Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Stadtpolitik will den City-Tree nicht

Öko-Wand Stadtpolitik will den City-Tree nicht

Mit vier Meter hohen Mooswänden wollten die Stadtwerke die Luftqualität in der Stadt verbessern – und wohl auch Eigenwerbung betreiben. Doch jetzt steht der sogenannte City-Tree vor dem Aus, bevor er überhaupt eingeführt wurde. 

Voriger Artikel
80-jähriger Chirurg denkt nicht ans Aufhören
Nächster Artikel
Fünf Personen bei Unfall auf der A7 verletzt

Wo sollen sie hin? City-Trees wie diesen wird es in Hannover nun doch nicht geben.

Quelle: Archiv

Hannover. Mit Großplakaten haben die Stadtwerke Hannover für eine vier Meter hohe Mooswand als neues Öko-Vorzeigeprojekt geworben - doch jetzt steht der sogenannte City-Tree vor dem Aus, bevor er überhaupt eingeführt wurde. In der Innenstadt konnten sich Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker auf keinen Standort einigen. „Wenn das Projekt aufgegeben wird, werden wir uns nicht dagegen sperren“, sagt Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch (CDU). Auch die Stadtwerke gehen auf Abstand. „Wir sammeln jetzt weitere Ideen für unsere Umweltvorhaben“, sagt Stadtwerke-Sprecher Carlo Kallen. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Ärgerlich ist für die Stadtwerke, dass sie bereits eines der Hochkantbeete für mehr als 10.000 Euro bestellt haben. Wie eine Rückabwicklung des Geschäfts zu bewerkstelligen ist, darüber müsse man nachdenken, heißt es.

So viel Feinstaub wie 275 Bäume?

Der Konflikt um die Mooswand schwelt schon seit Monaten. Eigentlich wollten die Stadtwerke mit dem Hochkantbeet zeigen, dass das kommunale Unternehmen in den Umweltschutz vor Ort investiert. Kunden, die sich für einen bestimmten Tarif entscheiden („Hannover Energie“), finanzieren zugleich Öko-Projekte mit. Der City-Tree bot sich als Beispiel an, weil er kaum zu übersehen ist (vier Meter hoch, fast drei Meter breit), und die Moose angeblich so viel Feinstaub filtern wie 275 Bäume. Die Stadtwerke behielten sich vor, mehrere Mooswände aufzustellen, sollte der Prototyp bei den Hannoveranern gut ankommen. Davon ist man jetzt weit entfernt.

Was meinen Sie?

Absage an die City-Trees der Stadtwerke – was halten Sie davon?

Der Bezirksrat Mitte, der über einen Standort für den City-Tree entscheidet, argwöhnte von Anfang an, hinter den Mooswänden stecke eine reine Werbestrategie. Das hatte Auswirkungen auf die Standortsuche. Die Stadtwerke wollten das Hochkantbeet möglichst dort platzieren, wo viele Menschen vorbeikommen (Fußgängerzone), die Politiker dort, wo die Luft schlecht ist (Hauptverkehrsstraßen).

Zunächst sollte ein City-Tree nahe dem Schillerdenkmal auf der Georgstraße stehen, doch die Kaufleute meinten, dass die Wand ihre Schaufenster verdeckt. Später zog der Bezirksrat einen Standort am Aegi gegenüber der Sparkasse in Erwägung, doch der Denkmalschutz hatte Einwände. Auf dem kleinen Platz vor der Markthalle durfte die Mooswand auch nicht stehen, weil das Tiefbauamt Bedenken hatte. Wegen eines Hohlraums im Boden sei die Standsicherheit gefährdet, hieß es. Ein Standort nahe dem Goethekreisel war der Üstra zu unsicher. Die vier Meter hohe Wand hätte Probleme mit den Oberleitungen bereitet. In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats forderten Linke und Piraten, die Suche einzustellen. Eine Mehrheit zeichnete sich ab, doch die FDP vertagte die Entscheidung.

Jetzt hat der Bezirksrat Vahrenwald-List signalisiert, dass er sich einen City-Tree in seinem Beritt vorstellen könne. Doch auch hier fällt die Suche nach einem Stellplatz schwer. Die Stadtwerke haben die Lister Meile ins Gespräch gebracht, doch im Bezirksrat trifft das nicht auf Gegenliebe. Am Ende dürfte der City-Tree in Hannover nur auf Plakaten präsent sein.

Kommentar: Gesunde Skepsis ist angebracht

Das ging nach hinten los: Da kündigt der kommunale Energieversorger an, künftig einen Teil des Geldes seiner Kunden zurückzugeben – in Form von Investitionen in den Umweltschutz vor Ort. Und dann folgt ein monatelanges Gezerre, an dessen Ende gar nichts passiert. Eine vier Meter hohe Mooswand mit Sitzgelegenheit sollte als Beispiel für gut investiertes Geld dienen, doch der ökologische Nutzen war von Anfang an fragwürdig. Das zeigt ein Blick nach Stuttgart. Dort will die Stadt in kostspieligen Tests herausfinden, wie gut die Filterwirkung von Moosen bei Feinstaub und Stickoxiden wirklich ist. Die hannoverschen Stadtwerke behaupten dagegen, den Effekt schon zu kennen: Ein einziger City-Tree entspreche dem Luftfilter von exakt 275 Bäumen.

Da verwundert es nicht, wenn Kommunalpolitiker mit gesunder Skepsis reagieren und die Standortsuche verzögern. Zu allem Überfluss schafften die Stadtwerke ein 10.000 Euro teures Stück an, obwohl sie noch nicht wussten, wohin damit. Vielleicht hätte man die Wände als das verkaufen sollen, was sie waren: eine interessante Idee zur Stadtgestaltung mit Werbenutzen für die Stadtwerke. So aber war nichts zu gewinnen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Anfang Juli heiratete Ernst August Erbprinz von Hannover Ekaterina Malysheva. Auf unserer Themenseite finden Sie Bilder, Videos und Berichte zur Promi-Hochzeit des Jahres in Hannover.

Liebesschlösser am Maschsee

Die Liebesschlösser am Maschsee.