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Die Stadt öffnet das Museum – ein wenig

Führungen im Sprengel-Anbau Die Stadt öffnet das Museum – ein wenig

Betonbau am Maschseeufer: Seit einigen Tagen ist der Sprengel-Anbau ohne Gerüst zu sehen – zum Ärger vieler Bürger. Nun reagiert die Stadt auf die massive öffentliche Kritik an der Fassade und will weitere Führungen zur Erklärung des architektonischen Konzepts veranstalten.

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Umstrittener Beton: die Fassade des Sprengel-Anbaus.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Zusätzlich zu den bislang zwei – längst ausgebuchten – Führungen ins Innere des Sprengel-Anbaus sind jetzt fünf weitere Termine anberaumt. Damit soll der Öffentlichkeit gezeigt werden, welches architektonische Konzept hinter dem rund 36 Millionen Euro teuren Gebäude steckt, das sich nach außen mit einer wenig einladenden schwarzgrauen Fassade zeigt. Im Inneren dagegen dominieren lichtdurchflutete Ausstellungssäle nach dem Konzept der „Tanzenden Räume“, das die Schweizer Architekten Meili + Peter entwickelt haben.

Die neue Fassade ist enthüllt – und die hannoverschen Bürger sind nicht gerade begeistert. Der Sprengel-Anbau hat sorgt für viel Gesprächsstoff in der Stadt und im Netz.

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Auch Tage nach der ersten Veröffentlichung von Fotos der Museumsfassade erreichen die Redaktion noch zahlreiche Leserbriefe zu dem Thema. Die meisten Schreiber zeigen sich erschüttert von der Architektur, die sie als grobschlächtig und monoton empfinden. Museumsdirektor Reinhard Spieler hatte in der HAZ allerdings um Vertrauen für die Leistung der Architekten geworben. Diese verstünden ihr Handwerk, und deren Arbeit sei eine Bereicherung fürs Museum.

Museum und die Kulturverwaltung der Stadt aber haben jetzt auf die Kritik reagiert, dass es bislang versäumt worden sei, überhaupt um Verständnis in der Öffentlichkeit zu werben. Fünf zusätzliche Termine der Führung „Der Neubau - Einblicke in die Baustelle“ sollen helfen, das millionenschwere Bauprojekt besser zu vermitteln. „Wir hätten gerne mehr Termine angeboten - während der laufenden Bauarbeiten aber darf die Baustelle nicht von Besuchern betreten werden“, sagt Stadtsprecherin Anne Ruhrmann. Deshalb verteilen sich die Führungen jetzt auf die Monate Oktober bis Dezember, stets an Wochenenden.

Die Termine: Anmeldungen sind noch möglich für Freitag, 10. Oktober, 15 Uhr; für Sonntag, 26. Oktober, 14 Uhr; für Freitag, 7. November, 15 Uhr; für Sonntag, 30. November, 14 Uhr und für Freitag, 5. Dezember, 15 Uhr. Alle Führungen sind kostenlos, Anmeldungen sind erforderlich unter Telefon (05 11) 16 84 38 75. Derweil gehen draußen die Arbeiten weiter. Schleifarbeiten an der Fassade sind nur noch in Form minimaler Nachbesserungen zu erledigen - die sogenannte Betonkosmetik. Im Grundsatz ist die Betonfassade fertig, Ende September gibt es die Endabnahme. Vorher werden die Glasscheiben im Erdgeschoss eingesetzt, die dem Gebäude einen schwebenden Ausdruck geben sollen, sowie die Lichtelemente im Gebäudedach installiert. Später sollen auch die großen Loggien Verglasungen erhalten.

Das sagen die Leser

Keiner der beschworenen Effekte ist fühlbar

„Jedem eine echte Chance. Also auf zum Sonntagsspaziergang an den Maschsee – die flammende Verteidigungsrede von Herrn Spieler im Kopf. Zur Abkühlung der Emotionen eine Runde gedreht, dann die zaghafte Annäherung, vom Bestand aus kommend. Vorab: Für mich war die Entscheidung pro Werksteinfassade in diesem Kontext nicht nachvollziehbar, aber: Ich mag grau, ich mag Beton, die Gliederung der Ansichtspläne hat, zugegeben, durchaus Qualität und als Museum, immerhin, wird es gut funktionieren. Fakt ist jedoch zurzeit: Keiner der von Herrn Spieler eindringlich beschworenen Effekte ist fühl- bzw. ablesbar – es ist schlicht grau(sam). Ein Hoch auf den Feinschliff! Fakt ist zudem: Selbstverständlich wäre eine intelligente, leichtere (Glas-)Fassade an diesem Ort angemessen und möglich gewesen. Das Kunsthaus Bregenz am Bodensee ('Verführung von außen nach innen' – besonders bei Dunkelheit!) oder das Museum Folkwang in Essen sind nur zwei gute Beispiele für das, was hier, 'Der Beton in den Köpfen', verpasst wurde. Schade.“ –  Thomas Huxohl, Hannover

Auf den Inhalt kommt es an

„Es ist wohl an der 'Außenhaut' nicht mehr viel zu retten oder zu verschönern, deshalb halte ich mich an den alten Werbespruch der Fa. Sprengel: Sprengel meint – auf den Inhalt kommt es an. Ich hoffe sehr, dass ich den 'Inhalt' nach der Eröffnung dann auch gelungen finde.“ – Inge Borchers, Hannover

