Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Ist diese Oper für Kinder zu hart?
Hannover Aus der Stadt Ist diese Oper für Kinder zu hart?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 14.12.2015
Von Conrad von Meding
Krasse Bilder: Eva Verena Müller als knollennasiger Samiel belegt Max (Eric Laporte) mit einem Zauber. Quelle: Thomas M. Jauk
Anzeige
Hannover

Die Oper „Der Freischütz“ steht im Lehrplan für die achten Gymnasialstufen - doch Hannovers Achtklässler werden die Inszenierung, die Sonnabend am Opernhaus Premiere hat, nur mit Sondererlaubnis ihrer Eltern zu sehen bekommen. Die Oper hat die Altersempfehlung kurzfristig auf 16 Jahre hochgesetzt. Teil der Vorstellung sind Videoinstallationen von Voxi Bärenklau, dessen Arbeit mit Christoph Schlingensief in Bayreuth schon handfesten Streit mit den Wagners ausgelöst hatte. Offenbar hat Bärenklau für die aktuelle Inszenierung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ drastische Szenen in die Videos integriert. Nach HAZ-Informationen geht es um Gewalt und Krieg und auch viel nackte Haut. Die betroffenen Lehrer sind schriftlich über die Änderung der Altersempfehlung informiert worden. Zum Teil haben sie die Schulbesuche bereits abgesagt.

Zur Galerie
Entgegen der ursprünglichen Einschätzung sei die aktuelle Inszenierung des „Freischütz“ nicht für Heranwachsende unter 16 Jahren geeignet.

Die Oper hatte das Stück zunächst auch für Kinder empfohlen. Nachdem Ende vergangener Woche in der sogenannten Klavierhauptprobe erstmals Maske, Kostüme und Videos zusammen zu sehen waren, habe es intensive Diskussionen unter anderem mit der Intendanz gegeben, sagt Musiktheaterpädagogin Maike Fölling. An deren Ende stand die Entscheidung, die Altersempfehlung heraufzusetzen. Was genau an den Videos Kinder unter 16 Jahren beunruhigen könnte, wollten weder sie noch Opernsprecher Olaf Roth konkret sagen: „Es bringt Unglück im Theater, Details vor der Premiere zu verraten.“ Mit den Videos werde „auf unterschiedlichen filmerischen Ebenen reflektiert“, warum das Stück als deutsche Nationaloper gelte, sagt Fölling, dabei kämen „teils drastische Mittel zum Einsatz“. Jüngere Schüler könnten die Bezüge zur deutschen Geschichte nicht verstehen, man wolle ihnen die Lust am Theater nicht verleiden.

„Das ist schade, ich war überrascht“, sagt etwa Klaus-Jürgen Etzold vom Matthias-Claudius-Gymnasium in Gehrden. Er hatte 30 Karten bestellt und gibt sie nun nach Diskussionen mit den Eltern zurück. „Offenbar ist es eine sehr moderne Inszenierung, die es in sich hat“, sagt er. Er hatte das Stück lehrplangemäß mit seinen Achtklässlern im Unterricht durchgenommen, noch vor Weihnachten wird eine Arbeit darüber geschrieben. Trotzdem habe die Oper ihm auch auf telefonische Nachfrage verdeutlicht, dass die Schüler die Videoszenen wohl nicht verstehen würden. An anderen Schulen hingegen durften die Eltern von Mittelstufenschülern einzeln entscheiden, die Reihen wurden mit Oberstufenschülern aufgefüllt. Die Oper bietet wie immer Vor- und Nachbereitungen für Schulen an. „Das alles ist sehr bedauerlich, aber das Vorgehen der Oper ist fair und transparent“, sagt Etzold.

„Der Freischütz“ wird insgesamt zehnmal aufgeführt. Für die Premiere am Sonnabend und die nächste Aufführung am 16. Dezember sind nur noch sehr wenige Restkarten erhältlich. Ausreichend Karten gibt es wieder ab dem 23. Dezember.

Die Nationaloper – jetzt mit Videos

„Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber gilt als die deutsche Nationaloper schlechthin. In dem 1821 uraufgeführten Werk spielen nicht Adelige oder Ritter die Hauptrolle – sondern ein Bürger. Der Jägergehilfe Max will die Jägerstochter Agathe heiraten und gießt für eine Prüfung mystische Freikugeln, die jedes Ziel treffen sollen. Nach den operntypischen Verwirr- und Verwechslungsdramen darf er schließlich Agathe zur Frau nehmen.
Eigentlich spielte das düster-romantisierende Stück in Böhmen kurz nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs. Doch greifen Opern heute stets weit über die Originalfassung hinaus. In der Inszenierung von Kay Voges (Musikalische Leitung: Karen Kamensek) sind Videos von Voxi Bärenklau integriert. Der hatte 2004 bei der „Parsifal“-Inszenierung der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele einen Eklat ausgelöst. Das Stück mit Videos von halb nackten Männern und verwesenden Hasen wurde ungewöhnlich schnell abgesetzt, die Familie Wagner untersagte jegliche Aufzeichnung. „Der Freischütz“ ist nun Bärenklaus zweiter Ausflug in die Oper.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach der Absage des Länderspiels in Hannover hat die Polizei die Wohnung eines 19-Jährigen in Misburg durchsucht. War der junge Mann an der Planung eines Anschlags beteiligt? Den Verdacht hatten zumindest die Ermittlungsbehörden. Den Hinweis auf den Misburger gab eine Lehrerin.

Tobias Morchner 14.12.2015

Die dreijährige Hannah stirbt wenige Wochen nach der Diagnose an Krebs. Der größte Wunsch ihrer Eltern ist ein Stein für das Grab ihres Kindes. Die Familie ist zurzeit auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen, und das Jobcenter kommt für derartige Kosten nicht auf. Ein Fall der HAZ-Weihnachtshilfe.

Veronika Thomas 11.12.2015
Aus der Stadt Prozess gegen "Besseres Hannover" - Strafrahmen für Rechtsextreme ist abgesteckt

Das Landgericht Hannover und zwei führende Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung "Besseres Hannover" konnten sich am Freitag einigen. Die beiden Täter legten zu zwei der vier angeklagten Taten ein Geständnis ab. Das endgültige Urteil wird am kommenden Freitag erwartet.

Michael Zgoll 14.12.2015
Anzeige