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Architektenwettbewerb

Sprengel-Museum-Anbau nach Entwürfen des Schweizers Meili

Von Juliane Kaune

Der Anbau des Sprengel Museums in Hannover soll nach Entwürfen des Schweizers Marcel Meili entstehen – mit Spiegelglas an der Fassade.
Strahlender Sieger: Marcel Meili (links) hat das mit dem ersten Preis gekürte Modell für den Anbau des Sprengel Museums entworfen – und Museumschef Ulrich Krempel ist „euphorisiert“.

Strahlender Sieger: Marcel Meili (links) hat das mit dem ersten Preis gekürte Modell für den Anbau des Sprengel Museums entworfen – und Museumschef Ulrich Krempel ist „euphorisiert“.

© Christian Burkert

Von kleinen Kindern kennt man das. Sie wünschen sich jahrelang ein bestimmtes Spielzeug und bekommen es nicht – umso größer ist die Freude, wenn sie es schließlich doch in Händen halten. Ulrich Krempel dürfte sich in diesen Tagen etwas wie ein Kind gefühlt haben. Noch muss sich der Direktor des Sprengel Museums zwar gedulden, bis sein lang gehegter Wunsch Realität ist. Aber schon das Ergebnis des Architektenwettbewerbs für den Erweiterungsbau des Museums löste bei ihm am Wochenende Begeisterungsstürme aus. „Ich bin euphorisiert“, frohlockte Krempel angesichts des Siegerentwurfs des Schweizers Marcel Meili. „Unser Haus wird zu einem der nobelsten Gebäude für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts – das könnte auch in New York stehen.“

In der Tat war unter den 65 Teilnehmern des von der Stadt Hannover ausgelobten Wettbewerbs ein Architekturbüro aus der US-Metropole. 15 internationale Kollegen aus Städten wie Sydney, Tokio, Paris, Madrid oder Florenz hatten ebenfalls ihre Modelle eingereicht – auch die in London lebende renommierte iranische Architektin Zaha Hadid, die das „Phaeno“ in Wolfsburg geschaffen hat, war vertreten. Die starke internationale Resonanz freute Krempel, der mit in der Jury saß. Das sei ein „erfreuliches Zeichen“ für die Bedeutung, die das Museum am Maschsee auch weit außerhalb der deutschen Grenzen habe. Gleichwohl traf das 14-köpfige Expertengremium unter Vorsitz des Wiener Architekturprofessors Adolf Krischanitz ein einstimmiges Votum für eine Arbeit aus dem eidgenössischen Nachbarland.

Der quaderförmige Entwurf von Marcel Meili aus dem Züricher Büro Meili + Peter setzt auf große, teils verspiegelte, teils mattierte Glasfronten und kupferne Dachelemente. Er werde das Museum, das dringend Platz für seine Sammlungen braucht, zu einer „weiteren Perle am Rand des Maschseeufers“ machen, befand der städtische Baudezernent Uwe Bodemann, der wie seine Kollegin aus dem Kulturressort, Marlis Drevermann, zu den Juroren zählte. Drei wesentliche Vorgaben habe Meili bravourös gelöst, lobte Bodemann. Erstens sollte der Sprengelbau aus den siebziger und neunziger Jahren angemessen „vollendet“ werden, zweitens musste im Inneren eine anspruchsvolle Lösung für einen Alt- und Neubau verbindenden Galerierundgang gefunden werden, und drittens durfte das alles das Budget von 25 Millionen Euro nicht sprengen. Die Summe ist bereits weitgehend finanziert: Zehn Millionen Euro kommen von der EU, die gleiche Summe teilen sich Land und Stadt, für fünf Millionen werden noch Sponsoren gesucht.

Die Herausforderung bestand darin, ein architektonisch aussagekräftiges Gebäude zu entwerfen, das sich nicht als eigenes Kunstwerk in Szene setzt, sondern die darin ausgestellte Kunst in den Mittelpunkt rückt. Meili habe „mit einfachen Mitteln eine hervorragende Wirkung erzielt“, schwärmte Jurymitglied Doris Nordmann, die Leiterin der niedersächsischen Bauverwaltung. Der Vielgelobte übte sich bei der Präsentation seines Modells in der Herrenhäuser Orangerie in schweizerischer Zurückhaltung – und verteilte seinerseits Komplimente. „Ich habe den Maschsee zum ersten Mal gesehen und war überwältigt“, bekannte der Architekturprofessor der ETH Zürich. Er habe einen Bezug zur Uferlandschaft herstellen wollen: Die Bäume werden in den Spiegelelementen der Fassade reflektiert, darunter verläuft ein Wasserbecken, das golden schimmert.

