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Aus der Stadt Stadt sucht händeringend nach Pflegeeltern
Hannover Aus der Stadt Stadt sucht händeringend nach Pflegeeltern
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00:16 21.05.2015
Von Andreas Schinkel
Sina Niemeyer, Felix Hajek, Anke Broßat-Warschum, Dorothee Weinlich, Wilfried Köpke und Arzu Sander präsentieren die Plakate der Werbekampagne. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Derzeit lebten 227 Kinder in Pflegefamilien. Die Zahl der unterzubringenden Kinder steige, das habe auch damit zu tun, dass viele elternlose Flüchtlingskinder ein neues Zuhause finden müssen. „Die Pflegefamilie ist eine der besten Formen, Kindern zu helfen“, sagt Broßat-Warschun.

Daher hat die Stadt gemeinsam mit Professoren und Studenten der Hochschule Hannover eine ungewöhnliche Werbekampagne entwickelt. Unter dem Titel „Auch so sehen Pflegeeltern aus“ werden ab heute auf etlichen Plakaten und Broschüren unterschiedliche Paare für eine Pflegeelternschaft werben – vom bürgerlichen Ehepaar bis zum Punkerpärchen.

Die Stadt will mit einer Werbeaktion mehr Hannoveraner ermuntern, Kinder in Pflege zu nehmen. Die Werbeaktion „Auch so sehen Pflegeeltern aus“ wurde zusammen mit Studenten entwickelt.

„Die Stadt hat sich für einen mutigen Entwurf entschieden“, sagt Design-Professorin Dorothee Weinlich. Insgesamt sechs Motive zeigen auf den ersten Blick Pärchen aus verschiedenen sozialen Milieus, darunter auch ein gleichgeschlechtliches Paar. Tatsächlich handelt es sich um dieselben Schauspielstudenten, die immer anders geschminkt und angezogen sind. 15 Studenten haben die Kampagne entwickelt, darunter mehrere angehende Graphikdesigner, eine Modedesignerin, eine Kostümdesignerin und Fotojournalisten. „Wir sind nicht nur eine Fakultät fürs Schleifchenmachen, sondern wir setzen uns auch mit sozialen Themen auseinander“, sagt der Dekan der Design-Fakultät, Wilfried Köpke. Entstanden ist zudem ein kurzer Film mit echten Pflegeeltern, die über ihre Erfahrungen berichten.

Pflegeeltern müssen nicht bürgerlich sein

„Wir verstehen Familie als Vielfalt“, sagt Fachbereichsleiterin Broßat-Warschun. Die Kampagne bilde im Grunde nur die Gegenwart ab. Schon jetzt stammten Pflegeeltern nicht allein aus dem bürgerlichen Milieu.
Dennoch nimmt die Stadt nicht jeden. Die Experten aus dem Familienfachbereich prüfen sehr genau, ob sich ein Paar eignet, ein Kind in Pflege zu nehmen. Zwischen der ersten Bewerbung als Pflegeeltern und den abschließenden Gesprächen vergehen rund neun Monate.

Angehende Pflegeeltern müssen eine Bewerbung schreiben mit Lebenslauf und Führungszeugnis. Mitarbeiter des Jugendamts besuchen die Bewerber zu Hause und verschaffen sich einen Eindruck von den Lebensverhältnissen des Paares. „Die gesundheitlichen und finanziellen Bedingungen müssen stimmen“, sagt Broßat-Warschun. Man erkenne sofort, wenn es Menschen nur auf den städtischen Zuschuss zur Pflegeelternschaft absehen. Zudem müssen sich Pflegeeltern bereit erklären, dass die Kinder Kontakt zu ihren leiblichen Vätern und Müttern aufrecht erhalten. „Die Kinder sollen nicht entwurzelt werden“, sagt die Fachbereichsleiterin.

Die meisten Kinder sind noch Säuglinge oder im Kleinkindalter, wenn sie von Pflegeeltern unter die Fittiche genommen werden. Die Kinder stammen oft aus zerrütteten Familien mit Eltern, die unter psychischen Krankheiten oder Suchterkrankungen leiden. Bis zur Volljährigkeit bleiben die Kinder in ihren Pflegefamilien. „Wir lassen die Pflegeeltern nicht allein, sondern bieten immer wieder Beratungen an“, sagt Broßat-Warschun.

Bei Interesse melden

Interessierte wenden sich an den Pflegekinderdienst der Stadt Hannover, Nikolaistraße 14, unter der Nummer 16841550.     

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