainieren. So kurz vor dem Wettkampf sind natürlich alle nervös. Alles soll sitzen, wenn die Jungen und Mädchen in ihren grünen Anzügen mit den Blütenranken zu spanischer Musik auf Dexy turnen. Bei Wettkämpfen tritt das Team aus der Wedemark in der Leistungsklasse L an, im vergangenen Jahr gelang der Aufstieg. „Vor allem der erste Tag wird bestimmt schlimm – wenn man merkt, dass es losgeht und so viele Leute da sind“, sagt die 16-jährige Feride. Ihre Partnerin Kim hat das Ziel der Gruppe trotzdem im Blick: gemeinsam eine schöne Woche haben, aber auch gute Leistungen zeigen und gewinnen. Hoffentlich macht da auch Dexy mit. 

Isabel Rollenhagen

 

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