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Stadt will Wohnungen für Flüchtlinge nicht

Hoher Verwaltungsaufwand Stadt will Wohnungen für Flüchtlinge nicht

Erneut hat die Stadt privat angebotene Wohnungen abgelehnt, weil sie ihr für Flüchtlinge nicht geeignet erscheinen. Dabei liegen sie in der Innenstadt – und wären sogar kostenfrei gewesen. Der Verwaltungsaufwand wäre, laut Stadt, zu groß.

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„So geht man doch nicht mit Menschen um, die Unterstützung anbieten“: Andreas von Graevemeyer vor dem Haus in der Alexanderstraße mit den freien Wohnungen darin

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Erneut hat die Stadt private Angebote für Flüchtlingswohnungen ausgeschlagen. Vier Wohnungen in der Innenstadt wollte ein Eigentümer etwa neun Monate lang kostenfrei zur Verfügung stellen. Doch die städtischen Mitarbeiter lehnten ab: Temporäres Wohnen „sei den Flüchtlingen nicht zuzumuten“. „Als Bürger bin ich entsetzt, als Steuerzahler beunruhigt. Sparsame Haushaltsführung kann ich bei diesem Verhalten nicht erkennen“, sagt Hauseigentümer Andreas von Graevemeyer.

Die Stadt hat eine Hotline eingerichtet, bei der Bürger freie Wohnungen melden können. Mehrfach gab es schon Kritik, weil Angebote abgelehnt wurden. Der aktuelle Fall aber ist besonders kurios. „Das Verhalten macht auf mich den Eindruck, als ob gar kein Interesse besteht“, sagt von Graevemeyer.

Er will Mitte 2016 ein Haus in der Innenstadt komplett sanieren und dachte, es sei eine gute Idee, die bis dahin leer stehenden Wohnungen der Stadt anzubieten. „Ich will kein Geld dafür“, sagt er. Er sei aber nicht einmal dazu gekommen, das zu sagen – denn die Mitarbeiterin am Telefon habe ihn sofort abgewimmelt. Er fragt sich jetzt: „Wenn die Flüchtlinge in Turnhallen und Baumärkten wohnen – warum ist ihnen dann eine temporäre Unterbringung in Wohnungen nicht zumutbar?“

Die Stadt präzisiert auf Nachfrage der HAZ, dass es eigentlich zwei Gründe für die Ablehnung gebe. Zum einen sei der Verwaltungsaufwand für eine Mietzeit von wenigen Monaten zu hoch, zum anderen würden in Wohnungen nur Flüchtlinge einquartiert, die länger bleiben dürfen – dann aber sei eine übergangsweise Mietzeit nicht gut für die Integration. Von Graevemeyer ist erstaunt über diese Logik. „Die Stadt behauptet, sie habe ein großes Unterbringungsproblem. Aber dann müssten auch temporäre Unterkünfte willkommen sein, weil so Platz auch für andere Menschen geschaffen wird.“

In einem anderen Fall hat die Stadt am Freitag eingeräumt, Wohnungsangebote zu Unrecht abgelehnt zu haben. Die Bemeroder Kirchengemeinde St. Johannis wollte eine Vier- und eine Fünfzimmerwohnung an die Stadt vermieten. Die Auskunft der Telefonhotline aber war, dass die Wohnungen zu groß seien. Es komme dann häufig zu Streit, und die Polizei müsse schlichten. Das sei „ein bedauerliches Missverständnis“ gewesen, sagt Stadtsprecher Alexis Demos zur Entschuldigung. Die Mitarbeiterin habe nur verdeutlichen wollen, dass es bei einer Wohngemeinschaft alleinreisender Flüchtlinge zu Konflikten kommen könne. Man werde jetzt Kontakt zur Kirchengemeinde aufnehmen und eine Besichtigung vereinbaren.

Bürgeramt reduziert Zeiten: Ab sofort sind die Öffnungszeiten des Bürgeramts Mitte eingeschränkt. Mittwochs von 8 bis 12 Uhr kümmern sich dort die Mitarbeiter nur um Ausländer- und Flüchtlingsangelegenheiten, weil die Arbeitsbelastung im Ausländeramt zu groß ist. So lange müssen Bürger andere Bürgerämter aufsuchen. Nur das Abholen fertiger Ausweise ist zu den Zeiten im Bürgeramt Mitte möglich.

Die Telefonhotline der Stadt lautet (05 11) 16 83 63 00.

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