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Ist diese Oper für Kinder zu hart?

Opernhaus warnt vor "Freischütz" Ist diese Oper für Kinder zu hart?

Die Staatsoper Hannover hat eine Warnung an Lehrer herausgegeben: Entgegen der ursprünglichen Einschätzung sei die aktuelle Inszenierung des „Freischütz“ nicht für Heranwachsende unter 16 Jahren geeignet. Sonnabend ist Premiere. Lehrer, die bereits Opernkarten gekauft haben, haben diese nun wieder zurückgegeben.

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Krasse Bilder: Eva Verena Müller als knollennasiger Samiel belegt Max (Eric Laporte) mit einem Zauber.

Quelle: Thomas M. Jauk

Hannover. Die Oper „Der Freischütz“ steht im Lehrplan für die achten Gymnasialstufen - doch Hannovers Achtklässler werden die Inszenierung, die Sonnabend am Opernhaus Premiere hat, nur mit Sondererlaubnis ihrer Eltern zu sehen bekommen. Die Oper hat die Altersempfehlung kurzfristig auf 16 Jahre hochgesetzt. Teil der Vorstellung sind Videoinstallationen von Voxi Bärenklau, dessen Arbeit mit Christoph Schlingensief in Bayreuth schon handfesten Streit mit den Wagners ausgelöst hatte. Offenbar hat Bärenklau für die aktuelle Inszenierung von Carl Maria von Webers „Freischütz“ drastische Szenen in die Videos integriert. Nach HAZ-Informationen geht es um Gewalt und Krieg und auch viel nackte Haut. Die betroffenen Lehrer sind schriftlich über die Änderung der Altersempfehlung informiert worden. Zum Teil haben sie die Schulbesuche bereits abgesagt.

Entgegen der ursprünglichen Einschätzung sei die aktuelle Inszenierung des „Freischütz“ nicht für Heranwachsende unter 16 Jahren geeignet.

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Die Oper hatte das Stück zunächst auch für Kinder empfohlen. Nachdem Ende vergangener Woche in der sogenannten Klavierhauptprobe erstmals Maske, Kostüme und Videos zusammen zu sehen waren, habe es intensive Diskussionen unter anderem mit der Intendanz gegeben, sagt Musiktheaterpädagogin Maike Fölling. An deren Ende stand die Entscheidung, die Altersempfehlung heraufzusetzen. Was genau an den Videos Kinder unter 16 Jahren beunruhigen könnte, wollten weder sie noch Opernsprecher Olaf Roth konkret sagen: „Es bringt Unglück im Theater, Details vor der Premiere zu verraten.“ Mit den Videos werde „auf unterschiedlichen filmerischen Ebenen reflektiert“, warum das Stück als deutsche Nationaloper gelte, sagt Fölling, dabei kämen „teils drastische Mittel zum Einsatz“. Jüngere Schüler könnten die Bezüge zur deutschen Geschichte nicht verstehen, man wolle ihnen die Lust am Theater nicht verleiden.

„Das ist schade, ich war überrascht“, sagt etwa Klaus-Jürgen Etzold vom Matthias-Claudius-Gymnasium in Gehrden. Er hatte 30 Karten bestellt und gibt sie nun nach Diskussionen mit den Eltern zurück. „Offenbar ist es eine sehr moderne Inszenierung, die es in sich hat“, sagt er. Er hatte das Stück lehrplangemäß mit seinen Achtklässlern im Unterricht durchgenommen, noch vor Weihnachten wird eine Arbeit darüber geschrieben. Trotzdem habe die Oper ihm auch auf telefonische Nachfrage verdeutlicht, dass die Schüler die Videoszenen wohl nicht verstehen würden. An anderen Schulen hingegen durften die Eltern von Mittelstufenschülern einzeln entscheiden, die Reihen wurden mit Oberstufenschülern aufgefüllt. Die Oper bietet wie immer Vor- und Nachbereitungen für Schulen an. „Das alles ist sehr bedauerlich, aber das Vorgehen der Oper ist fair und transparent“, sagt Etzold.

„Der Freischütz“ wird insgesamt zehnmal aufgeführt. Für die Premiere am Sonnabend und die nächste Aufführung am 16. Dezember sind nur noch sehr wenige Restkarten erhältlich. Ausreichend Karten gibt es wieder ab dem 23. Dezember.

Die Nationaloper – jetzt mit Videos

„Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber gilt als die deutsche Nationaloper schlechthin. In dem 1821 uraufgeführten Werk spielen nicht Adelige oder Ritter die Hauptrolle – sondern ein Bürger. Der Jägergehilfe Max will die Jägerstochter Agathe heiraten und gießt für eine Prüfung mystische Freikugeln, die jedes Ziel treffen sollen. Nach den operntypischen Verwirr- und Verwechslungsdramen darf er schließlich Agathe zur Frau nehmen.
Eigentlich spielte das düster-romantisierende Stück in Böhmen kurz nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs. Doch greifen Opern heute stets weit über die Originalfassung hinaus. In der Inszenierung von Kay Voges (Musikalische Leitung: Karen Kamensek) sind Videos von Voxi Bärenklau integriert. Der hatte 2004 bei der „Parsifal“-Inszenierung der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele einen Eklat ausgelöst. Das Stück mit Videos von halb nackten Männern und verwesenden Hasen wurde ungewöhnlich schnell abgesetzt, die Familie Wagner untersagte jegliche Aufzeichnung. „Der Freischütz“ ist nun Bärenklaus zweiter Ausflug in die Oper.

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Staatsoper Hannover
Foto: „Die Leute sind zwar ins Kino gerannt – aber sie sind nicht lange dringeblieben“: Voxi Bärenklau.

Die Staatsoper Hannover zeit ab Sonnabend Kay Voges Inszenierung von „Der Freischütz“. Voxi Bärenklau, langjähriger Mitarbeiter von Christoph Schlingensief, ist bei der düsteren deutschen Nationaloper für die Videos verantwortlich. 

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