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Aus der Stadt Stadt zögert Bau von Windrädern hinaus
Hannover Aus der Stadt Stadt zögert Bau von Windrädern hinaus
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00:26 16.09.2015
Von Bernd Haase
Hier, im Dreieck zwischen Anderten, Bemerode und dem Waldgebiet Gaim, sollen die beiden Windräder entstehen – doch das Verfahren stockt. Quelle: Gurol (Archiv)
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Hannover

Die Stadtverwaltung, die den Bau von zwei 200 Meter hohen Rotoren befürwortet, hat jetzt eine entsprechende Beschlussdrucksache im zuständigen Stadtbezirksrat Misburg-Anderten und im Rat abgesetzt und damit vertagt. „Wir wollen einen Beschluss erst dann einholen, wenn die Genehmigung zu erwarten ist“, heißt es zur Begründung. Das Verfahren dazu liegt bei der Region Hannover und wird sich nach Angaben eines Sprechers bis weit ins kommende Jahr hinziehen.

Die Begründung, mit der die Verwaltung ihre Drucksache auf Wiedervorlage nimmt, ist ungewöhnlich: Ratsbeschluss und Genehmigungsverfahren haben per se nichts miteinander zu tun. Beim einen geht es primär um politischen Willen, beim anderen um rein fachliche Aspekte. In Hannover existiert ein Ratsbeschluss, der den Bau weiterer Rotoren im Bereich des Kronsbergs verbietet. Wenn die Politik den nicht gemäß den Wünschen von Stadtwerken und Verwaltung revidiert, dann kann die Region so viel genehmigen oder versagen, wie sie will - es wird keine Windkrafterzeugung im Ostzipfel Hannovers geben. Vor diesem Hintergrund scheint es, als wolle die Stadt das Verfahren zumindest hinauszögern.

Strom für 6000 Haushalte

Der Zeitplan der Stadtwerke ist schon jetzt nicht mehr zu halten. Sie wollen die beiden Windenergieanlagen für Gesamtkosten von rund 10 Millionen Euro ins Dreieck zwischen Anderten, Bemerode und dem Waldgebiet Gaim stellen und Mitte 2016 ans Netz nehmen. Rechnerisch können die Anlagen 6000 Haushalte mit Strom versorgen. Mehr wären es, wenn sie nicht wegen des Fledermausschutzes und möglicher Lärmbelastung zu bestimmten Zeiten nur mit gedrosselter Leistungsstärke laufen dürften.

Zur Begründung für ihr Projekt nennen die Stadtwerke Klimaschutzziele, zu denen bei der Windenergie auch das Stadtgebiet seinen Beitrag leisten müsse. „Andere Standorte in Hannover stehen nicht zur Verfügung“, sagt Matthias Rudloff, Leiter der Abteilung erneuerbare Energien beim Versorgungsunternehmen.

Die Region hat nach Angaben von Sprecher Klaus Abelmann Gutachten zu Naturschutz und Lärm erhalten, sie aber noch nicht inhaltlich bewertet. „Uns fehlt die Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung zur Radarverträglichkeit. Sie ist für Dezember angekündigt worden“, erklärt er. Genau diese Stellungnahme könnte sich als Hemmnis erweisen. Die staatseigene Firma fährt seit einiger Zeit in Sachen Windenergie einen rigiden Kurs und besteht auf einem Schutzradius von 15 Kilometern rund um ihre Funkfeuer. Nimmt sie diesen auch für die Einrichtung in Sarstedt in Anspruch, befindet sich das Kronsberg-Areal in der verbotenen Zone.

Kommentar: Es gibt bessere Standorte

Verwaltung und Politik wollen sich am Windenergieprojekt am Kronsberg vor den Kommunalwahlen im nächsten Jahr nicht die Finger verbrennen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Verwaltung eine fertige Beschlussdrucksache zum Thema mit fadenscheiniger Begründung wieder einkassiert und dass die Politik keine klare Meinung äußert, obwohl sich am eigentlichen Sachstand seit Monaten nicht viel geändert hat.

Ob die Energiewende in Deutschland scheitert oder gelingt, hängt nicht von zwei Rotoren ab. Die Windriesen am Kronsberg würden aber Naturschutz, Landschaftsbild und Naherholungswert beeinträchtigen – und zwar in einem größeren Maße, als das für ländliche Gegenden gilt. Das Argument, der Windkraftausbau in der Region Hannover dürfe nicht allein zulasten des Umlandes gehen, ist hanebüchen. Im Stadtgebiet stehen auch keine Biogasanlagen. Niemand würde auf die Idee kommen, wegen der geografischen Gerechtigkeit eine an den Kronsberg stellen zu wollen und zur Versorgung dort Maisanbau zu genehmigen. Auch für Windräder gibt es bessere Standorte.     

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