Der Clou des um 4350 Quadratmeter erweiterten Sprengel Museums aber spielt sich im Inneren ab. Meili hat die rund 1800 Quadratmeter große neue Ausstellungsfläche in der oberen Ebene so gestaltet, dass die Räume leicht gegeneinander verdreht angeordnet sind. Beim Rundgang soll der Besucher so nicht nur die Kunstwerke bestaunen können, sondern auch stets neue Raumeindrücke gewinnen. Eine Idee, die Krempel zu äußerst blumigen Formulierungen inspirierte: „Die Kunst wird von den Räumen sanft gestreichelt und noch mehr zum Glänzen gebracht.“

In dem Anbau will er den Besuchern all die Schätze zeigen, die derzeit in Depots lagern. Es geht um eine bessere Präsentation von Schwitters- und Fotografiesammlung sowie um mehr Platz für Sonderausstellungen. Anders als bisher soll ein Rundgang durch das ganze Haus führen, vorbei an Werken von Picasso bis Klee (Sammlung Sprengel), Arbeiten von Niki de Saint Phalle sowie internationaler und deutscher Kunst nach 1945. Pluspunkte verteilt Krempel für den von Meili konzipierten spiralförmigen Gebäudetrakt, der Alt- und Neubau verbindet. Dieser soll zur Galerie werden und Platz für Veranstaltungen bieten. Zudem kommen in den drei Ebenen des Anbaus Lager, Büros, Werkstätten, Museumspädagogik und Shop unter.

Als Museumschef und Jurymitglied hatte Krempel das Machbare besonders im Blick. Neben der architektonischen Qualität musste die Funktionalität des Gebäudes gewährleistet sein. Der zweitplatzierte Entwurf des Berliner Büros Staab löste beide Ansprüche ein, die Sichtbetonfassade aber war den Juroren zu massiv. Der dritte Preis, der an Architekt Stanton Williams aus London ging, machte durch seine lamellenartige Dachkonstruktion auf sich aufmerksam, im Inneren wich er aber von dem gewünschten kleinteiligen Raumprogramm ab. Ein Gebäude im klassisch-modernen Bauhausstil schuf das viertplatzierte Büro AFF aus Berlin. Das mit dem fünften Preis ausgezeichnete hannoversche Büro ASP spielte mit einem Wechsel aus Baukörpern verschiedener Größe.

Der futuristische Entwurf von Zaha Hadid erschien der Jury für das Maschseeufer dagegen zu gewagt – vor allem aber schied er aus, weil im Inneren nur ein Bruchteil der Bilder untergekommen wäre. Im Kostenrahmen nicht zu realisieren waren spektakuläre Entwürfe wie der gläserne Turm des Pariser Büros LAN Architecture oder das an die flügelartig-filigrane Oper in Sydney erinnernde Modell des Japaners Kengo Kuma. Beworben hatte sich zudem das Kölner Büro Trint + Kreuder, in dem der Sohn der Architekten Ursula und Peter Trint arbeitet, die mit Dieter Quast einst das bestehende Museum entworfen hatten.

Auch der Siegerentwurf muss auf seine Realisierung noch warten, bis zum Herbst dieses Jahres soll eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen sein. Mit einem Baubeginn rechnet Kulturdezernentin Drevermann nicht vor Ende 2011, etwa anderthalb Jahre später könnte der Anbau eröffnen. Und dann wäre Krempels lang gehegter Wunsch endlich in Erfüllung gegangen.

Vom 4. bis zum 31. März ist im Sprengel Museum eine Ausstellung mit allen Entwürfen des Wettbewerbs zu sehen.

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  • 21. Jahrhundert? Ausgestellte Kunst - vielleicht, Architektur des Anbaus - definitiv nicht! Bückeburg – 01.03.10
    „Unser Haus wird zu einem der nobelsten Gebäude für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts – das könnte auch in New York stehen.“
    --- diese Aussage würde wohl so manchem New Yorker lediglich ein lautes, herzhaftes Lachen entlocken.
  • Mut zur Mittelmäßigkeit Anonym – 01.03.10
    Landtag und Sprengel Museum - Das Votum beider Jurys verdeutlicht Hannovers ungebrochenen Mut zur Mittelmäßigkeit.
  • Schwacher Entwurf CC – 01.03.10
    Der HAZ-Kommentar "Perle ohne Glanz" ist vortrefflich. Warum so eine Zurückhaltung und Rückkehr zur 70er Jahre Architektur (Spiegelfassade? - was soll das?)? Man kann Besucher auch damit locken, wenn man mal einen spektakulären Entwurf umsetzt - gerade bei einem Museum für moderne Kunst. Schade!

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