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Aus der Stadt Bundespolizist wegen Kinderpornos angeklagt
Hannover Aus der Stadt Bundespolizist wegen Kinderpornos angeklagt
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21:12 05.04.2016
Torsten S. stand unter dem Verdacht, in der Wache am Hauptbahnhof zwei Flüchtlinge missbraucht zu haben. Quelle: dpa
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Anklage gegen den Bundespolizisten erhoben, der verdächtigt wurde, zwei Flüchtlinge in der Wache am Hauptbahnhof misshandelt zu haben. Dieser Punkt taucht in den Beschuldigungen jedoch nicht mehr auf. Stattdessen muss sich der 40-jährige Torsten S. wegen Vergehen gegen das Waffengesetz, des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften und des Verstoßes gegen das Kunsturheberrechtsgesetz vor einem Strafrichter verantworten. Die Anwälte von einem der Opfer wollen nun Beschwerde einlegen.

„Trotz äußerst umfangreicher Ermittlungen wurde das Verfahren gegen die Beamten, die Personen im Polizeigewahrsam misshandelt haben sollen, mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt“, erklärt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Seine Behörde habe im Rahmen der Nachforschungen auch keine Anhaltspunkte festgestellt, die auf eine systematische Misshandlung von Personen im Polizeigewahrsam hindeuten. Das kann Rechtsanwalt Matthias Waldraff, der gemeinsam mit seinem Kollegen Pascal Ackermann eines der Opfer vertritt, nicht glauben. „Das ist ein ganz plumper Versuch, das Verfahren still und heimlich zu Ende zu bringen“, sagt er.

Torsten S. unter Verdacht

9. März 2014: Beamte der Bundespolizei greifen einen 19 Jahre alten Flüchtling aus Afghanistan auf, nachdem sie ihn ohne gültigen Pass am Hauptbahnhof aufgetroffen haben. In der Gewahrsamszelle soll es dann zu den Übergriffen gekommen sein.

25. September 2014: Erneut greifen Bundespolizisten einen Flüchtling auf. Auch in diesem Fall soll Torsten S. in der Wache zugeschlagen haben.

7. Mai 2015: Zwei Kollegen von S. stellen Anzeige gegen den 40-Jährigen.

15. Mai 2015: Die Polizei durchsucht die Wohnung von Torsten S.

6. Oktober 2015: S. steht vorm Amtsgericht Stadthagen, weil er einem 14 Jahre alten Mädchen ein Foto von seinem erigierten Penis geschickt hat. Er akzeptiert eine Geldstrafe von 2400 Euro.

5. April 2016: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Torsten S.

Angestoßen hatten es zwei Kollegen von Torsten S., die ihn im Mai vergangenen Jahres anzeigten, weil er im März und September 2014 zwei Flüchtlinge misshandelt haben sollte, einen 19-jährigen Afghanen und einen gleichaltrigen Marokkaner.
Die Staatsanwaltschaft machte sich auf die Suche nach den Opfern und fand den Mann aus Marokko, der bestätigte, dass er von dem Polizisten angegriffen worden war. „Jedoch deckten sich seine Aussagen nicht mit denen der beiden Anzeigenerstatter“, erklärt Klinge. Nachdem die Ermittler weitere Unstimmigkeiten in den geschilderten Abläufen entdeckten, mussten sie den Punkt aus der Anklage streichen.

Dagegen wollen Waldraff und Ackermann Beschwerde einlegen und damit erreichen, dass die Generalstaatsanwaltschaft in Celle das Verfahren wieder aufnimmt. „Dort sollen sie mal sehen, wie hier in Hannover gearbeitet wird“, sagt Waldraff. Ihm missfällt vor allem die Bewertung der Aussagen durch die Staatsanwaltschaft. Zweimal hatte sein Mandant ausgesagt, wie ihn S. im September 2014 in der Wache am Hauptbahnhof fesselte und sogar ein Foto von ihm machte.

Das leugnet S. auch nicht. Stattdessen ließ er am 21. Juli vergangenen Jahres über seinen Anwalt erklären, dass er den Marokkaner nach seiner Festnahme zu Boden ringen und fesseln musste, weil dieser in der Wache randaliert habe. Anschließend habe er ein Foto gemacht, um zu dokumentieren, dass der Flüchtling nicht verletzt wurde. Dass er das Bild per SMS an einen Kollegen sandte und mit den Sätzen „Das ist ein Marokkaner. Den habe ich weiß bekommen. Dann hat der Bastard erst einmal den Rest gammeliges Schweinefleisch aus dem Kühlschrank gefressen. Vom Boden“ garnierte, bezeichnete er damals als „unüberlegt“. Trotz dieser schwer nachvollziehbaren Erklärungen hat die Staatsanwaltschaft die Missbrauchsvorwürfe fallen lassen. Stattdessen muss sich S. wegen des Verstoßes gegen das Kunsturheberrechtsgesetz verantworten. Er hatte die Aufnahme verbreitet, ohne den Flüchtling, der darauf zu sehen war, um Erlaubnis zu fragen.

Zudem klagt die Staatsanwaltschaft ihn wegen illegalen Waffenbesitzes an. Bei der Durchsuchung der Wohnung von S. im Landkreis Schaumburg am 15. Mai 2015 fanden die Ermittler eine Pumpgun samt Munition, für die der Beamte keine Erlaubnis hatte. Dabei stellte die Polizei auch eine CD mit kinder- und jugendpornografischen Fotos und Videos sicher. Für die Fahnder war das nicht überraschend. Bereits einen Monat zuvor waren sie bei S. gewesen und hatten dort Dateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden.

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