Pilotprojekt für den Umgang mit Reaktoren

„Der Sarkophag am See! Am idyllischen Maschsee ist ein imposantes Monument neuzeitlicher Baukultur errichtet worden, das als Vorzeige- und Pilotprojekt für den Umgang mit den Ruinen kollabierter Reaktoren dienen könnte, ja sollte! Chapeau für diese aufpolierte Glanzleistung!“ –  Peter Noltemeyer, Hannover

Verfärbungen und Schlieren auf der Oberfläche

„Herrn Spieler möchte ich für seine umfangreiche, in die Tiefe gehende und subtile Rechtfertigung des Museumsanbaus danken. Lieber wäre mir aber gewesen, das Projekt könnte ohne kulturelle Nachhilfe seine Vorzüge durch seine Erscheinung präsentieren. Aus Neugierde habe ich mich auf das Rad gesetzt, um das verrissene Projekt mit eigenen Augen zu betrachten. Der erste Eindruck: Einmalig in Hannover, man ist neugierig auf den Inhalt. Nicht schlecht! Aber die teuer erkaufte Oberfläche macht mir Sorgen! Bei genauerer Betrachtung entdecke ich auf der geschliffenen Oberfläche hässliche Verfärbungen und Schlieren, sie macht einen schmutzigen Eindruck. Ich hoffe dieser Qualitätsmangel wird noch beseitigt, um dem Bau sein verdientes majestätisches Äußeres zu verleihen.“ –  Hartmut Köhn, Pattensen

Die eingeforderte Lebensfreude bleibt aus

„Insgesamt ist die vielfältige Pressearbeit im Fall Sprengel zu loben. Vielen Dank! So auch in der Samstagsausgabe der HAZ. Interessant war das Plädoyer des neuen Sprengel-Chefs Reinhard Spieler, lustig die Glosse von Volker Wiedersheim, vermittelnd und voll zustimmungsfähig der Artikel des Chefredakteurs Hendrik Brandt.

Ich möchte nur einen wesentlichen Punkt herausgreifen. So schreibt er am Ende: 'Betonarchitektur zielt im besten Fall auf den Kopf, nie aber auf das Herz.' Das ist in der Tat eine Lehre, die 'Unterm Strich' bleibt: Die Fachleute urteilen kopflastig, die Leute aus dem Bauch heraus. Immer wieder wird das, insbesondere bei Fassaden von Neubauten, offenkundig. Bei einem grauen Betonbau sehen die Leute nun einmal rot, zumal wenn er zu kriegerischen Assoziationen wie 'Bunker', 'Sarg', 'U-Boot-Halle' – und das in einem internationalen Krisensommer – verleitet. Hier kann man sich nicht wundern, wenn die von Reinhard Spieler eingeforderte 'Lebensfreude' ausbleibt. Auf dem Machseefest nebenan ist sie durchaus zu beobachten…“ –  Christian Engelken, Hannover

Mit Verhüllungsaktion von Christo erträglicher

„Der Höhepunkt ästhetischer Verrohung ist seit einigen Tagen an der Fassade des Sprengel Museums zu besichtigen. Vielleicht wäre durch eine dauerhafte Verhüllungsaktion vom verehrten Christo der optische Pfusch am Bau um einiges erträglicher zu gestalten.“  –  Hans-Joachim, Hannover

Rote Streifen könnten das Grau verschönern

„Ich finde das Brikett zwar auch nicht gerade gelungen, aber man könnte es mit einem dunkelroten Streifen auf dem Grau rund herum verschönern. Die Sprengel Produkte waren ja auch mit Rot behaftet. Mit zwei Hotels in Hongkong hat man das auch so gemacht.“ –  Peter Voss, Barsinghausen

Eine Schatzkiste, die geöffnet werden will

„Der Anbau des Sprengelmuseums erzielt eine gewaltige Fernwirkung, die sich unkonventionell in Form eine „Black Box“ als assoziativer Kontrapunkt zu dem Museumskonzept des „White Cube“ präsentiert. Der Block lebt zunächst vom Kontrast zu dem ausdruckslosen, weißen Erst-Anbau, dem verspielten Rathaus, der kleinteiligen Südstadtarchitektur und der künstlichen Natürlichkeit des Maschsees. Eine in sich hermetisch geschlossene Einheit als „Schatzkiste“ der modernen Kunst, die geöffnet werden will. Erst bei Annäherung differenziert sich in feinen Nuancen aus der anthrazit eingefärbten Kubatur durch die Tiefenstruktur und Schlagschatten eine mit feinen Proportionen gegliederte Fassade heraus. Die mäandernde Politur hält einem Geschenkband ähnlich das Volumen zusammen. Die aus konservatorischen Gründen fehlende Öffnungen werden durch Loggiaeinschnitte kompensiert, in denen (voraussichtlich) Einblicke in das Museum zu erwarten sind. Ein städtebaulich, formal und funktional erfreulicher Entwurf, der zukünftig das hohe Ansehen des Sprengel Museums unterstützen und weiterhin qualitätvolle Ausstellungen ermöglichen wird.“ –  Marc Wiese, Hannover

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