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Streit mit Künstler

Stadt will Konflikt um Stolperstein in Hannover klären

Von Simon Benne

Hannover signalisiert Gesprächsbereitschaft: Möglicherweise kann Gunter Demnig den Stolperstein für den emigrierten Kinderarzt Walter Sochaczewski doch noch legen. Die Stadtverwaltung will den Konflikt mit dem Künstler klären - und beraumt eine Tagung zur Gedenkkultur an.
Die Stadt Hannover und der Künstler Demnig gehen im Streit um Stolpersteine einen Schritt aufeinander zu.

Die Stadt Hannover und der Künstler Demnig gehen im Streit um Stolpersteine einen Schritt aufeinander zu.

© Ralf Decker

Im Streit um die Verlegung eines Stolpersteins für den 1936 emigrierten jüdischen Kinderarzt Walter Sochaczewski hat die Stadt gestern Gesprächsbereitschaft signalisiert. Noch in der ersten Hälfte dieses Jahres solle es ein Symposium zur Gedenkkultur geben: „Dabei werden wir auch erörtern, wie wir das Schicksal der Emigranten würdigen können – ob durch eine Ausweitung des Stolperstein-Projekts oder durch eine andere Form des Gedenkens“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.

Die 88-jährige Tochter des vertriebenen Kinderarztes dringt bislang vergeblich darauf, ihren Vater mit einem solchen Stein im Gehwegpflaster zu ehren. Die Stadt lehnt dies jedoch ab, da der Arzt den Holocaust im Exil überlebte und Stolpersteine allein Todesopfern vorbehalten seien. Der Künstler Gunter Demnig, der seine Stolpersteine europaweit verlegt, hält dies für eine unzulässige Beschränkung seines Konzeptes: „So eine Einmischung habe ich noch in keiner anderen Stadt erlebt“, monierte er gestern erneut.

Sowohl Demnig, der die Verlegung von Stolpersteinen in Hannover aus Protest „zurückgestellt“ hatte, als auch die Stadt zeigten sich aber zu einem klärenden Gespräch bereit: „Wir gehen davon aus, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden und die für Anfang Oktober geplante Verlegung weiterer Stolpersteine stattfinden kann“, heißt es in einer Erklärung aus dem Rathaus.

Die CDU-Ratsfraktion zeigte sich unterdessen „entsetzt über die Ungeheuerlichkeit dieses Vorganges“ und kritisierte die Verwaltung scharf. „Es kann doch nicht sein, dass es Opfer erster und zweiter Klasse gibt“, erklärte auch Ratsherr Luk List (Linke). Künstler Demnig hält derweil an seinem Vorhaben fest, auf jeden Fall einen Stein für Sochaczewski vor dessen früherem Haus in der Rühmkorffstraße zu verlegen. Seine ersten Stolpersteine habe er in den neunziger Jahren schließlich auch ohne Genehmigung verlegt: „Da lasse ich es drauf ankommen“, sagt Demnig. „Und dann sehen wir mal, was passiert.“

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