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Stadt setzt Ultimatum für Ihme-Zentrum

Investor Stadt setzt Ultimatum für Ihme-Zentrum

Oberbürgermeister Stefan Schostok hat genug von der Problemimmobilie Ihme-Zentrum. Wenn der Rat zustimmt, will er die städtischen Büros aus dem Komplex ausziehen lassen, die Suche nach Alternativen soll jetzt beginnen. Für die Wohnungseigentümer ein Dilemma: Sie blieben auf allen Problemen sitzen.

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Eine Zukunft ohne die größten Mieter? Das Ihme-Zentrum aus der Luft.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. In ungewöhnlich scharfer Form hat sich das Rathaus jetzt an die Öffentlichkeit gewandt. "Nach mehr als einem Jahr Gesprächen über die Zukunft des Ihme-Zentrums betrachtet die Landeshauptstadt ihre Erwartungen an den Investor als nicht erfüllt. Als Hauptmieter von Büroflächen will die Landeshauptstadt dem Investor jetzt bis Dezember eine letzte Frist für die Sanierungsplanung setzen", heißt es in einer Dienstag verbreiteten Erklärung: "Vorsorglich will die Stadtverwaltung mit der Suche nach alternativen Standorten für die im Ihme-Zentrum untergebrachten Dienststellen starten."

Die Stadt ist zusammen mit den Stadtwerken Hauptmieter im Ihme-Zentrum, Zehntausende Quadratmeter Büroflächen haben beide belegt und sorgen damit sowohl für eine Belebung wie auch für regelmäßige Mieteinnahmen. Ihr Vermieter: Die Berliner Investorenfirma Intown, hinter der der milliardenschwere Fondsexperte Amir Dayan steht. Sie hat die Gewerbeareale (insgesamt rund 83 Prozent des Gebäudekomplexes)  im Februar 2015 in einer Zwangsversteigerung für 16,5 Millionen Euro erworben. Sowohl die Stadt wie auch die etwa 800 privaten Wohnungseigentümer hoffen seitdem darauf, dass der Investor investiert. Passiert ist aber: quasi gar nichts.

Das Ihme-Zentrum hat eine Geschichte hinter sich, die von Fehlplanungen und Rückschlägen geprägt ist. Eine Chronik.

1972: Das Ihmezentrum befindet sich in der Bauphase.

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Am 11. Mai muss es ein Gespräch gegeben haben, an dem nach Informationen der HAZ außer Oberbürgermeister Schostok, den Wohnungseigentümervertretern und Verwalter Torsten Jaskulski auch Großinvestor Dayan selbst teilgenommen hat. OB Schostok hat nach eigenen Angaben klar Position bezogen: „Die Landeshauptstadt ist nach wie vor bereit, als Ankermieterin dazu beizutragen, dass das Ihme-Zentrum für einen Investor wirtschaftlich tragbar ist. Voraussetzung dafür ist allerdings zum einen, dass in den Gebäuden, in denen die städtischen Dienststellen untergebracht sind, durch eine umfassende Sanierung angemessene Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Zum anderen ist das Ihme-Zentrum insgesamt so herzurichten, dass es für Menschen, die dort arbeiten, wohnen oder ein Geschäft, einen Besuch oder eben auch einen Behördengang zu erledigen haben, ansprechend ist.“ Man habe allerdings bisher keine Anstrengungen für eine Verbesserung feststellen können - nur "drei Zeichenstudien zur Fassadengestaltung und eine anonymisierte Liste von Einzelhändlern, mit denen der Investor nach eigenen Angaben in Verhandlung steht", seien vorgelegt worden. Deshalb werde nun der Auszug vorbereitet. Der Investor habe Zeit bis zum Jahresende, um zu zeigen, dass es doch noch vorangeht. Am 9. Juni will Schostok die Ratsgremien über den Zeit- und vorsorglichen Auszugsplan abstimmen lassen. Dazu soll es eine gemeinsame Sitzung des Ratsausschusses für OB-Angelegenheiten mit dem Bezirksrat Linden-Limmer geben.

