Bei den Elterninitiativen herrscht Enttäuschung. „Wir sind sehr enttäuscht. Der Grad der Verzweiflung ist schon groß, bevor man sich zur Gründung eines Kinderladens entschließt“, sagt Ilka Sommer vom Verein „immerda“. Die Vereinsmitglieder hätten zuvor etliche Monate, zum Teil auch mehr als ein Jahr nach Betreuungsplätzen für ihre Kinder in Hannover gesucht. „Das müssen wir jetzt wieder verstärkt tun“, sagt auch Jan Haude, dessen Frau Anne Bonfert wieder arbeiten will, sobald Sohn Bente im Sommer ein Jahr alt wird.
Als der Verein Mitte Dezember bei der Stadt anfragte, wurden die Eltern per Telefon noch freudig ermuntert. Doch einige Tage später beim persönlichen Gespräch hatten die Mitarbeiter ihre Planungsdaten abgeglichen. „Wir bekamen wohl die allererste Absage“, sagt Ilka Sommer. Sie selbst bietet ein drastisches Beispiel für die schwierige Lage. Die Sozialwissenschaftlerin hat nach einem Jahr Elternzeit vor vier Monaten wieder zu arbeiten begonnen. Sie ist in der Politikberatung tätig und pendelt dafür nach Berlin. Das ist nur möglich, weil die Mutter der 30-Jährigen sich für ein Jahr von der Arbeit freistellen ließ und jede Woche von Essen aus für drei Tage zur Betreuung der Enkelin nach Hannover kommt. Eine Absage bekam auch der Kinderladen „Michel und Ida“, der Mitte Februar mit einer Gruppe in der List startet. Die Eltern hatten eine zweite Gruppe gründen wollen. „Unsere eigenen Kinder sind damit versorgt. Aber wir bekommen viele Anrufe von verzweifelten Eltern“, sagt Heinrike Pfohl-Horster.
Die Stadt bestätigt die Situation. Hannover hat die Mittel von Bund und Land für den stufenweisen Krippenausbau bis 2013 nahezu vollständig verplant. Man habe jetzt bereits elf potenziellen Trägern absagen müssen, die auf Zuschüsse für Umbauten hofften. Zu den Krippengründern in der Warteschleife gehören neun Elterninitiativen, ein weiterer Verein sowie die Johanniter-Unfallhilfe. „Wir haben aber großes Interesse daran, mit allen Initiativen im Gespräch zu bleiben“, betont Stadtsprecherin Susanne Stroppe. Es sei immer möglich, dass verplante Mittel kurzfristig wieder frei werden und Interessenten nachrücken können.
Hannover will bis August 2013 für Kinder bis drei Jahre auf gut 5000 Betreuungsplätze und eine Betreuungsquote von rund 38 Prozent kommen. Bundesweit wird eine Quote von 30 Prozent angestrebt. Etliche Träger und „Elterninis“ haben bereits neue Krippengruppen gegründet. Im kommenden Jahr werden acht neue Kitas gebaut.
„Das nützt natürlich Eltern, die jetzt einen Platz brauchen, wenig“, sagt Ute Dalluhn von der Kinderladeninitiative. Es gebe auch verbreitete Zweifel, dass Betreuungsplätze für 38 oder 40 Prozent der unter Dreijährigen in einer Stadt wie Hannover ausreichten. „Es ist noch völlig unklar, was passiert, wenn 2013 der Rechtsanspruch greift. Wird dann nachgebessert?“, fragt Dalluhn. Angesichts der aktuellen Situation müsse die Politik sich positionieren, ob sie die Planungszahlen erhöht.
