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In diesen Stadtteilen in Hannover wächst die Armut

Armutsbericht 2017 In diesen Stadtteilen in Hannover wächst die Armut

Die Stadt hat ihren Armutsbericht vorgestellt. Mühlenberg ist mit Abstand das Quartier mit der größten Not. Aber der Anteil prekärer Lebensverhältnisse geht leicht zurück. Doch nicht in allen Stadtteilen. 

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Im Canarisweg in Mühlenberg ist die Armut der Bewohner besonders groß.

Quelle: Samantha Franson/HAZ-Montage

Hannover. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Hannover extrem weit auseinander. Das geht aus dem Armutsbericht 2017 hervor, den die Stadt am Montag im Sozialausschuss vorgestellt hat. Während in Mühlenberg, Hannovers ärmstem Stadtteil, mit 46,2 Prozent fast die Hälfte aller Bewohner als arm gilt, sind es in Isernhagen-Süd gerade einmal 1,5 Prozent. Bemerkenswert ist aber auch, wie groß der Abstand zwischen dem traurigen Spitzenreiter Mühlenberg und weiteren armen Stadtteilen ist. In Vahrenheide, derzeit zweitärmster Stadtteil Hannovers, liegt die Armutsquote mit 38,5 Prozent um fast 8 Prozentpunkte niedriger. Im Sahlkamp, seit vielen Jahren als sozialer Brennpunkt bekannt, liegt sie bei rund 30 Prozent.

Wülferode auf der Glücksseite

Bedrückend ist insbesondere dieser Wert: Mühlenberg verzeichnet unter allen hannoverschen Stadtteilen seit 2011 den stärksten Anstieg bei der Armutsquote. Um 
9,7 Prozentpunkte ist dort der Wert bis 2016 gestiegen. Zum Vergleich: In Leinhausen, dem Stadtteil mit dem zweithöchsten Anstieg, wuchs die Quote nur um 6,2 Prozentpunkte. Wülferode entwickelte sich stadtweit am positivsten, hier fiel die Armutsquote um 2,7 Prozentpunkte auf insgesamt nur 3,6 Prozent.

Die Stadt hat auf die vielen Probleme in Mühlenberg mittlerweile mit einem Vier-Punkte-Plan reagiert. Vor allem den armen Kindern soll durch mehr Kita-Plätze und besser ausgestattete Schulen mehr Teilhabe ermöglicht werden. Auch die Armut von Kindern bis 17 Jahre ist in Mühlenberg mit 68,9 Prozent besonders groß. Zum Vergleich: Auf Platz zwei liegt Vahrenheide mit 46,6 Prozent.

Kinderarmut ist auch insgesamt in Hannover ein großes Problem. 28,7 Prozent, also mehr als jedes vierte Kind in Hannover, gelten als arm. Erschreckend ist auch die hohe Zahl der Alleinerziehenden, die von Armut betroffen sind. Mehr als jede zweite Alleinerziehende lebt dem Bericht zufolge ergänzend oder ausschließlich von Geld vom Staat. Meist handele es sich um alleinerziehende Mütter.

Insgesamt ist der Anteil an armen Menschen in Hannover leicht zurückgegangen – trotz der hohen Zahl der Asylbewerber, die Geld vom Staat bekommen und seit der Flüchtlingskrise mitgezählt werden. 16,1 Prozent aller Hannoveraner galten 2016 als arm. Das sind 86.880 Menschen. 2015 waren es noch 0,4 Prozentpunkte mehr, also 16,5 Prozent. Wie in vielen anderen Städten wird Armut mangels verlässlicher Einkommensdaten auch in Hannover berechnet, indem man diejenigen zählt, die staatliche Hilfen bekommen, die sogenannten Transferleistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes.

Mehr Menschen finden Arbeit

Der Grund für den leichten Rückgang der Armutsquote ist dem Bericht zufolge vor allem dem bundesweiten, lang anhaltenden, konjunkturellen Aufschwung geschuldet. Mehr Menschen hätten Arbeit gefunden und seien infolgedessen aus den staatlichen Bezügen herausgefallen oder gar nicht erst hineingeraten. Allerdings: Insgesamt ist die Armutsquote in Hannover seit 2011 um 0,9 Prozentpunkte gestiegen. Den größten Sprung verzeichnen die Statistiker zwischen den Jahren 2014 (15,6 Prozent) und 2015 (16,5 Prozent): seit die Asylbewerber mitgezählt werden.     

Bornum und Mittelfeld sind abgerutscht

Seit 2011 ist nicht nur das Armutsniveau im gesamtstädtischen Durchschnitt gestiegen (von 15,2 auf 16,1 Prozent), es sind auch zwei Stadtteile hinzugekommen, die in die Kategorie der besonders prekären Stadtteile fallen. Bornum und Mittelfeld weisen jetzt eine Armutsquote von mehr als 24 Prozent auf. Die Quote beschreibt, in wieviel Prozent der Haushalte staatliche Unterstützungsleistungen (außer Kindergeld) nötig sind.

Oberricklingen ist von der Kategorie der durchschnittlichen Stadtteile in die zweithöchste Armutskategorie gerutscht, dort nahm der Anteil armer Bevölkerung um 2,2 Prozentpunkte zu. In Linden-Nord dagegen hat eine gegenteilige Bewegung eingesetzt: In dem Stadtteil hat der Anteil von Bevölkerung, die auf Unterstützung angewiesen ist, um 1,5 Prozentpunkte abgenommen – er gehört jetzt zu den durchschnittlichen Stadtteilen.
In Lahe gibt es ein besonderes Phänomen. Dort wie auch in einigen anderen Stadtteilen mit wenig Bevölkerung hat die Einrichtung von Flüchtlingswohnheimen dazu geführt, dass die Armutsquote steigt (Lahe: plus 5,1 Prozent). Die ursprüngliche Bevölkerung hingegen ist nicht ärmer geworden. med   

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