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Klinik muss Namen von Samenspender nennen

Urteil des Amtsgerichts Hannover Klinik muss Namen von Samenspender nennen

Sie wurde vor 21 Jahren geboren – mithilfe einer anonymen Samenspende. Jetzt hat die junge Frau am Amtsgericht Hannover erstritten, dass die Reproduktionsklinik den Namen ihres Erzeugers herausgeben muss. 

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Auf Anfrage hatte sich die Klinik zunächst geweigert, den Namen des Spenders zu nennen.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Eine junge Frau, 21 Jahre alt, hat sich per Gericht eine Auskunft erstritten. Zwei Einrichtungen für Reproduktionsmedizin – eine Klinik in Bad Münder und eine Praxis in Hannover – müssen ihr alle Informationen über ihren leiblichen Vater aushändigen. Dieser hatte sein Sperma in der Klinik im Deister-Süntel-Tal hinterlegt; 1994 hatte ein verheiratetes Paar mithilfe dieser bei einer künstlichen Befruchtung verwendeten Samenspende ein Kind bekommen. Die inzwischen volljährige Tochter und ihre Wunscheltern verstehen sich immer noch gut, nichtsdestotrotz wollte die 21-Jährige die Identität ihres Erzeugers erfahren. Allerdings könnten die Auskünfte unvollständig sein: Erst seit 2007 müssen die entsprechenden Unterlagen 30 Jahre lang aufgehoben werden.

Die Kinderwunsch-Einrichtungen hatten sich gesperrt, Infos über den Samenspender herauszurücken – aus ihrer Sicht verständlich. Sie hegen die Befürchtung, dass Spender bei einer Preisgabe ihrer Identität Kindern eventuell Unterhalt zahlen müssten oder diese Erbschaftsansprüche geltend machen könnten. Dies würde die Bereitschaft von Männern, Reproduktionskliniken ihr Sperma zur Verfügung zu stellen, bremsen. Um hier Klarheit zu schaffen, plant der Bundesjustizminister, ein deutschlandweites Samenspenderregister einzurichten, die Spender aber gleichzeitig vor Unterhaltsansprüchen zu schützen.

Weil die Medizinzentren aus Bad Münder und Hannover bezweifelten, dass überhaupt ein bei ihnen gelisteter Samenspender der leibliche Vater der 21-jährigen Frau sei, musste Zivilrichterin Vanessa Klingberg im Frühsommer zwei Sitzungstermine anberaumen. Dabei bestätigte der 50-jährige Wunschvater, dass er zeugungsunfähig ist. Die Ehefrau bekundete, dass sie 1994 mit keinem anderen Mann Sex hatte – damit war für die Richterin bewiesen, dass die künstliche Befruchtung mit dem Spender-Sperma ausschlaggebend war.

Kinder haben ein Recht, ihren Erzeuger zu kennen

Im Urteil des Amtsgerichts heißt es, dass das Selbstbestimmungsrecht eines Samenspenders hinter dem Auskunftsrecht eines Kindes zur Klärung seiner Abstammung zurückstehen muss. Der Spender habe bewusst einen maßgeblichen Beitrag zur Erzeugung menschlichen Lebens geleistet – und dafür trage er eine soziale und ethische Verantwortung. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Kinder, die in Deutschland bislang mithilfe von Samenspenden gezeugt wurden, bei mehr als 100 000.

Sollte die junge Frau nun tatsächlich herausfinden, wer ihr biologischer Vater ist, dürfte das in diesem konkreten Fall folgenlos bleiben. Weder hat ihr rechtlicher Vater den Wunsch geäußert, seine Verantwortung für die 21-Jährige aus der Hand zu geben, noch möchte diese den vertrauten Familienverbund sprengen. Theoretisch könnte sie die Vaterschaft des 50-Jährigen anfechten und per DNA-Test die Feststellung ihres leiblichen Vaters betreiben. Würden auf diesen finanzielle Verpflichtungen zukommen – etwa weil die junge Frau noch längere Zeit studieren möchte –, könnte er versuchen, gegenüber den Reproduktionseinrichtungen oder den Wunscheltern Regressansprüche anzumelden. Doch all dies ist blanke Theorie.

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