Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Eilenriede

Stadt will Trimm-dich-Pfade auflösen

Von Andreas Schinkel

Die Stadt will die Eilenriede zum sogenannten Sportwald ausbauen und plant gleichzeitig, die traditionellen Trimm-dich-Pfade aufzulösen. Altmodisch und sportmedizinisch bedenklich seien die Übungen an Holzbalken, Eisenringen und Reckstangen, heißt es zur Begründung. Dagegen regt sich jetzt Widerstand.

Morscher Pfad für Trimm-dich-Fans: Teile der Strecke, die am Pferdeturm beginnt, müssten erneuert werden.

© Martin Steiner

Der hannoversche Sportmediziner Matthias Marquardt hat im Internet eine Art virtuelle Bürgerinitiative für den Erhalt der Trimm-dich-Pfade gegründet. „Vielen meiner Patienten empfehle ich die Übungen auf diesen Pfaden“, sagt Marquardt. Die Klassiker der Körperertüchtigung wie Klimmzüge, Streck­sprünge, Liegestützen und Kniebeugen seien medizinisch längst rehabilitiert. „Vielmehr sollte auf den Bau kostspieliger Outdoor-Fitnessbereiche verzichtet werden“, sagt er, denn die Geräte seien unergonomisch und weit weniger zweckdienlich als ein Trimm-dich-Pfad. Aber genau auf solche Mehr-Generationen-Spielplätze, wie sie im Verwaltungsjargon heißen, setzt die Stadt Hannover. Sie sollen in der Nähe des Tiergartens und am Schmachteberg entstehen und werden voraussichtlich mehrere Zehntausend Euro kosten.

Immerhin will sich Heino Kamieth von der städtischen Forstverwaltung die Argumente des Sportmediziners noch einmal durch den Kopf gehen lassen. „Es gibt unterschiedliche Ansichten über die Tauglichkeit der Übungen auf den Trimm-dich-Pfaden, aber wir gehen der Sache nach“, sagt er. Im Gespräch ist jetzt, nur den Pfad, der am Pferdeturm seinen Anfang nimmt, zurückzubauen. Einige der abmontierten Geräte könnten dann auf dem anderen Pfad, der am Zoo beginnt, wieder installiert werden. „Die Fitnesswege werden aber nicht mehr häufig genutzt“, gibt Kamieth zu Bedenken.

Dem widerspricht Sportmediziner Marquardt vehement. Besonders in den frühen Abendstunden treffe er häufig Freizeitsportler, die sich an den Geräten ertüchtigen. „Die haben den Kopf geschüttelt, als ich ihnen erzählte, dass die Pfade aufgegeben werden“, erzählt er. Allerdings sehe er durchaus die Notwendigkeit, einige der Sportgeräte zu erneuern. „Die Instandsetzung wäre mit geringerem finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen“, meint er. Dafür könnten Sponsoren gewonnen werden, zu denen er sich auch selbst zählt.

In der Ratspolitik wird die Initiative begrüßt. „Eine super Idee, aber es sollten nicht alle 100 Meter Reklametafeln mit dem Namen eines Sponsors aufgestellt werden“, sagt Mark Bindert (Grüne) – das widerspreche dem Charakter des Stadtwalds. Wenn aber Sponsorenhinweise so dezent seien wie an der geplanten Halbmarathonstrecke durch die Eilenriede, gehe das in Ordnung. Die Techniker Krankenkasse förderte die Einrichtung der Laufroute mit rund 15 000 Euro, begnügt sich aber mit einem kleinen Logo auf den Startschildern. Auch CDU-Sportexperte Dieter Küßner ist überzeugt: „Die Trimm-dich-Pfade sind stadtbekannt und sollten daher wieder aufgemotzt werden“, fordert er.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
  • köstlich Sara – 10.06.10
    witzig...und ein bischen finde ich mich dabei wieder...was wiederum ein wenig erschreckend ist.
  • TrimmDichPfade Schellenbrink – 02.06.10
    In der Summe und Zusammenstellung etwas übertrieben aber das trifft (leider) tatsächlich auf viele "Sportskanonen" zu.
    Und: lange nicht so gelacht, weil vorhin erst live erlebt.

