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Aus der Stadt Deutschlernen in der Sprintklasse
Hannover Aus der Stadt Deutschlernen in der Sprintklasse
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00:15 26.01.2016
Von Saskia Döhner
„Pute oder Putenfleisch“: Lehrer Mark Cacopardo erklärt seinen Schülern die Feinheiten der deutschen Sprache. Einige können sich schon fließend ausdrücken.  Quelle: Hagemann
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Hannover

An diesem Vormittag geht es mit Lehrer Mark Cacopardo um Lieblingsspeisen: „Ich esse gerne Pute oder Putenfleisch, ich trinke gern Kaffee“, wiederholen die Schüler. Einer kämpft mit dem „ch“. Mizgin (21) und Mustafa (18) drücken sich bereits fast fließend in der fremden Sprache aus. „Ich habe schon vorher ein bisschen mit dem Handy Deutsch gelernt“, sagt Mizgin, der Lehrer werden will. Wie beinahe alle seiner Mitschüler stammt er aus Syrien. Kasim (20) sagt, er fühle sich hier wohl: „Die Leute sind nett, man ist willkommen.“ Auch nach Übergriffen von Nordafrikanern auf Frauen in der Silvesternacht in Köln habe sich das Klima nicht geändert, meint er. Von Anfeindungen oder Misstrauen spüre er nichts. „Als wir das aus Köln gehört haben, waren wir geschockt“, sagt Loujain (16). An Deutschland gefällt ihr, dass „man hier respektiert wird“. Dann fügt sie noch hinzu, dass sie später Anwältin werden möchte. Mustafa, der gerne schwimmt und Tischtennis spielt, hat sein Berufsziel auch schon fest vor Augen: Elektroingenieur.

In der Sprintklasse lernen die 13 jungen Männer und zwei Frauen nicht nur Deutsch, EDV und Mathematik. Sie spielen auch zusammen Fußball, gehen Einkaufen, ins Stadion oder in den Zoo. „Es geht auch darum, dass sie etwas von unserer Kultur lernen und wirklich hier Fuß fassen“, sagt Schulleiter Fritz Michler. An diesem Vormittag will er mit seinen Schülern nach der Deutschstunde Turnschuhe kaufen gehen, fürs Fußballturnier in der nächsten Woche. Das ist praktische Lebenshilfe.

Sprachlehrer Cacopardo, der zuletzt an der Volkshochschule Langenhagen gearbeitet hat und jetzt für ein Jahr die Sprintklasse betreut, berichtet, dass seine Schüler sehr wissbegierig seien – trotz ihrer unsicheren Zukunftsperspektiven. „Wie es weitergeht, wissen die meisten nicht.“ Viele Schüler sind in einer Turnhalle in Garbsen untergebracht. „Mit 200 Menschen in einer Halle schläft man nicht gut“, sagt Cacopardo. Deshalb hat er Verständnis dafür, wenn einem seiner Deutschschüler im Unterricht mal der Kopf auf die Tischplatte sinkt. Meistens aber sind alle hellwach wie Mustafa und Mizgin. Nach einem Jahr Sprachunterricht sollen möglichst alle so gut Deutsch können, dass sie ein Praktikum in einem Betrieb absolvieren können.

Derzeit haben in Hannover drei Berufsschulen eine Sprintklasse, neben der Hannah-Arendt-Schule auch die Anna-Siemsen-Schule und die BBS Handel. Der Bedarf ist hoch: 15 Schüler dürfen maximal in eine Klasse, gemeldet hatten sich in der Garbsener Unterkunft fast doppelt so viele. Am Ende entschied das Los, wer einen Platz bekam und wer nicht. „Wir hätten auch zwei, drei Klassen für Flüchtlinge einrichten können“, berichtet Michler. Dafür allerdings fehlen die Lehrer.

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