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Eltern sollen Spiele-Apps besser kontrollieren

Verbraucherzentrale Eltern sollen Spiele-Apps besser kontrollieren

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) fordert, Jugendliche vor Kostenfallen und Datenklau im Internet besser zu schützen. Bei einer Podiumsdiskussion im Pavillon warnte Geschäftsführerin Petra Kristandt vor allem vor kostenpflichtigen In-App-Käufen, die mittlerweile 70 bis 80 Prozent des Umsatzes der Spieleanbieter ausmachten.

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Eltern sollten die Möglichkeit haben, In-App-Käufe zu deaktivieren, fordert die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN).

Quelle: dpa

Hannover. Besonders Kinder seien für diese Zusatzkäufe innerhalb eines zunächst kostenlosen Spiels anfällig, sagte sie, da die Spiele extra so gestaltet seien, dass sie ohne In-App-Käufe keinen Spaß mehr machten oder das Weiterspielen unmöglich sei.

VZN-Justiziarin Anke Kirchner zeigte mit Fallbeispielen auf, welche böse Überraschungen die schöne neue Digitalwelt für Eltern bereithalten kann: Eine Mutter lädt für ihren neunjährigen Sohn eine kostenlose Spiele-App auf das Smartphone herunter, der erwirbt beim Spielen über einen sogenannten In-App-Kauf zahlreiche virtuelle Juwelentruhen, und Google Play schickt der Mutter schließlich eine Rechnung über 4185,52 Euro. Eine 14-Jährige erhält über ihren Facebook-Account eine Werbung zugesandt, die sie für einen Gratisgutschein bei H & M hält. In Wirklichkeit steckt dahinter aber eine zweijährige kostenpflichtige Mitgliedschaft bei einer Plattform für Unternehmen. Die Mutter des Mädchens soll dafür 552,16 Euro bezahlen. „Das sind beides Fälle aus unserer Beratungspraxis“, sagt Kirchner.

Verbraucherminister Christian Meyer (Grüne) nennt diese Beispiele erschreckend. „Da werden junge Konsumenten mit kostenlosen Lockangeboten geködert und dann gnadenlos abgezockt. Sie geben auch unwissentlich viele ihrer persönlichen Daten preis, man will Emotionen erzeugen, man will Sucht erzeugen.“ Man bräuchte deutlich mehr Spielregeln auf diesem Spielfeld: „Hier ist der Bundesgesetzgeber gefragt.“

Susanne Dehmel, beim Verein Bitkom für Datenschutz zuständig, warnte davor, Verbraucher durch Gesetze zu stark zu gängeln. Sie sieht vor allem die Eltern in der Verantwortung, die oft gar nicht wüssten, was ihre Kinder im Internet trieben. Bis zu einem Alter von acht Jahren sollten Kinder grundsätzlich nicht allein Online-Spiele nutzen dürfen, rät sie. VZN-Geschäftsführerin Kristandt will dagegen die Anbieter stärker in die Pflicht nehmen. „Die Kosten müssen transparent sein.“ Adrian Jagusch, der Jugendliche beim Internetportal „Juuuport“ berät, sagte, die Anbieter würden Kinder mit den Spielen subtil unter Druck setzen. Er berichtete von einem zehnjährigen Mädchen, das in einem Online-Spiel ein Pferd virtuell gepflegt hatte: „Plötzlich wurde das Pferd krank, und das Mädchen wurde im Spiel darauf hingewiesen, dass es die kostenpflichtige Medizin kaufen müsste, sonst würde das Tier sterben.“ Diesem Druck könnten sich Grundschüler kaum entziehen.

Eltern sollten die Möglichkeit haben, In-App-Käufe zu deaktivieren, fordert die VZN. Zudem sollten sie eine monatliche Höchstgrenze für Zusatzkäufe eingeben können. Dehmel meinte, dass der Spielespaß durch zu viele Unterbrechungen gemindert werde. Generell gäben 16- bis 18-Jährige im Schnitt nur 14 Euro für ihr Handy monatlich aus.

Im Publikum saßen auch Berufsschüler der Anna-Siemsen-Schule. Wichtig sei es, dass die Jugendlichen, aber auch die Eltern für das Thema sensibilisiert würden, meinte Alexander (16) nach der Diskussion. Ariane und Linda (beide 17) wollen ihren Facebook-Account demnächst löschen. Nicht, weil sie nach der Diskussionsrunde lieber nichts mehr im Internet von sich preisgeben wollen, sondern weil sie auf andere Kommunikationsformen setzen: „Whatsapp ist besser.“

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