Mehr Plätze bei Tagesmüttern
Die Stadt Hannover will bis August 2013 rund 5000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren anbieten. Dazu hat die Verwaltung einen Stufenplan ausgearbeitet. Im Januar 2009 wies Hannover für unter Dreijährige 2300 Plätze in Krippen aus. Jährlich sollten von 2009 bis 2013 weitere 300 Plätze in Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen wie Kinderläden dazukommen, sodass die Zahl der Krippenplätze insgesamt um 1500 steigen und schließlich im August 2013 bei 3800 Plätzen liegen sollte. Außerdem sollten verstärkt Kinder von Tagesmüttern oder Tagesvätern betreut werden. Anfang 2009 gab es dort 750 Plätze, bis zum Jahr 2013 sollte diese Betreuungsmöglichkeit um 500 auf 1250 Plätze erweitert werden.
Im Verlauf des vergangenen Jahres gab es allerdings bereits leichte Verschiebungen in den Planungen. Ende 2009 kümmerten sich Tagesmütter bereits um gut 1100 Kinder unter drei Jahren. Die Betreuung in der Tagespflege stieg also bereits innerhalb eines Jahres um 350 Plätze. Als neue Zielzahl nennt die Stadt weitere 240 Tagespflegeplätze bis 2013.
In den Krippen stieg die Zahl im abgelaufenen Jahr von 2300 auf 2530 Plätze. Die rechnerische Zielgröße von 300 neuen Krippenplätzen pro Jahr wurde nicht erreicht. Als neues Ziel peilt die Stadt bis 2013 nun 1140 weitere Betreuungsplätze in Krippen an. Nach den neuen Planungen werden also 3670 statt 3800 Plätze anvisiert.
Die Stadt setzt insgesamt beim Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige auf einen breiten Mix von etablierten und neuen Trägern. Viele Plätze entstehen durch An- und Umbauten in bestehenden Kindertagesstätten, Neubauten, Elterninitiativen und die Erweiterung oder Neugründung von Betriebskitas.
Kommentare
KiTa .,. – 03.05.10
Es geht mit den KinderGARTEN-plätzen ja weiter... Es ist zum Kotzen! Mein sohn ist jetzt 3 und ich habe von ganzen 12 Einrichtungen in verschiedenen stadtteilen nur absagen bekommen!!!! Man muss sein Kind bereits anmelden wenn es noch in Planung ist... Das ist doch nicht mehr lustig!Verplant Paul – 13.01.10
Wenn ein neuer Landtag gebaut werden sollte, dann würde das Geld vom Land Niedersachen und nicht von der Stadt Hannover kommen.Bitte immer erst die Zuständigkeiten prüfen und dann meckern.
Tja Luca – 12.01.10
Scheiß System in dem wir leben!!!! Mehr fällt mir dazu nicht ein... leiderVerplant zyto – 12.01.10
Alle Mittel sind verplant, mehr gibt es nicht. Wenn aber ein neuer Landtag (der ja jetzt nur umbgebaut wird) beschlossen worden wäre, wären dafür wieder locker 30 Millionen da gewesen... Was seit 30 Jahren verschleppt wird, wird auch weiterhin ausgesessen!!! Wir brauchen auch ab Sommer 2010 einen Krippenplatz, weil dann das Geld nicht mehr reicht und beide arbeiten müssen!Kinderimport? Simone – 12.01.10
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die "moderne" Leistungsgesellschaft keine Kinder braucht und sie deshalb die Unterstützung verweigert. Ihre Aufzucht und Ausbildung sind einfach zu teuer und die Industrie wünscht sich lieber erwachsene Zuwanderer als Arbeiter. Ich hoffe ich liege falsch!zum Vorposter ... – 12.01.10
dein spruch ist zwar echt lustig, aber leider vergeht mir das lachen ein bisschen, wenn ich daran denke, dass mein kind in einem jahr auch in eine kinderkrippe soll. dieses ganze "schlechte" system lässt einen echt verzweifeln und wir überlegen sogar schon das weite aus hannover zu suchen, nur damit wieder beide arbeiten können-geld regiert die welt und wir sind nunmal auf 2 verdiener angewiesen.Da hilft ein Betroffener – 11.01.10
nur eine Zeugungsunterlassungserklärung zur WM in Südafrika!