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Wohin mit den Flüchtlingen in Hannover?

Stadt sucht Unterkünfte Wohin mit den Flüchtlingen in Hannover?

Auf der Suche nach Unterkünften wälzt die Stadt Hannover ungewöhnliche Ideen – holt sich aber viele Absagen ab. „Wir suchen im gesamten Stadtgebiet nach Alternativen“, sagt ein Stadtsprecher. Um zusätzliche Plätze in Notunterkünften einzurichten, arbeiten die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der DLRG auf Hochtouren.

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Das leer stehende Gebäude ist an eine Möbelkette verkauft worden. Diese hat nach Angaben der Stadt noch nicht entschieden, wie sie es nutzt. 

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Der anschwellende Flüchtlingsstrom stellt die Stadt vor neue Probleme. Die Kapazitäten in den vorhandenen Unterkünften reichen nach Angaben der Verwaltung nicht aus, um alle Flüchtlinge unterzubringen, die bis Ende Januar nach Hannover kommen – auch dann nicht, wenn dort mehr Menschen einquartiert werden als bisher. „Wir suchen im gesamten Stadtgebiet nach Alternativen“, sagt ein Stadtsprecher.

Baudezernent Uwe Bodemann hatte im Bauausschuss des Rates mitgeteilt, dass Hannover in den kommenden viereinhalb Monaten weitere 3700 Hilfesuchende unterbringen muss. „Das ist eine dramatische Zahl“, sagte er. Derzeit leben in den städtischen Unterkünften 3300 Flüchtlinge, der Zustrom bedeutet also, dass etwa doppelt so viele Plätze benötigt werden wie bisher vorhanden.

Mittlerweile sind in der Stadt bereits zehn Sporthallen belegt, dazu kommen Containerstandorte, demnächst ein leerstehender Baumarkt und mit dem ehemaligen Oststadtkrankenhaus eine Großimmobilie. Unterbringungsmöglichkeiten vergleichbaren Kalibers würden der Stadt helfen, zumal nach Angaben der Verwaltung auf dem Markt kaum noch die bisher verwendeten Wohncontainer aus Stahl verfügbar sind. „Als Ersatz sind uns von der Größe her vergleichbare Container aus Holz angeboten worden“, erklärt der Stadtsprecher. Die Offerte werde geprüft.

Diese Immobilien werden derzeit nicht genutzt und haben Interesse geweckt

Kasernen: Ende des Jahres zieht der Stab der 1. Panzerdivision nach Oldenburg. Somit stehen die Räume in der Kurt-Schumacher-Kaserne an der Hans-Böckler-Allee zum großen Teil leer. Doch die ehemaligen Büros der Mitarbeiter eignen sich nicht als Notunterkunft für Flüchtlinge, allein weil es nicht genügend sanitäre Anlagen in dem Gebäude gibt. Aus Bundeswehrkreisen heißt es, die Scharnhorst-Kaserne in Bothfeld könne genutzt werden, wenn auf dem Gelände zusätzliche Duschcontainer aufgestellt würden. „Wir haben bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als unserem Ansprechpartner angefragt. Die Auskunft: Derzeit stehe in Hannover keine Kaserne zur Verfügung“, heißt es dagegen vonseiten der Stadt.

Gerichtsgebäude: Durch den Bau des neuen Justizzentrums zwischen Augusten- und Hinüberstraße sind an anderen Stellen im Stadtgebiet große Immobilien frei geworden. Doch auch sie können nicht ohne Weiteres in Flüchtlingsunterkünfte umfunktioniert werden. „Die Gebäude waren alle von uns angemietet worden und befinden sich weiterhin in Privatbesitz“, sagt Marika Tödt, Sprecherin des Justizministeriums.

Hotels: Es gibt derzeit laut Stadt zwar Angebote, aber kein konkretes Vorhaben. Die Verwaltung hat sich sogar nach dem an einen Investor verkauften Hotel Maritim am Friedrichswall erkundigt, aber eine Absage erhalten.

Krankenhäuser: Das alte Bettenhaus im Siloah wird technisch instand gesetzt und kann von Herbst an 250 Flüchtlingen Platz bieten. Andere Krankenhausimmobilien wie etwa die Frauenklinik in der Nordstadt oder die Unfallklinik an der Marienstraße stehen, wenn überhaupt, nur langfristig zur Verfügung.

Messehallen: Die Stadt zieht das in Erwägung, aber die Messe sieht keine Möglichkeiten. „Bis zum Ende der großen Frühjahrsmessen können wir keine Flüchtlinge aufnehmen“, sagt Sprecher Wolfgang Kossert. Er begründet dies nicht nur mit den Veranstaltungen an sich, sondern auch mit den umfangreichen Auf- und Abbauarbeiten.

Baumarkt Vahrenwalder Straße: Das leer stehende Gebäude ist an eine Möbelkette verkauft worden. Diese hat nach Angaben der Stadt noch nicht entschieden, wie sie es nutzt.

Um zusätzliche Plätze in Notunterkünften einzurichten, arbeiten die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der DLRG auf Hochtouren – viele von ihnen zusätzlich zu ihrer regulären Arbeitszeit, wie die Stadtverwaltung betont. Nicht ganz einfach gestaltet sich den Einsatzkräften zufolge die Beschaffung von Möbeln für die Unterkünfte. Noch sei das Bettenlager der Feuerwehr gut gefüllt. Doch bereits jetzt versuchten die Großhändler, die Preise für Möbel in die Höhe zu treiben.     

Stadt muss weiter Turnhallen nutzen

Vor einigen Tagen noch war die Stadt davon ausgegangen, dass einige der bisher mit Flüchtlingen belegten zwölf Sporthallen demnächst wieder für den Sportbetrieb freigegeben werden könnten. Eigentlich hatte das die Turnhallen an der Lüerstraße (Sophienschule), an der Gottfried-Keller-Straße (Käthe-Kollwitz-Schule), an der Badenstedter Straße (IGS Linden) und die Halle der Goetheschule betreffen sollen. Die Zusage aber musste Baudezernent Uwe Bodemann am Mittwoch im Bauausschuss des Rates wieder relativieren.

Angesichts der neuen Zuweisungen des Landes sei das vorerst nicht möglich. Die Landesregierung hatte zuvor bekannt gegeben, dass die Stadt bis Ende Januar zusätzlich zu den derzeit 3300 Flüchtlingen 3700 weitere aufnehmen muss. Damit sind alle Turnhallen in Hannover belegt, die die Stadtverwaltung vor einiger Zeit als geeignet angesehen hatte.

Am kommenden Montag ziehen Asylbewerber in die Schulsporthalle des Gymnasiums Goetheschule in Herrenhausen ein. Derzeit werden dort Böden ausgelegt und Betten aufgestellt.    

Von Bernd Haase und Tobias Morchner

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