    Nicht zu vergessen deshalb die Inline-Skater, die abgestützt am Kinderwagen schnell gehend überholen werden können.

    Dennoch: diejenigen, die gar nichts tun, kosten uns das meiste Geld und diese Couchpotatoes lesen diesen Artikel erst gar nicht.

    Dazu zählen sicherlich auch einige "Experten" der Stadtverwaltung.
  • Trimm Dich Hermann S. – 02.06.10
    Man reibt sich verwundert die Augen ob des zunehmenden Realitätsverlustes der Stadt: Ihr seid PLEITE, Leute. Restlos. Verschuldet bis in Ewigkeit

    Wer sich da noch Gedanken über kostspielige Status-Projekte zerbricht, hat ja wohl irgend etwas nicht recht verstanden - und nicht kapiert, wofür er eigentlich bezahlt wird. Jedenfalls nicht, um weiter Geld für mehr oder weniger sinnlose Sachen zu verpulvern.

    Wer läutet in der Stadtverwaltung bitte mal den Wecker?
  • Versteckte Kosten Jens – 02.06.10
    Alleine dieser Vorlauf des "Projektes" kostet den Steuerzahler einen fünfstelligen Betrag. Was da an Arbeitszeit bei draufgeht! Aber die Verwaltung findet ja immer was, um sich zu beschäftigen.
  • Wem soll das denn nützen? Thomas H. – 02.06.10
    Die Trimm-dich-Pfade dürften sowas von billig in Stand zu halten sein, dass man sich direkt fragt, wem das nützen soll. Vermutlich ist es ein Problem,dass niemand bislang finanziellen Nutzen aus den Pfaden ziehen kann.
    Zur Ausbesserung der bisherigen Anlagen kommt doch bereits ein Ferienkurs für Jungendliche in Betracht, die mal bißchen handwerklich üben können.
  • Pfad erhalten Läufer – 02.06.10
    Die pfade müssen erhalten bleiben, ein gutes altes stück tradition, die nix kostet. Die idee mit den sponsoren ist eine gute alternative. Es sollten sich genug sponsoren finden lassen, die mit einer dezenten werbung leben können.
  • Fitness .. – 02.06.10
    Früher:
    Man ging zweimal pro Woche auf den Trimm Dich Pfad und wurde fit.
    Wem es zu anstrengend wurde, verlangsamte das Tempo oder die Anzahl der Übungen. Ganz einfach.

    Heute:
    - Besuch beim Sportarzt
    - Belastungs EKG
    - personel Work out sheet
    - Fitness Food
    - Ganz wichtig der Pulsmesser
    - High Sports Schuhe
    - Power Sports Clothing (Multifunction)
    - High Energy Drinks
    - ipod & Earphones
    - 3, besser 5 Sportmagazines abonieren

    Und wenn man nicht 100% Leistung errechnet, bleibt man besser auf der Couch liegen. Es gibt ja noch genug TV-Spots über sensationelle Fitnessgeräte im Shoppingchannel die man comparen und analysieren kann.

Meistgelesene Hannover-Artikel

Anzeige

Videos aus Hannover

Kennen Sie Hannover?

Hannover von oben: Das neue Rathaus.

Aus der Vogelperspektive sehen bekannte Orte ganz anders aus. Wie gut kennen Sie Hannover? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Bilderrätsel.

Tipp für Vereine: Homepage aktuell halten

myheimat - Das Mitmachportal der Heimatzeitungen in HAZ und Neuer Presse

Viele Vereine kennen das Problem: Die eigene Internetseite ist veraltet, weil die Zeit dafür fehlt. Mit dem Mitmachportal unserer Zeitung lassen sich Pressearbeit und Pflege der Vereinshomepage in einem Schritt erledigen.

Anzeige

Welcher Stadtteil ist gemeint?

Stadtteilrätsel

Wie gut kennen Sie Hannover? Woche für Woche präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle ein neues Rätsel. Beantworten Sie die Fragen und schicken Sie das Lösungswort an die Redaktion. Viel Spaß beim Rätseln!

Hannover in Zahlen

Hannover in Zahlen
  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 521.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
    30159 Hannover
    Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stephan Weil (SPD)


Top