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Aus der Stadt Im Fall Jenisa wird wieder ermittelt
Hannover Aus der Stadt Im Fall Jenisa wird wieder ermittelt
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00:16 07.07.2014
Von Tobias Morchner
Handzettel mit dem Foto des vermissten Mädchens Jenisa sind im Wohn- und Geschäftshauskomplex Ihme-Zentrum in Hannover 2007 zu sehen. Quelle: dpa
Hannover

Fast sieben Jahre nach dem Verschwinden der achtjährigen Jenisa Muja rollt die Staatsanwaltschaft Hannover den Fall wieder auf. „Nach gründlicher Durchsicht der Akten haben wir uns dazu entschlossen, die Ermittlungen wieder aufzunehmen“, sagt Staatsanwältin Kathrin Söfker. Hauptverdächtiger ist erneut Ibrahim B., der damalige Lebensgefährte der Tante des Mädchens. Er war wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, nachdem er im April dieses Jahres gestanden hatte, in Herford den fünfjährigen Dano getötet zu haben. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Zum Fall Jenisa schweigt er.

Eine konkrete Begründung für die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen den 43-Jährigen im Fall Jenisa wollten die Strafverfolger aus taktischen Gründen nicht öffentlich geben. Bislang ist auch nicht klar, was die Behörden Ibrahim B. konkret vorwerfen. „Das liegt auch daran, dass wir bis jetzt nicht wissen, was mit dem Mädchen passiert ist“, sagt Staatsanwältin Söfker. Die Leiche der Achtjährigen ist bislang nicht aufgetaucht. Gerüchte, sie sei ins Ausland verschleppt worden, haben sich ebenfalls nicht bestätigt. „Wir erhoffen uns, dass uns jetzt der Durchbruch im Fall Jenisa gelingt“, sagt die Behördensprecherin.

Seit September 2007 verschwunden

Jenisa Muja verschwand am 7. September 2007. Sie war auf dem Weg zu ihrer Tante, die damals gemeinsam mit Ibrahim B. im Ihme-Zentrum wohnte. Bis heute ist unklar, was dann mit dem Mädchen geschehen ist. Die Ermittler vermuteten damals, die Schülerin sei in der Wohnung nicht auf ihre Tante, sondern auf Ibrahim B. gestoßen. Dann verliert sich ihre Spur.

Drei Tage später entdeckten Fahnder Kleidungsstücke des Kindes an einer Autobahnauffahrt in Wunstorf. Ibrahim B. wurde von der Kripo vernommen und verstrickte sich dabei immer wieder in Widersprüche. So konnte er beispielsweise kein handfestes Alibi für den Zeitpunkt von Jenisas Verschwinden vorweisen. Auch konnte er nicht schlüssig erklären, warum er seinen VW Golf, in dem die Achtjährige am Nachmittag des 7. September gesehen worden war, wenig später verkauft hatte. Sechs Wochen lang saß Ibrahim B. in Untersuchungshaft. Doch die Beweise reichten letztlich nicht aus, um B. vor Gericht zu stellen. Er zog mit Jenisas Tante und den gemeinsamen Kindern nach Nordrhein-Westfalen. Die Familie wohnte zunächst in Hiddenhausen und dann in Herford.

Dort verschwand am 14. März dieses Jahres der fünf Jahre alte Dano, dessen Familie wie die von Jenisa aus dem Kosovo stammt. Der Junge hatte, so rekonstruierten es die Ermittler der Polizei später, am Tag seines Verschwindens bei Jenisas Tante geklingelt, weil er mit einem der Kinder spielen wollte. Doch der Spielkamerad war nicht zu Hause. Stattdessen traf Dano auf Ibrahim B. Zwischen dem Mann und dem Jungen entwickelte sich ein Streit, in dessen Verlauf der 43-Jährige Dano geschlagen haben soll. Als der Junge damit drohte, seinen Eltern von dem Vorfall zu erzählen, holte B. den Jungen in seine Wohnung, ließ ihn zunächst ein wenig fernsehen und erwürgte ihn später. Drei Wochen lang suchte die Polizei nach Danos Leiche. Der tote Junge wurde schließlich in einem Gebüsch am Ufer der Werre entdeckt.

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