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Stadtbahn TW3000 wird nicht nachgebessert

Üstra Stadtbahn TW3000 wird nicht nachgebessert

Die Üstra wird die Sitze in den neuen Stadtbahnwagen vom Typ TW 3000 so lassen, wie sie sind. Nach zum Teil massiver Kritik von Fahrgästen hatte Vorstandschef André Neiß vor Monaten versprochen, Verbesserungsmöglichkeiten zu prüfen. Dies hat nach Angaben von Üstra-Sprecher Udo Iwannek keine machbare Lösung erbracht.

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An diesem Sitzmodell hält die Üstra trotz Kritik fest.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Vor Produktionsbeginn des pro Stück 2,5 Millionen Euro teuren TW 3000 hatte die Üstra 3000 Kunden sowie Vertreter von Behinderten- und Fahrgastverbänden in einem Eins-zu-Eins-Modell des neuen Stadtbahnwagens die Inneneinrichtung testen lassen. Dabei gab es kaum Kritik. Diese kam erst auf, als erste Stadtbahnwagen im regulären Betrieb eingesetzt wurden. Sie bezog sich insbesondere auf das Drittel der Sitze, das längs zur Fahrtrichtung angebracht ist. Sie seien zu hart, zu schmal und zu rutschig und damit eine Verschlechterung zu den Sitzmöglichkeiten im Silberpfeil, monierten etliche Nutzer nach einem HAZ-Bericht in Leserbriefen und E-Mails. Viele Kunden klagten auch über die störenden Haltestangen hinter den Klappsitzen - sie drückten in den Rücken. Und einige behinderte Fahrgäste, an die die Üstra mit breiten Gängen, niedrigen Türknöpfen und orangefarbenen Haltestangen doch besonders intensiv gedacht hat, vermissen speziell gekennzeichnete Sitzplätze.

Zum ersten Mal hat die Üstra die neue Stadtbahn TW 3000 im Linienverkehr eingesetzt. Auf der Linie 7 fuhr sie von Misburg nach Wettbergen.

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Üstra-Sprecher Udo Iwannek bestätigt, dass die Sitze schmaler sind als beim Vorgängermodell. „Wir wollten mehr Raum für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen schaffen, ohne die Anzahl der Plätze zu verringern“, sagt er. Der Unterschied zu den Sitzen des Silberpfeils betrage drei Zentimeter. Längere Züge habe man nicht in Auftrag geben können, weil die Gesamtmaße durch die Länge der Hochbahnsteige vorgegeben seien.

Was Alternativen zum hölzernen Belag der Sitze angeht, habe man Angebote unterschiedlicher Hersteller geprüft und mit Verkehrsbetrieben anderer Städte über deren Erfahrungen gesprochen. „Leider mussten wir aus hygienischen Gründen eine weichere Polsterung verwerfen“, sagt Iwannek. Bezüge etwa aus anderen Materialien - es gibt sie beispielsweise in hannoverschen ­S-Bahnen - seien anfälliger für Vandalismus und Verunreinigungen etwa durch Schmutz, Abfall, Essensreste und Körpergerüche. „Das lässt sich auch durch eine häufigere Reinigung nicht wegbekommen, weil solche Sitze bereits im Verlauf eines Tages stark leiden“, erklärt der Sprecher.

Die Üstra hatte zahlreiche Wünsche für ihre neuen Stadtbahnwagen. Höhere Sitze, mehr Platz im Innenbereich, größere Fenster – hier kommt der Überblick.

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Die Entscheidung betrifft nun nicht nur den Umbau bereits eingesetzter Wagen, sondern auch Modelle, die noch gefertigt werden. Kleiner Trost für die Sitzkritiker: Noch während der Testphase hatten viele von ihnen scharfe Kanten beklagt, die in die Kniekehlen drücken. Von einem „Martyrium“ bei Stadtbahnfahrten im neuen Wagentyp sprach etwa HAZ-Leser Carsten Schreiber. Die Kanten immerhin hat die Üstra zwischenzeitlich abrunden lassen.

Kommentar von Conrad von Meding

Beteiligung ist kein Allheilmittel

Bei der farbigen Innenbeleuchtung der neuen Bahn haben sich die Planer viel Mühe gegeben – und ausgerechnet beim Sitzkomfort hagelt es Kritik. Schon ärgerlich, wenn das Design erstklassig, der Nutzen aber umstritten ist. Mindestens genauso ärgerlich wie die defekten Schweißnähte, die die Einführung der neuen Bahnen zum Holperstart hat werden lassen.

Man muss der Üstra zugute halten: Noch nie hat sich das Unternehmen so viel Mühe mit Bürgerbeteiligung gegeben wie beim neuen Stadtbahntyp. Als in den Achtzigerjahren die Konstruktion der grünen Bahnen anstand, haben ausschließlich Fachleute entschieden. Beim Silberpfeil zur Expo wurden bereits Behindertenverbände eingeladen, ihr Wissen einzubringen. Und beim TW 3000 nun konnten außer Behindertenvertretern auch alle anderen mitreden und sich bei der Üstra für Testsitzungen in Stadtbahnmodellen bewerben. Mehr geht eigentlich nicht.

Bürgerbeteiligung ist eben kein Allheilmittel. Wenn man Testpersonen vorab probesitzen lässt, ist das noch lange kein Garant dafür, dass Nutzer später im rollenden Wagen bei Bremsvorgängen nicht ins Rutschen kommen. Vielleicht lassen sich die Entwickler ja bis zum nächsten Stadtbahnmodell eine Sitzoberfläche einfallen, die hygienisch und trotzdem rutschfest ist, die etwas mehr Breite bietet, ohne dass der Wagen verlängert werden muss. Unvorstellbar, dass das wirklich schwierig sein soll.

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