Der Mietvertrag der Stadt läuft bis Ende 2017

Die Stadt hat insgesamt rund 26.000 Quadratmeter Bürofläche im Ihme-Zentrum gemietet. Sie hat dort Hunderte Beschäftigte der drei Fachbereiche Senioren, Jugend und Familie und Gebäudemanagement untergebracht, zudem den Kommunale Seniorenservice Hannover (KSH), ein EDV-Datenzentrum und eine städtische Kindertagesstätte. Der Hauptmietvertrag läuft nach Angaben der Stadt bis Ende 2017. Ein Auszug würde den Leerstand erheblich vergrößern - zumal auch die Stadtwerke ihren Auszug angekündigt haben.

Verwalter Jaskulski, der die Immobilie sowohl für den Investor wie auch für die Wohnungseigentümer betreut, bedauert, dass der Konflikt jetzt öffentlich wird. "Diese Mitteilung der Stadt macht es nicht einfacher", sagt er: "Wie soll ich potenziellen Gewerbemietern erklären, dass dieses ein wirtschaftlich gutes Projekt ist, wenn beiden Groß-Büromieter öffentlich ihren Auszug ankündigen?" Er verstehe zwar die Position der Stadt - teile aber nicht die Einschätzung, dass der Investor nichts bewegt habe. "Wir haben die Vorentwürfe mit der Bauordnung detailliert abgestimmt, wir haben mit Claus Schulze einen örtlichen und sehr guten Architekten gewählt, und wir haben die Kommunikation deutlich verbessert." Die "Maßnahmen zur Revitalisierung" seien gestartet - aber sie brauchten Zeit.

"Der Investor handelt nach Gutsherrenart"

Jürgen Oppermann, der Vorsitzende der Verwaltungsbeiräte, hat dagegen Verständnis für die Position der Stadt: "Der Investor handelt hier nach Gutsherrenart - es gibt kaum Informationen." Lange Zeit seien auch die Hausgeldrückstände nicht pünktlich gezahlt worden, "erst als ich mit Klage gedroht haben, ist jetzt einmal termingerecht überwiesen worden". Die Verwaltungsbeiräte erwarteten vom Großinvestor, dass er sich an seine Pflichten halte und das Ihme-Zentrum wieder instandsetze.

Thomas Ganskow von der Bürgerinitiative Linden/Ihme-Zentrum (BLiZ) dagegen empfindet die städtische Mitteilung als "Schlag ins Genick für die Wohnungseigentümer, die auf eine Revitalisierung hoffen". Im Gebäude sei spürbar, dass es vorangehe, "sowohl am Ihmeuferweg als auch bei der Fassadengestaltung", da dürfe sich die Stadt "nicht aus ihrer politischen Verantwortung stehlen: Man darf das Ihme-Zentrum nicht sich selbst überlassen."

Der frisch gegründete Verein Zukunftswerkstatt Ihmezentrum hat sich derweil Dienstag Stadt und Investor als "Dialogpartner" angeboten. Zwar seien die Verhandlungen zwischen Stadt und Großinvestor komplex und dem Verein "im
Detail nicht bekannt". Allerdings sei man der Meinung, dass "die Betrachtungsweise der Landeshauptstadt Hannover als Großmieterin für die Lösung des komplexen Problems zu kurz greift". Man biete an, gemeinsam das Ihme-Zentrum zu einem wirtschaftlich soliden Ort mit hoher Lebensqualität zu entwickeln. "Wir sind bereit, unseren Beitrag für eine nachhaltige, kreative und wirtschaftlich solide Transformation zu leisten und freuen uns auf einen Austausch mit allen Parteien", heißt es in einer Mitteilung der Vereinsvorstände Constantin Alexander und Gerd Runge.

Das Ihme-Zentrum wurde versteigert - die Bilder aus dem Amtsgericht.

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