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Aus der Stadt Stadt bietet schwerbehindertem Christopher Ausbildung auf Probe
Hannover Aus der Stadt Stadt bietet schwerbehindertem Christopher Ausbildung auf Probe
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10:58 15.07.2011
Von Felix Harbart
"Eine ideale Lösung": Christopher van Hülst beginnt im August seinen Lehrgang bei der Stadt Hannover. Quelle: Kristoffer Finn
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Hannover

Sein größter Wunsch sei ein Ausbildungsplatz, hatte Christopher van Hülst in diesem Frühjahr bei der Gala des Behindertensportverbandes Niedersachsen (BSN) gesagt. Da war er gerade als Rollstuhltänzer mit seiner integrativen Turngruppe aufgetreten, der Moderator hielt ihm das Mikrofon vor die Nase, und Christopher sagte eben, was ihm gerade einfiel auf die Frage nach den Plänen für seine Zukunft. Damals lag ihm die Sache mit dem Ausbildungsplatz ziemlich auf der Seele, heute ist ihm die Sorge darum vorerst genommen: Mitte August fängt Christopher bei der Stadt Hannover an.

Christopher van Hülst ist schwerbehindert. Er leidet unter einer Spina bifida, einem sogenannten offenen Rücken also, und einem Wasserkopf. Jahrelang haben schwerste Operationen ihn in der Schule immer wieder zurückgeworfen, dennoch machte der 17-Jährige in diesem Jahr seinen Realschulabschluss, ohne jemals eine Klasse wiederholt zu haben – auf einer regulären Schule. „Sitzen zu bleiben wäre mir peinlich gewesen“, sagt Christopher. Also saß er mit seinen Eltern nachmittags oft stundenlang am Schreibtisch, um zu schaffen, was er sich vorgenommen hatte: den Abschluss.

Dennoch gestaltete sich die Suche nach einem Ausbildungsplatz lange schwierig. Von vornherein hatte Christopher den Wunsch, in einer Verwaltung zu arbeiten, erst recht nach einigen erfreulichen Praktika. Aber den ersten Eignungstest setzte er ziemlich in den Sand. Ob seine Behinderung, die unter anderem hin und wieder für massive Konzentrationsprobleme sorgt, dabei eine Rolle spielte oder einfach Nervosität, kann Christopher nicht sagen.

Mit seinem Auftritt im GOP aber machte der 17-Jährige einigen Eindruck auf Hannovers Honoratioren, darunter auch Oberbürgermeister Stephan Weil. Spontan sagte Weil Hilfe zu, die HAZ berichtete über Christopher, dann wurde es wieder ruhig um ihn. In aller Stille und dank der Fürsprache des Oberbürgermeisters wiederholte er den Eignungstest und schnitt wesentlich besser ab als beim ersten Mal. Wenig später erhielt er von der Stadtverwaltung ein besonderes Angebot: Im August beginnt Christopher einen sogenannten Dienstanfängerlehrgang – eine Art Probeausbildung für ein Jahr. „Diesen Weg wählen wir immer mal wieder, in besonderen Fällen“, sagt Stadtsprecherin Konstanze Kalmus.

In dieser Zeit wird Christopher, wie andere Auszubildende auch, in der Praxis und in der Berufsschule beginnen, die Geheimnisse des mittleren Verwaltungsdienstes kennenzulernen. „Nach einem Jahr können dann beide Seiten sehen, ob es gut klappt“, sagt Kalmus. Wenn ja, beginnt für den 17-Jährigen in einem Jahr eine reguläre, zweijährige Ausbildung, an deren Ende Christopher Sachbearbeiter wäre. „Wie wir finden, ist das eine ideale Zwischenlösung“, sagt seine Mutter Elke. Auch wenn noch zu klären ist, wie Christopher mit seinem Rollstuhl jeden Tag aus Uetze nach Hannover beziehungsweise in die Berufsschule nach Braunschweig kommt.

Jetzt aber fährt Christopher erst mal für zwei Wochen ins Ferienlager. Dann fängt der Ernst des Lebens an. Im Rathaus.

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