Der hannoversche Sportmediziner Matthias Marquardt hat im Internet eine Art virtuelle Bürgerinitiative für den Erhalt der Trimm-dich-Pfade gegründet. „Vielen meiner Patienten empfehle ich die Übungen auf diesen Pfaden“, sagt Marquardt. Die Klassiker der Körperertüchtigung wie Klimmzüge, Strecksprünge, Liegestützen und Kniebeugen seien medizinisch längst rehabilitiert. „Vielmehr sollte auf den Bau kostspieliger Outdoor-Fitnessbereiche verzichtet werden“, sagt er, denn die Geräte seien unergonomisch und weit weniger zweckdienlich als ein Trimm-dich-Pfad. Aber genau auf solche Mehr-Generationen-Spielplätze, wie sie im Verwaltungsjargon heißen, setzt die Stadt Hannover. Sie sollen in der Nähe des Tiergartens und am Schmachteberg entstehen und werden voraussichtlich mehrere Zehntausend Euro kosten.
Immerhin will sich Heino Kamieth von der städtischen Forstverwaltung die Argumente des Sportmediziners noch einmal durch den Kopf gehen lassen. „Es gibt unterschiedliche Ansichten über die Tauglichkeit der Übungen auf den Trimm-dich-Pfaden, aber wir gehen der Sache nach“, sagt er. Im Gespräch ist jetzt, nur den Pfad, der am Pferdeturm seinen Anfang nimmt, zurückzubauen. Einige der abmontierten Geräte könnten dann auf dem anderen Pfad, der am Zoo beginnt, wieder installiert werden. „Die Fitnesswege werden aber nicht mehr häufig genutzt“, gibt Kamieth zu Bedenken.
Dem widerspricht Sportmediziner Marquardt vehement. Besonders in den frühen Abendstunden treffe er häufig Freizeitsportler, die sich an den Geräten ertüchtigen. „Die haben den Kopf geschüttelt, als ich ihnen erzählte, dass die Pfade aufgegeben werden“, erzählt er. Allerdings sehe er durchaus die Notwendigkeit, einige der Sportgeräte zu erneuern. „Die Instandsetzung wäre mit geringerem finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen“, meint er. Dafür könnten Sponsoren gewonnen werden, zu denen er sich auch selbst zählt.
In der Ratspolitik wird die Initiative begrüßt. „Eine super Idee, aber es sollten nicht alle 100 Meter Reklametafeln mit dem Namen eines Sponsors aufgestellt werden“, sagt Mark Bindert (Grüne) – das widerspreche dem Charakter des Stadtwalds. Wenn aber Sponsorenhinweise so dezent seien wie an der geplanten Halbmarathonstrecke durch die Eilenriede, gehe das in Ordnung. Die Techniker Krankenkasse förderte die Einrichtung der Laufroute mit rund 15 000 Euro, begnügt sich aber mit einem kleinen Logo auf den Startschildern. Auch CDU-Sportexperte Dieter Küßner ist überzeugt: „Die Trimm-dich-Pfade sind stadtbekannt und sollten daher wieder aufgemotzt werden“, fordert er.
HAZ.de Anmeldung
Kommentare
köstlich Sara – 10.06.10
witzig...und ein bischen finde ich mich dabei wieder...was wiederum ein wenig erschreckend ist.TrimmDichPfade Schellenbrink – 02.06.10
In der Summe und Zusammenstellung etwas übertrieben aber das trifft (leider) tatsächlich auf viele "Sportskanonen" zu.Und: lange nicht so gelacht, weil vorhin erst live erlebt.
Nicht zu vergessen deshalb die Inline-Skater, die abgestützt am Kinderwagen schnell gehend überholen werden können.
Dennoch: diejenigen, die gar nichts tun, kosten uns das meiste Geld und diese Couchpotatoes lesen diesen Artikel erst gar nicht.
Dazu zählen sicherlich auch einige "Experten" der Stadtverwaltung.
Trimm Dich Hermann S. – 02.06.10
Man reibt sich verwundert die Augen ob des zunehmenden Realitätsverlustes der Stadt: Ihr seid PLEITE, Leute. Restlos. Verschuldet bis in EwigkeitWer sich da noch Gedanken über kostspielige Status-Projekte zerbricht, hat ja wohl irgend etwas nicht recht verstanden - und nicht kapiert, wofür er eigentlich bezahlt wird. Jedenfalls nicht, um weiter Geld für mehr oder weniger sinnlose Sachen zu verpulvern.
Wer läutet in der Stadtverwaltung bitte mal den Wecker?
Versteckte Kosten Jens – 02.06.10
Alleine dieser Vorlauf des "Projektes" kostet den Steuerzahler einen fünfstelligen Betrag. Was da an Arbeitszeit bei draufgeht! Aber die Verwaltung findet ja immer was, um sich zu beschäftigen.Wem soll das denn nützen? Thomas H. – 02.06.10
Die Trimm-dich-Pfade dürften sowas von billig in Stand zu halten sein, dass man sich direkt fragt, wem das nützen soll. Vermutlich ist es ein Problem,dass niemand bislang finanziellen Nutzen aus den Pfaden ziehen kann.Zur Ausbesserung der bisherigen Anlagen kommt doch bereits ein Ferienkurs für Jungendliche in Betracht, die mal bißchen handwerklich üben können.
Pfad erhalten Läufer – 02.06.10
Die pfade müssen erhalten bleiben, ein gutes altes stück tradition, die nix kostet. Die idee mit den sponsoren ist eine gute alternative. Es sollten sich genug sponsoren finden lassen, die mit einer dezenten werbung leben können.Fitness .. – 02.06.10
Früher:Man ging zweimal pro Woche auf den Trimm Dich Pfad und wurde fit.
Wem es zu anstrengend wurde, verlangsamte das Tempo oder die Anzahl der Übungen. Ganz einfach.
Heute:
- Besuch beim Sportarzt
- Belastungs EKG
- personel Work out sheet
- Fitness Food
- Ganz wichtig der Pulsmesser
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- 3, besser 5 Sportmagazines abonieren
Und wenn man nicht 100% Leistung errechnet, bleibt man besser auf der Couch liegen. Es gibt ja noch genug TV-Spots über sensationelle Fitnessgeräte im Shoppingchannel die man comparen und analysieren kann.