Die meisten (14) von ihnen waren zwischen 14 und 16 Jahre alt, zwölf waren älter als 25 Jahre, zwei Jugendliche waren zwischen 13 und 15 Jahre alt. „Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen“, sagt Arzu Altug, Koordinatorin des Hannoverschen Interventionsprogramms gegen Männergewalt (HAIP).
Die Zahl der Zwangsehen von in Hannover lebenden Zuwanderern läge noch höher, wenn das Niedersächsische Krisentelefon gegen Zwangsheirat die Fälle seiner Ratsuchenden wohnortbezogen erfassen würde. Das soll erst vom kommenden Jahr an geschehen. Niedersachsenweit meldeten sich im vergangenen Jahr 111 Frauen und 13 Männer, bis Ende September dieses Jahres verzeichnete das Krisentelefon des Landes schon 124 Fälle.
Acht Frauen der hannoverschen Erhebung wurden zu einer Verlobung gezwungen, bei 26 Personen drohte die Zwangsheirat, 19 Frauen waren bereits gegen ihren Willen verheiratet worden – im Alter zwischen 16 und 18 Jahren. Bei vielen war familiäre Gewalt der Anlass, sich Unterstützung in einer Beratungsstelle zu suchen oder in ein Frauenhaus zu flüchten. Die Hochzeiten selbst fanden zu 68 Prozent in den Heimatländern statt und zu 21 Prozent in Deutschland. Die meisten Paare (53 Prozent) leben nach der Heirat in Deutschland. Die Betroffenen kamen aus der Türkei, Syrien, Irak, dem ehemaligen Jugoslawien und dem Libanon.
Auffällig ist, dass mit 71 Prozent die Mehrzahl der betroffenen Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren einen türkischen Migrationshintergrund haben. „Diese Gruppe ist besonders von Zwangsheirat bedroht“, sagte Altug. Elf von ihnen wurden auf eigenen Wunsch in speziellen Einrichtungen der Jugendhilfe untergebracht. „Betroffene Jugendliche, die aus den Familien genommen werden, müssen sehr intensiv und anonym betreut und emotional aufgefangen werden“, sagt die HAIP-Koordinatorin. Denn sie verlieren alles – ihren Freundeskreis, ihre Familie, Schule und Ausbildungsplatz. Manche kehrten nie wieder in ihre Familien zurück, sondern müssten sich eine neue Identität aufbauen.
„Aktiv gegen Zwangsheirat“ heißt ein Aktionsprogramm der Stadt, in der Experten der Migrationsforschung das Thema beleuchten. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.integration-hannover.de. Betroffene erhalten unter anderem Hilfe unter Telefon (05 11) 12 60 78 14.
Kommentare
@ wolfsmond Erkin M. – 07.10.09
Aber die Ignoranz ist unendlich weit verbreitet ;-)Sarrazin buchfink – 07.10.09
Hat Sarrazin mit seiner Anmerkung zur Integrationsbereitschaft unserer ausländischen Mitbürger nicht doch Recht?Zwangsehe home – 07.10.09
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eine traurige entwicklung.im 21. jahrhundert zustände wie im mittelalter.
gottseidank ist die "aufklärung" an europa nicht vorbei gegangen.
doch "multikulti" kann als gescheitert betrachtet werden.
ein lob an die stadt hannover für dieses projekt.
das lässt hoffen.
@Erkin oder so..... wolfsmond – 07.10.09
Ignoranz hat keine Weite.Ignoranz ist ein verengtes Denken auf ein minimales Spektrum.
Wenn man natürlich ein Weltbild hat, das 500 Jahre hinter der Moderne her hinkt, ist das eben schwierig......
@ wolfsmond Erkin M. – 07.10.09
Dein Wunsch wird ungehört verhallen in den unendlichen Weiten der Ignoranz.Allahs Wunsch wolfsmond – 07.10.09
Allah möge unseren Mitbürgern mit türkischem und arabischem Hintergrund mehr Verstand geben.........@Fatih Jens Böning – 06.10.09
Sie haben ja offensichtlich einen Migrationshintergrund. Wenn Sie diese Wahrheit so klar und deutlich aussprechen, dann wird man Ihnen zuhören und (hoffentlich) auch Recht geben.Wenn ich als Deutscher ohne Migrationshintergrund genau das gleiche gesagt bzw. geschrieben hätte, wär´ich mal wieder der Buhmann gewesen...
So läuft das leider bei uns.
Trotzdem danke für diese gute und mutige Aussage!
Traurige Gewissheit Fatih – 06.10.09
Es ist eine traurige Gewissheit, dass es sich bei den Türken auch um diejenigen handelt, die den geringsten Wunsch an Integration haben. Hier muss der Staat mehr einfordern.