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Aus der Stadt Stadt will verkauftes VHS-Gebäude jetzt mieten
Hannover Aus der Stadt Stadt will verkauftes VHS-Gebäude jetzt mieten
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00:16 13.03.2017
Die Sanierung hat begonnen: Ehemaliges Volkshochschul-Gebäude am Theodor-Lessing-Platz gegenüber vom Neuen Rathaus. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

„Wir brauchen zusätzliche Flächen, weil wir starken Mitarbeiterzuwachs haben und es neue Anforderungen an Barrierefreiheit gibt“, erklärte Jeannette Leinenweber, Bereichsleiterin im Gebäudemanagement, am Freitag im Wirtschaftsausschuss des Rates. Der zusätzliche Raumbedarf sei zum Zeitpunkt des Verkaufes der Immobilie nicht abzusehen gewesen, sagte Leinenweber. Unter anderem habe die Flüchtlingswelle samt Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl damals noch nicht eingesetzt. „Behalten konnten wir das Gebäude dann nicht mehr, weil die Kaufverträge schon rechtskräftig waren“, betont sie. Die Baum-Gruppe hätte Schadensersatzansprüche geltend machen können.

Über den damaligen Kaufpreis haben beide Seiten immer Stillschweigen gewahrt. Bekannt ist aber, dass der Unternehmer Gregor Baum in das marode Gebäude wegen des hohen Sanierungsbedarfs rund 20 Millionen Euro investieren muss. Dabei sind auch Denkmalschutzauflagen zu beachten. Im Erdgeschoss befinden sich beispielsweise Reste der alten Stadtmauer und Fragmente des Borgentrick-Stadtturms.

Die Stadt will aus dem Haus nun einen neuen zentralen Standort ihrer Verwaltung machen, intern „Rathaus-Kontor“ genannt. „Die Lage ist wegen der Nähe zum Rathaus ideal“, sagt Leinenweber. 126 Arbeitsplätze sollen entstehen. In Erdgeschoss und Souterrain soll der sogenannte Lernort Erinnerungskultur Platz finden.

Für Erinnerungskultur ist auch Platz

Die Stadt hält an ihren Plänen fest, im VHS-Gebäude einen sogenannten Lernort Erinnerungskultur einzurichten. Auf 400 Quadratmetern Fläche soll Schülern die NS-Zeit vermittelt werden, mit den Themen Widerstand und Emigration im Mittelpunkt.

Das Vorhaben war schon Ende Februar publik geworden, allerdings stellt sich die Entstehungsgeschichte nun etwas anders dar. „Der Lernort ist wohl ein Kollateralnutzen im Zuge der Büroanmietung“, mutmaßte FDP-Politiker Patrick Döring im Wirtschaftsausschuss des Rates. Die Stadt bestätigte das, betont aber, dass sich diese Aussage nur auf den Standort bezieht und nicht auf die Idee an sich.

Für den Lernort sind Flächen vorgesehen, die sich nach Angaben der Stadt nicht für Büronutzung eignen. Das pädagogische Konzept sieht Stationen auf zwei Etagen vor. Unter anderem könnte im Eingang eine interaktive Porträtwand entstehen, mit deren Hilfe sich die Lebenswege von Menschen während der NS-Zeit nachvollziehen lassen.

In einer vertraulichen Drucksache für den Rat, die der HAZ vorliegt, heißt es, die Anmietung von rund 4200 Quadratmetern gegenüber dem Neuen Rathaus am Friedrichswall sei nötig, um den wachsenden Flächenbedarf aufzufangen. Die jährliche Miete soll bei rund 785 000 Euro liegen, Nebenkosten inklusive. Das entspricht fast 13 Euro je Quadratmeter.

Im früheren Domizil der Volkshochschule soll der Fachbereich Recht unterkommen, dazu 60 Arbeitsplätze des Gebäudemanagements und 26 Mitarbeiter des Fachbereichs Personal und Organisation. In der obersten vierten Etage sollen Wohnungen entstehen, die der Eigentümer des Gebäudes, der Investor Gregor Baum, vermieten will. Leinenweber kündigte an, dass die Verwaltung im Gegenzug einige angemietete Bürostandorte aufgeben will.

Der Mietvertrag für das Gebäude am Theodor-Lessing-Platz soll zum 1. Mai 2018 abgeschlossen werden und zunächst für 20 Jahre gelten. In der Drucksache heißt es, die Anmietung des Gebäudes sei „als wirtschaftlich zu betrachten“. Ob die Politik das genauso sieht, steht noch nicht fest. Die Drucksache wurde gestern sowohl im Wirtschafts- als auch im Kulturausschuss des Rates zunächst zur weiteren Beratung in die Fraktionen gezogen.

Von Gunnar Menkens und Bernd Haase

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