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Kommt in Hannover die Einheitsschule?

Haupt- und Realschulen sollen abgeschafft werden Kommt in Hannover die Einheitsschule?

Hannover verabschiedet sich vom gegliederten Schulwesen und will Haupt- und Realschulen schrittweise in Integrierte Gesamtschulen (IGS) überführen. Am Ende gäbe es dann als weiterführende Schulen nur noch Gesamtschulen und Gymnasien. Dies sieht ein Konzept der Stadt vor.

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Vorbild für viele: Die Verwaltung will Haupt- und Realschulen nach und nach in Gesamtschulen wie die IGS Mühlenberg umbauen.

Quelle: Felix Schledding (Archiv)

Hannover. Schuldezernentin Marlis Drevermann hat das Konzept am Dienstag präsentiert. In der nächsten Woche beschäftigt sich der Schulausschuss damit.

Drevermann sagte, bei den Eltern würden Haupt- und Realschulen immer unbeliebter. In diesem Schuljahr wurden 54 Prozent der Fünftklässler an einem Gymnasium angemeldet, gegenüber dem Vorjahr ist das noch mal eine Steigerung von mehr als 4 Prozent. 36 Prozent entschieden sich für eine IGS, 8 Prozent für eine Realschule (2014 waren es noch 10 Prozent) und nur noch zwei Prozent für eine Hauptschule, das ist ein Prozent weniger als 2014. Die Leiter der verbleibenden drei Haupt- und sechs Realschulen sowie der vier zusammengezogenen Haupt- und Realschulen hätten deutlich gemacht, dass sie vor allem integrativ und ganztägig arbeiten wollen, sagte Drevermann.

Was meinen Sie?

Die Stadt Hannover möchte Haupt- und Realschulen abschaffen. In Zukunft soll es als weiterführende Schulen nur noch Gesamtschulen und Gymnasien geben. Wie finden Sie das?

Da viele Standorte zu klein seien, um in eine vierzügige IGS umgewandelt zu werden, sollten sie zunächst eine „integrative Stadtteilschule“ werden. In der Theorie wachsen diese Schulen durch die gestiegene Attraktivität so stark an, dass sie in einigen Jahren in IGS umgewandelt werden können. Im Gegenzug müssten mittelfristig viele kleinere Schulstandorte geschlossen werden.

Von der Rechtsform her wären diese Schulen in der Übergangszeit Oberschulen. Diese Schulform war von der schwarz-gelben Landesregierung als Gegenmodell zur IGS eingeführt worden. Hannover hatte sich jahrelang gegen die Einführung dieser Schulform gewehrt.

Bislang gibt es im Stadtgebiet nur eine einzige Oberschule, und zwar die Ludwig-Windthorst-Schule in der Südstadt, die in katholischer Trägerschaft ist. Die Heisterbergschule in Ahlem und die Pestalozzischule in Anderten, die schon 2012 Oberschule werden wollte, haben bereits ihr Interesse bekundet, zum Schuljahr 2016/17 in eine Oberschule umgewandelt zu werden. Bis aus den „Stadtteilschulen“ echte IGS werden, können nach Drevermanns Angaben durchaus noch zehn Jahre vergehen. Dafür seien auch erhebliche Gebäudeinvestitionen nötig.

Das Konzept der Stadt sieht noch eine Reihe weiterer Neuerungen vor:

Ausbau der Ganztagsschulen: Derzeit nehmen 6000 Grundschüler am Nachmittagsangebot der Schulen teil, von 60 Grundschulen haben derzeit 33 ein Ganztagsangebot, bis 2017/18 sollen es 44 sein. Die Stadt investiert in den Ganztagsbetrieb 6 Millionen Euro jährlich, mit weiteren 500 000 Euro sollen die Sprachförderung ausgebaut und Kinder mit Handicap besser betreut werden. In den Jahrgängen eins und zwei kümmert sich jeweils ein Sozialpädagoge oder Sozialarbeiter um 15 Kinder. Nur in den Randstunden - von 7 bis 8 Uhr morgens und 16 bis 17 Uhr nachmittags - würden nicht ausgebildete Fachkräfte eingesetzt. Das Land erlaubt erstmals auch verpflichtende Ganztagsschulen oder -klassen. Die Ottfried-Preußler-Schule in der Südstadt ist hier Vorreiter.

Höherer Mittagessenzuschuss: Die Stadt stockt ihren Anteil beim Mittagessen von derzeit 85 Cent pro Tellergericht auf einen Euro auf, der Durchschnittspreis liegt derzeit bei 2,80 Euro.

Oberstufenzentrum entsteht: An der IGS Büssingweg startet im Schuljahr 2016/17 ein Oberstufenzentrum mit der IGS List und der IGS Vahrenheide. Dort werden die Abiturienten aller drei Schulen gemeinsam unterrichtet.

17. Gymnasium wird gebaut: Weil Gymnasien schon jetzt aus allen Nähten platzen, startet im nächsten Sommer das neue Gymnasium Limmer an der Wunstorfer Straße. Durch die Umstellung auf das Abitur nach neun Jahren brauchen alle Gymnasien mehr Platz. Bis Ende 2015 soll der Bedarf ermittelt werden.

Kommentar von Saskia Döhner

Die Stadtteilschule  – eine Mogelpackung

Die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem ist keine echte Überraschung. Sie führt nur eine Entwicklung fort. Schon der Vorgänger der amtierenden Kultusministerin, der CDU-Politiker Bernd Althusmann, hatte vorhergesagt, dass es in Niedersachsen langfristig nur noch zwei weiterführende Schulformen geben werde: das Gymnasium und irgendeine Art von Gesamtschule. Und SPD und Grüne wollten schon immer „eine Schule für alle“.

Die „Stadtteilschule“ mutet wie eine Mogelpackung an. Bestenfalls ist sie eine Übergangslösung. Zum einen ist es gar keine Stadtteilschule, weil jede Schule Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet aufnehmen muss. Nur Grundschulen sind echte Stadtteilschulen. Zum anderen wird eine Schulform nicht beliebter, nur weil man den Namen ändert. Zum Grundkonzept einer Integrierten Gesamtschule gehört auch ein gehöriger Anteil von Gymnasialkindern – und eben der wird den neuen Stadtteilschulen erstmal fehlen. So wird es Gesamtschulen erster und zweiter Klasse in Hannover geben. Die Stadt betont, dass die Umwandlung in eine Stadtteilschule absolut freiwillig ist. Aber Stadtteilschulen bekommen eine deutlich bessere Ausstattung – mit festem Sozialarbeiter und mehr Lehrern für den gebundenen Ganztag. Wer lässt sich das schon entgehen?

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