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Die freien Athleten

Sport mit der Freeletics-App Die freien Athleten

Sport im Freien statt im Studio: Die App Freeletics hat einen neuen Fitnesstrend angestoßen – und findet in Hannover begeisterte Fans, die sich lieber im Park treffen statt in der nächsten Muckibude.

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Bei den Sit-ups will keiner der Jungs als Erster aufgeben.

Quelle: Körner

Hannover. Man sieht sie am Moritzwinkel, wie sie auf den Grünflächen ihre Sit-ups machen. Man sieht sie auf dem Sportplatz am Stephansplatz, wo sie sich für Klimmzüge an die Fußballtore hängen. Man sieht sie auf dem Bolzplatz hinter der Tankstelle an der Marienstraße, wo sie nach ihren Strecksprüngen flach auf dem Boden liegen. Sie – das sind Männer, Frauen, alte und junge Menschen, manche durchtrainiert, andere etwas untersetzt. Das, was sie eint, ist das Smartphone in ihren Händen.

„Das Handy ist quasi unser persönlicher Fitnesstrainer“, sagt Henning, der seinen Nachnamen nicht verraten will, und öffnet ein kleines Programm auf dem Display. Freeletics heißt die App, die Münchener Fitnessfreaks gemeinsam mit Wissenschaftlern der Deutschen Sporthochschule in Köln entwickelt haben. Henning und seine Freundin Farina haben sich das Programm erst vor ein paar Tagen heruntergeladen.

Für das Training reichen Sportklamotten und das eigene Körpergewicht – und ein Ort wie eine Wiese oder ein Bolzplatz. Denn freie Athleten, wie sich die Fans der Freeletics-Bewegung nennen, wollen vor allem eins: Raus aus den Muckibuden und stattdessen gemeinsam unter freiem Himmel trainieren. „Wir können wählen, ob wir unsere Kraft oder unsere Ausdauer oder beides verbessern wollen“, sagt Farina. Doch bevor es damit losgeht, müssen die 24-Jährige und ihr Freund ihre Leistungsfähigkeit ermitteln. „Das ist die erste große Hürde“, sagt Sven Linz. Der 22-Jährige ist schon seit einem Jahr dabei und damit einer der ersten freien Athleten in Hannover. „Man bekommt eine bestimmte Zeit, um so viele Wiederholungen einer Übung zu machen wie möglich“, sagt der Student. Für Farina heißt das an ihrem ersten Tag, dass sie in zwei Minuten möglichst viele Klimmzüge schafft.

Am Ende sind es bei ihr 15. Auch noch fünf Minuten nach dem Ende der Übung zittern ihre Arme von der Anstrengung. Doch genau darum geht es bei dem sogenannten Hochintensitäts-Training, das der Freeletics-App zugrunde liegt: Bei jeder Einheit sollen die Sportler an ihre Grenzen gehen.

Ist das Fitnesslevel erst einmal ermittelt, stellt ein Internetcoach einen Trainingsplan für die nächsten 15 Wochen zusammen. Die Einheiten heißen etwa Aphrodite, Zeus und Dione und konzentrieren sich auf den Oberkörper, die Muskeln der unteren Extremitäten oder gleich den ganzen Körper. Ziel ist es, die vorgeschriebenen Wiederholungen der Übungen in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren. „Und an diesem Punkt kommt die Gemeinschaft ins Spiel“, sagt Sven Linz. Nicht nur, dass Sport in der Gruppe mehr Spaß macht. „Wenn dir nach 100 Kniebeugen die Beine brennen, dann sind es deine Freunde, die dich zu Höchstleistungen anspornen.“

In seinem Studiengang an der Leibniz-Uni hat Sven Linz deshalb andere Wirtschaftsstudenten für Freeletics begeistern können. Wie zum Beispiel Philipp Gottlieb. „Wir haben gerade Klausurenphase“, erzählt dieser. „Wenn man den ganzen Tag in der Bibliothek sitzt und lernt, braucht man abends einen Ausgleich.“ Deshalb trifft er sich nun mit seinen Trainingspartnern regelmäßig abends im Park oder an einem Bolzplatz und powert sich aus. Ähnlich wollen Henning und Farina es in den nächsten Wochen machen. Das Paar hat die anderen über eine Facebook-Gruppe kennengelernt, in der sich Hannoveraner verabreden, um gemeinsam zu trainieren. Für die Landeshauptstadt gibt mehr als 380 Mitglieder, die sich über das soziale Netzwerk verabreden, motivieren, ihre Trainingsergebnisse veröffentlichen und einander loben.

Auch Anfänger werden mit offenen Armen empfangen. „Vor denen habe ich persönlich den größten Respekt“, sagt Sven Linz, der ein trainierter Sportler ist. Und dennoch: „Als ich meine erste Trainingseinheit gemacht habe, war ich froh, dass ich sie durchgestanden habe“, sagt er. Und was treibt gerade Neulinge an? „Viele haben – so wie wir – keine Lust, bei dem guten Wetter ins Fitnessstudio zu gehen“, erklärt Marc Joulian. „Mit dem Programm ist man unabhängig; man kann trainieren, wann und wo man will.“ In der vergangenen Woche musste er erst mittags in die Uni. Am Morgen fuhr er für sein Sportprogramm an die Ricklinger Kiesteiche. „Nach dem Training konnte ich noch ganz entspannt ins Wasser springen“, sagt der 21-Jährige.

An Entspannung kann Sven an diesem Abend noch nicht denken. Bevor er nach Hause geht, steht noch einmal ein sogenanntes Push-up-Max an: 140 Sekunden Liegestützen im Höchsttempo. Er weiß, dass diese Einheit wehtun wird. Aber er weiß auch um das euphorische Gefühl – wenn er sie hinter sich hat.

So funktioniert's

Die Freeletics-App gibt es in zwei Versionen. Entweder die Nutzer testen einige wenige Probetrainings und müssen für den kompletten Trainingsplan den Coach für 39,90 Euro abonnieren. Oder man kauft die kostenpflichtige App für 4,99 Euro, die alle Übungen enthält – stellt sie aber selbst zusammen. Mehr Infos gibt es unter www.freeletics.com.

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